Urteil
Rocker muss dreieinhalb Jahre in Haft

Westerkappeln/Münster -

Dreieinhalb Jahre ins Gefängnis muss ein den „Bandidos“ nahestehender Rocker aus Osnabrück, weil er vergangenes Jahr, ein Mitglied eines konkurrierenden Clubs in Westerkappeln von der Straße drängte.

Freitag, 01.02.2013, 17:02 Uhr

Immer mit verschränkten Armen: Der Angeklagte verzog keine Miene, als der Richter das Urteil verlas – drei Jahre und sechs Monate Gefängnis. Das Foto entstand zum Prozessauftakt.
Immer mit verschränkten Armen: Der Angeklagte verzog keine Miene, als der Richter das Urteil verlas – drei Jahre und sechs Monate Gefängnis. Das Foto entstand zum Prozessauftakt. Foto: Wilfried Gerharz

Der Richter vor dem Landgericht Münster ließ dem Urteil – drei Jahre und sechs Monate Haft – klare Worte folgen. „In Deutschland“, sagte er, „da entscheidet der Staat, wer wo fahren darf und in welcher Kleidung.“ Mitnichten sei es einer kleinen Gruppierung wie einem Rockerclub erlaubt, selbst festgelegte Gebietsansprüche durchzusetzen.

Doch genau das hatte ein 31-jähriger Straßenbauer aus Osnabrück am 28. April 2012 auf der Bramscher Straße (L 584) in Seeste versucht. Selbst Mitglied des Rockerclubs X-Team, das den Bandidos nahesteht, drängte er das Mitglied eines konkurrierenden Clubs mit seinem Mercedes von der Straße. Der Mann, der auf seiner Yamaha unterwegs war, hatte keine Chance. Als der Angeklagte den Biker nach einem scharfen Überholmanöver ausbremste, „konnte dieser der Kollision nur entgehen, indem er ebenfalls stark bremste“, schilderte der Richter den Tathergang. Dabei kam der Kradfahrer zu Fall, überschlug sich, wurde verletzt – und ist seither arbeitsunfähig. „Der Unfallverlauf spricht für bewusstes Abdrängen“, so der Richter.

Dem Angeklagten, der Fahrerflucht beging, kam die Polizei nur auf die Schliche, weil seine Ex-Freundin vor Gericht gegen ihn ausgesagt hatte. Er hatte ihr erzählt, am Tattag „einen anderen vom Motorrad geholt“ zu haben, gab sie an. Eine Telefon-Abhöraktion der Polizei bei der 24-jährigen Altenpflegerin und dem Angeklagten bestätigte diese Version. Was der Prozess jedoch ergab: Die junge Frau hatte Angst vor ihrem Ex-Freund, sodass sie ihre Aussage immer wieder zu seinen Gunsten variierte.

Auch das Opfer, das zunächst als Nebenkläger hatte auftreten wollen, zog seinen Antrag kurz vor Prozessbeginn zurück. Der Richter machte sich diesbezüglich nichts vor. „Eine Reihe von Verfahren im Rocker-Milieu haben gezeigt: Sie tragen ihre Streitigkeiten untereinander aus – und nicht mit Hilfe von Polizei und Justiz“, sagte er.

Das Opfer, ursprünglich Mitglied des Rockerclubs MC Gremium, ist dort inzwischen rausgeflogen. Heikles Detail, das die Kammer gestern noch ansprach: Im Tat-Auto des Angeklagten stellten Ermittler nicht nur eine Axt, Schlagstöcke, Messer, Schutzwesten und Pfefferspray sicher. „Unter dem Teppich in einem Versteck fanden sie zudem eine scharfe Schusswaffe“, so der Staatsanwalt.

Nicht von ungefähr hatte die Kammer dem vorbestraften Angeklagten ein hohes Aggressionspotenzial bescheinigt. Als Zugabe zur Gefängnisstrafe gab es für ihn ein eineinhalbjähriges Fahrverbot.

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