Straßenbau und Landschaftspflege
Neuer Asphalt lässt Bäume wachsen

Westerkappeln/Tecklenburger Land -

Der Ausbau der Landstraße 593 zwischen Dreierwalde und Hopsten war ein kleiner Segen für die Fauna und Flora ganz im Norden der Gemeinde Westerkappeln. Vom geplanten Umbau des Bahnübergangs zwischen Alt-Lotte und Wersen profitiert die Natur dort schon jetzt. Und vielleicht lässt sogar die Verbreiterung der Autobahn 1 zwischen Lengerich und dem Autobahnkreuz Lotte auf sechs Spuren Bäume in Seeste sprießen. Wie das? Der Landesbetrieb Straßen NRW nutzt seit einiger Zeit Flächen des Schoellerhofes für Ausgleichsmaßnahmen.

Freitag, 03.08.2012, 07:08 Uhr

Straßenbau und Landschaftspflege : Neuer Asphalt lässt Bäume wachsen
Eine Menge Zeit und Geld gespart hat der Landesbetrieb Straßen NRW nach Überzeugung von Ralf Groß-Heitfeld (links) und Helmut Lewe durch den „Einstieg“ in die Stiftung Schoellerhof. Lewe zeigt auf eine der Parzellen, die der Landesbetrieb als Ausgleichsfläche in Anspruch nimmt. Die Karte oben zeigt den Maßnahmenplan für die gesamte Stiftungsfläche, unten ist der Bestand abgebildet: braune Flächen sind noch frei. Mit Geldern des Landesbetriebes wurde auch der idyllische Teich (kleines Bild) angelegt. Foto: Frank Klausmeyer

„Gut das wir das hingekriegt haben“, sagt Helmut Lewe , Gartenbauingenieur der Regionalniederlassung Münsterland von Straßen NRW . Die Behörde setzt sich quasi ins gemachte Nest. Wo Straßen NRW sonst für Kompensationsmaßnahmen große Pläne entwerfen muss, „haben wir hier ein fertiges Konzept“, freut sich Lewe.

Nicht weniger bemerkenswert ist die enge Zusammenarbeit mit Rainer Schmidt . Der Herr über das Forstrevier Seeste und damit über fast 3000 Hektar Grund und Boden im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (im Wesentlichen ist das der Truppenübungsplatz) kümmert sich auch um die 211 Hektar der Stiftung Schoellerhof. Er übernimmt für Straßen NRW die sogenannte forst- und naturschutzfachliche Dienstleistung. Das heißt: Der Forstamtmann sorgt dafür, dass alle Kompensationsmaßnahmen korrekt umgesetzt und gepflegt werden.

Wo Straßen verbreitert, wo Radwege angelegt oder wo Kreisverkehre gebaut werden, überall dort geht unwiederbringlich Natur verloren. Der Gesetzgeber fordert, solche Eingriffe auszugleichen.

Dies ist mit immensem Aufwand verbunden. Zunächst muss Straßen NRW einen landespflegerischen Begleitplan aufstellen. Dort wird festgehalten, ob und wie Pflanzen oder Tiere von einer Baumaßnahme betroffen sind und welche Auswirkungen es für Boden, Wasser, Klima, Luft sowie das Landschaftsbild gibt. „Im Vordergrund steht immer die Vermeidung“, betont Ralf Groß-Heitfeld, Landschaftsarchitekt bei Straßen NRW.

Vermeidung bedeutet in diesem Fall aber nicht Verzicht auf ein Projekt, sondern Ausgleichsmaßnahmen vor Ort. Das können beispielsweise ein Amphibientunnel oder eine Grünbrücke sein. „Wir können natürlich nicht für zehn Kröten einen Tunnel bauen“, gibt Groß-Heitfeld zu bedenken. Das im Amtsdeutsch bekannte Straßenbegleitgrün – sprich Bäume, Sträucher und Hecken, die am Wegesrand gepflanzt werden – wird übrigens nicht als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme akzeptiert.

Anders sieht das für die Umwandlung von Ackerflächen in extensiv genutzte Wiesen, für den Rückbau von Straßen oder die Renaturierung von Bachläufen aus.

Ausgleich soll in erster Linie dort geschehen, wo Flächen versiegelt werden. Denn Kraut und Kröten ziehen ja nicht automatisch zig Kilometer in ein neues Biotop um.

Besonders bei kleineren Baumaßnahmen wie einem Kreisel oder einem Radweg ist der Ersatz vor Ort aber manchmal schwierig. „Ökologisch macht es viel mehr Sinn, das in einem Biotopverbund zu machen“, sagt Groß-Heitfeld.

Der Schoellerhof ist wie gemacht dafür. „Wir haben hier Maßnahmen aus den vergangenen zehn Jahren umgesetzt, die woanders nicht möglich waren“, erläutert Gartenbauingenieur Lewe, der landespflegerische Ausführungspläne entwickelt. Durch das fertige Konzept der Stiftung spare der Landesbetrieb eine Menge Zeit und Geld. „Hier findet man auch eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung, vor allem bei den Bauern“, ergänzt Groß-Heitfeld. Denn der Landwirtschaft würden keine zusätzlichen Flächen entzogen.

7,5 Hektar Ausgleichsfläche hat sich Straßen NRW für sechs Projekte – darunter auch ein Radweg an der L 589 in Leeden – auf dem Schoellerhof durch einen Entschädigungsvertrag an Land gezogen. 2,8 Hektar wurden im Vorgriff auf den Umbau des Bahnübergangs zwischen Lotte und Wersen bereits in Beschlag genommen.

Ob auch der A 1-Ausbau im Grenzgebiet von Westerkappeln und Neuenkirchen ausgeglichen wird, steht noch nicht fest. Das Projekt befindet sich noch in der Planfeststellung. „Für Bundesbaumaßnahmen soll eigentlich auf Bundesflächen zurückgegriffen werden“, sagt Achim Urmes, stellvertretender Leiter des Bundesfortbetriebes Rhein-Weser. Entscheidend sei am Ende die Frage, wo der Ausgleich mehr Sinn mache.

Mit der Nutzung des Schoel­lerhofes mache sich der Bund eventuell auch ein bisschen selbst Konkurrenz. „Jetzt werden große bundeseigene Flächen frei“, gibt Urmes mit Hinweis auf den ehemaligen Luftwaffenstützpunkt Hopsten-Dreierwalde zu bedenken, eine seiner Meinung nach ideale Möglichkeit, Entsieglung für Versieglung vorzunehmen.

Auf dem Schoellerhof ist in puncto Ausgleichsmaßnahmen noch viel Luft nach oben. Erst rund ein Drittel des Gesamtareals sind belegt. „Ich denke, dass die Stiftungsflächen auch noch Berücksichtigung für den Bau neuer Windkraftanlagen findet“, meint Förster Rainer Schmidt.

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