Bundestagswahl 2013: Die CDU-Kandidatin Anja Karliczek im Interview
Pragmatisch, zielorientiert, optimistisch

Westerkappeln/Tecklenburger land -

Westerkappelns Frau für Berlin – das immerhin könnte Anja Karliczek am 22. September werden. Für die CDU geht die Tecklenburgerin im Wahlkreis III in den Wahlkampf. Am Montag Morgen war sie zum Antrittsbesuch in Westerkappeln bei Bürgermeister Ullrich Hockenbrink. Für die WN ein Anlass, mal ausführlich mit der Kandidatin zu sprechen.

Dienstag, 26.03.2013, 09:03 Uhr

Reichstag -- da will sie hin
Reichstag -- da will sie hin Foto: AP

Anja Karliczek ist das neue Gesicht der Union im Wahlkreis 128 Steinfurt III (Tecklenburger Land plus Emsschiene mit Saerbeck, Greven , Emsdetten). Die 41-Jährige bewirbt sich bei der Bundestagswahl im September um ein Mandat in Berlin . Wir haben mit ihr ein ausführliches Interview geführt.

Nicht kneifen: Waren Sie für oder gegen eine Kandidatur von Dieter Jasper ?

Anja Karliczek: Ich glaube, es hätte einen ganz schmutzigen Wahlkampf gegeben. Ich habe alle Achtung davor, dass er gesagt hat, das tue ich meiner Familie nicht an.

99 von 192 Stimmen – Ihre Nominierung war knapp. Waren Sie überrascht ?

Karliczek: Es hätte auch anders ausgehen können und es war bis zur letzten Minute offen. Ich habe die ganze Zeit gehofft und am Ende war ich selig und habe mich riesig gefreut.

Sie sind die CDU-Frau Nummer 1, die Kandidatin, auf die alle schauen. Steht die Partei hinter Ihnen ?

Karliczek: Ja – komplett! Das war ganz toll an diesem Abend: Alle haben gratuliert, alle ziehen jetzt an einem Strang. Ich habe ein klasse Gefühl der Unterstützung.

Unterstützung auch von da, wo sie unbekannt sind: Aus Greven, aus Emsdetten ?

Karliczek: Die CDU Greven hat sich sofort gemeldet und gratuliert. Ich habe ja früher mal in Reckenfeld gewohnt. Und in Emsdetten habe ich Familie. Ich habe überall dort hin schon Kontakte gehabt, alle tragen mich mit.

Also ein ganz neues Gesicht auf der politischen Bühne in der Region. Ganz schön mutig, Frau Karliczek…

Karliczek: Das stimmt. Ich kann viel Neues lernen. Das wird eine spannende Zeit werden, ich freue mich darauf. Bin ich mutig? Jetzt war die Chance da, der Wahlkreis war frei. Ich wäre nicht gegen jemanden angetreten, der im Amt ist. Ich bin also nur „relativ mutig“.

Keine Angst zu scheitern ?

Karliczek: (sie schüttelt den Kopf) Nein – ich möchte gewinnen. Das ist mein Ziel !

Was bringt eine Hotel-Managerin und dreifache Mutter dazu, sich um ein Berlin-Mandat zu bewerben ?

Karliczek: Ich habe immer aus eigenen Ideen heraus Politik gemacht: Ich habe mich z.B. um die Kinderbetreuung vor Ort gekümmert oder darum, aus Tecklenburg ein touristisches Highlight zu machen. Ich möchte daran arbeiten, dass die Kommunalpolitik, die ländliche Region nicht abgehängt wird. Wir hier sind lebenswert, das möchte ich weitertragen nach Berlin.

Und wenn es klappt: Was sagt ihre Familie ?

Karliczek: Bevor ich mich beworben habe, habe ich meine kleine Familie gefragt: „Das hast du immer schon gerne gemacht, Mama. Nutze die Chance“, haben die Kinder gesagt. Und auch mein Mann gibt mir 100-prozentige Unterstützung. Meine Brüder, mit denen ich im Hotel arbeite, tragen das mit. Alle stehen hinter mir, das war für mich die wichtigste Voraussetzung.

Was sind  Ihre Stärken ?

Karliczek: Ich gehe pragmatisch und zielorientiert an die Dinge ran. Und ich kann gut zwischen Interessen vermitteln und dann schauen: Wo geht was? Und auch Entscheidungen treffen kann ich gut. Eine Nacht drüber schlafen und dann muss sich was bewegen...

Gibt es etwas, dass Anja Karliczek nicht gut kann ?

Karliczek: Ich bin manchmal ein bisschen ungeduldig. Ach ja: Handarbeiten kann ich auch nicht.

Sie haben als Wahlkämpferin keine Erfahrung vorzuweisen. Wie soll das laufen ?

Karliczek: Ich habe Erfahrung aus Kommunalwahlkämpfen. Und viel Unterstützung durch eine gut strukturierte Partei. Ich werde mich viel vor Ort blicken lassen. Sich wirklich kennenlernen, das ist mir wichtig. Und an der Haustür klingeln ist mir nicht fremd.

Die politischen Top-Themen, welche sind es nach Ihrer Meinung?

Karliczek: Wir müssen künftig mehr schauen nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und wir müssen die Strukturen in unserer Region attraktiv erhalten, um Familien anzuziehen und so den demografischen Wandel zu meistern.

Sprechen wir über das Ende des Bergbaus 2018. Wie kann die Region den Strukturwandel schaffen ?

Karliczek: Da wir das mit 2018 ja bereits länger wissen, haben sich die Städte der Region schon auf den Weg gemacht, um den Strukturwandel zu meistern. Zusätzlich müssen wir mit Fördermitteln von der Europäischen Union den Prozess begleiten. An jedem Arbeitsplatz bei der RAG hängen zwei weitere in der Region. Auch die müssen wir auffangen und für sie neue Betriebe ansiedeln. Die Region ist stark, das schaffen wir.

Ibbenbüren sieht sich gerne als Schulstadt und hat eine Gesamtschule eingerichtet. Brauchen wir noch mehr Gesamtschulen ?

Karliczek: Ich finde das sehr schwierig. Die Konkurrenz der Städte führt nicht überall zu Hurra-Schreien. Wir haben eine gute Schullandschaft und dürfen die nicht ohne Not durch ein Überangebot kaputt machen.

Und was passiert mit den Hauptschulen ?

Karliczek: Tja, im Grunde entscheiden das die Eltern. Wir haben gute Hauptschulen, aber die Akzeptanz ist nicht mehr da.

Die Inklusion birgt Gefahren, das „Aus“ für Förderschulen droht...

Karliczek: ... und ich habe die Sorge, dass das Gesetz nicht von den Kindern her gedacht ist. Einige werden weiter die Förderschule brauchen. Das Thema muss neu mit allem Für und Wider durchleuchtet werden.

Klare Ansage bitte: Die Forensik in Dreierwalde ist …

Karliczek: ...  generell ein schwieriges Thema. Standortdiskussionen wird es immer geben, aber wir brauchen diese Einrichtungen. Ich hoffe, dass bei der Standortwahl alles richtig gemacht wurde.

Der Flughafen FMO in Greven ist in Turbulenzen: Ihre Meinung zum Thema ?

Karliczek: Zur Mobilität in der Region und zum guten Verkehrswegenetz gehört der FMO dazu, auch wenn das im Moment mit den Kosten schwierig ist. Es ist richtig, grundsätzlich hinter dem FMO zu stehen; die Region braucht den Flughafen.

Feuer frei: Wo werden Sie Akzente setzen ?

Karliczek: Bei der Infrastrukturpolitik und den Finanzen. Und natürlich der Wirtschafts- und Mittelstandspolitik: Wir müssen die Rahmenbedingungen so setzen, dass unser Mittelstand global wettbewerbsfähig bleibt. Wichtig ist auch: Politik für Familien machen.

Sie Ihren SPD-Gegner Jürgen Coße, haben Sie ihn schon mal gesprochen?

Karliczek: Nein. Aber ich habe mir vorgenommen, ihn mal zum Kaffee einzuladen...

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