Kulturhof
Musik, Kunst und Literatur auf einem Fleck

Westerkappeln -

Nach einem gelungenen Start in die Dauerausstellungssaison auf dem Kulturhof Westerbeck freute sich Inhaber Raimund Beckmann über einen tollen Auftakt der Wechselausstellungen und Veranstaltungen im wieder einmal bis auf den letzten Platz besetzten Galerie-Café. Gut gelaunte Gäste und Interpreten, Musik, Kunst und Literatur sowie ein blendend aufgelegter Veranstalter machten den Abend zu einem besonderen Erlebnis.

Sonntag, 06.05.2012, 17:05 Uhr

Kulturhof : Musik, Kunst und Literatur auf einem Fleck
Für eine schwungvolle Ouvertüre zwischen Vernissage und Lesung sorgten die „Sidewalker“ aus Bramsche. Foto: Dietlind Ellerich

. „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“, versichert Claus Weidner der überrumpelten Zuhörerin, die er völlig unvermittelt, aber erfolglos von ihrem Stuhl in seine Arme reißen möchte. Der Schauspieler zitierte den französischen Dichter François Villon, dessen Texte in seinen Lesungen selten fehlen. Auch im Kulturhof Westerbeck nicht, wo Weidner am Samstagabend auf Einladung von Raimund Beckmann gastierte.

Nach einem gelungenen Start in die Dauerausstellungssaison freute sich der Inhaber des Hofes über einen tollen Auftakt der Wechselausstellungen und Veranstaltungen im wieder einmal bis auf den letzten Platz besetzten Galerie-Café. Gut gelaunte Gäste und Interpreten, Musik, Kunst und Literatur sowie ein blendend aufgelegter Veranstalter machten den Abend zu einem besonderen Erlebnis.

Für eine schwungvolle Ouvertüre sorgten die „Sidewalker“ aus Bramsche, die Beckmann erst am Maifeiertag kennengelernt und stante pede für den Auftritt am Samstag verpflichtet hatte. Die drei Männer machten mit Banjo, Susaphon und Posaune Stimmung und füllten die Pausen der Vernissage mit Jazzmusik.

In die Doppelausstellung mit Radierungen des Osnabrücker Künstlers Reinhard Klink und Keramikfreuden von Marianne und Hartmut Graf aus Vechta, die bis zum Pfingstmontag im Galerie-Café zu sehen sind, führten Kuratorin Marianne Lohmann und Raimund Beckmann ein.

Lohmann schwärmte von der „fabelhaften Welt des Reinhard Klink“, der „mit fröhlicher Nonchalance und einem Hauch Melancholie ... auf seiner Klaviatur der ausgebufften Tricks und Zauberkunststückchen, die wir normal Sterblichen nie wirklich nachvollziehen werden“, spiele. Warme, schillernde Farbtöne, die durch weiße Auslassungen kontrastiert würden, machten die spielerischen Szenerien seiner Werke aus, erklärte Lohmann an Hand des „Elefanten-Blues“ und anderer Radierungen des Künstlers.

„Ein tolles Team“, lobte Raimund Beckmann das Künstlerpaar Graf und fragte sich, wie es möglich sei, die Leichtigkeit eines Schmetterlings mit einem schweren Material wie Ton darzustellen. Viel Anklang fanden die Exponate der Vechtaer bereits vor der offiziellen Eröffnung, und so hieß es bei manchem Werk schnell „verkauft“.

Während Veranstalter, Künstler und Besucher noch in künstlerischen Sphären schwelgten, stand Claus Weidner schon ein wenig ungeduldig in den Startlöchern, um dem Publikum „Allerlei Lust“ zu bringen. „Lustig und lustvoll“ werde es, versprach Beckmann und überließ dem Schauspieler Weidner und dem Gitarristen Leonid Korrell die Bühne.

Ob Villons Balladen, Goethes Tagebuch, Odemanns Küchenroman, Heinrich Heine oder Charles Bukowski – Erotisches zieht sich seit Jahrhunderten durch die Weltliteratur. Weidners Auswahl traf den Nerv des Publikums, das Goethes Lust auf das Zimmermädchen ebenso genüsslich verfolgte wie den Wettstreit von Cocktailkleid und Höschen der Frau Bankdirektor Walter, die mittlerweile als Putzlappen ihr trauriges Dasein fristen, und die Geschichte von den 33 weißen Unterhosen, die man(n) nach vielen Anläufen endlich ersteht, um sich den Anblick seiner Liebsten in himbeerfarbener Reizwäsche zu ersparen.

Dass Claus Weidner während seines Vortrags allzu sehr am Papier klebte, nahmen ihm seine Zuhörer nicht übel. Sie verfolgten die erotische Zeitreise des 69-Jährigen begeistert. Einblick in die russische Seele gab der Gitarrist Korrell mit seinen Intermezzi, und auch wer die fremde Sprache nicht verstand, litt doch mit, wenn der in Sankt Petersburg geborene Musiker von der Berg- und Talfahrt der Gefühle und der ersten Liebe sang.

Eine Premiere erlebten die Besucher des Kulturhofes mit einem Duett von Weidner und Korrell. Sie interpretierten unter großem Gelächter des Publikums den Titel „Sex Appeal“ des vor fünf Jahren verstorbenen österreichischen Liedermachers Georg Danzer.

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