Dr. Anba Damian berichtet über die Lage koptischer Christen in Ägypten
„Wie Menschen zweiter oder dritter Klasse

Westerkappeln -

Koptische Christen werden in Ägypten wie Menschen zweiter oder dritter Klasse behandelt, sie seien ohne Rechte und Schutz, lebten in großer Gefahr und seien ständig Angriffen ausgesetzt. Das berichtete Dr. Anba Damian. Der Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland bei einem Besuch in Velpe.

Mittwoch, 26.06.2013, 08:06 Uhr

„Wir leiden“, lautet die ebenso prompte wie unmissverständliche Antwort auf die Frage, wie es den Kopten in Ägypten geht. Koptische Christen bildeten heute eine Minderheit von 20 Prozent der ägyptischen Bevölkerung, das sei so etwas wie „das achte Weltwunder, dass überhaupt Christen in Ägypten leben“, erklärte Dr. Anba Damian . Der Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland und zukünftige Diözesanbischof gab am Montag im Martin-Niemöller-Haus Einblick in die Entstehung und Anfänge der koptisch-orthodoxen Religion und die aktuelle Situation der koptischen Christen in Ägypten.

Sie seien Menschen zweiter oder dritter Klasse ohne Rechte und Schutz, lebten in großer Gefahr, seien ständig Angriffen ausgesetzt, machte Damian deutlich, erzählte aber auch von Menschen, die sich trauten trotz Verbots zu demonstrieren. „Sie haben keinen Schutz und keine Rechte, aber auch keine Angst vor dem Regime“, beschrieb er Leid und Mut der Kopten, für die die Situation in ihrem Land unerträglich sei, seit Mubarak vor Jahrzehnten in der Verfassung verankern ließ, dass Ägypten ein islamischer Staat sei.

Die während gemeinsamer Demonstrationen auf dem Tahir-Platz aufkeimende Hoffnung auf eine Verbesserung wurde im Keim erstickt. „Wir waren schockiert, als die Muslimbrüder an die Macht kamen“, erinnert sich Damian. Zwar habe Präsident Mohammed Mursi Gleichbehandlung versprochen und sogar einen koptischen Stellvertreter an seiner Seite, damit wolle er aber die Welt nur beruhigen, fürchtet Damian. „Die Realität ist ernst“, stellt er klar und berichtet von Entführung und Erpressung, Hasspredigten und einer enormen Verschlechterung der Situation der Christen seit Beginn der Ära Mursi. „Viele möchten weg, aber das geht meist nicht“, weiß er und spricht von gut ausgebildeten arbeitslosen Menschen wie Ärzten, „die wir hier in Deutschland gebrauchen könnten“.

Anba Damian wünscht sich Kooperationen und partnerschaftliche Beziehungen zu christlichen Gemeinden in Deutschland, mit deren Unterstützung das Leben der Christen in seinem Heimatland verbessert werden könne. „Gegen Beschneidung von Mädchen, gegen Ignoranz, für mehr Gesundheit“, fordert der Generalbischof, der am kommenden Samstag im Koptisch-Orthodoxen Kloster Brenkhausen bei Höxter in Anwesenheit von 15 Bischöfen aus aller Welt in sein neues Amt als Diözesanbischof eingeführt werden wird. Er habe dann mehr Handlungs- und Entscheidungsfreiheit und könne nicht mehr versetzt werden, erklärt er, was sich für ihn mit der neuen Aufgabe ändert.

Das Kloster im Kulturland Kreis Höxter ist seit nunmehr 20 Jahren die zweite Heimat von Anba Damian. Gemeinsam mit vielen anderen und unendlich viel Einsatz hat er in den vergangenen zwei Jahrzehnten aus einer Klosterruine eine ökumenische Begegnungsstätte und einen Wirtschaftsfaktor in der Klosterregion gemacht. „Die Kirche platzt aus allen Nähten“, berichtet er stolz und erklärt auch gleich, warum das so ist.

„Eine der besten Pforten zur Kirche ist der Spielplatz“, so hat es Damian schon in seiner eigenen Kindheit erlebt und so gelingt es ihm heute, den Nachwuchs in die Kirche zu locken. „Spielen und Lernen sind immer miteinander verbunden“, ist er überzeugt.

Die 75 Frauen und Männer im Martin-Niemöller-Haus hingen Damian, der auf Einladung des Männerkreises nach Velpe gekommen war, während dessen Ausführungen an den Lippen. Die Zeit verging wie im Flug, so dass nicht alle Zuhörer ihre Fragen stellen konnten.

Anba Damian lud das Publikum ins Kloster Brenkhausen ein – zu weiteren Gesprächen und zur Besichtigung der Begegnungsstätte im Kreis Höxter vor Ort.

»Wir waren schockiert, als die Muslimbrüder an die Macht kamen“«

Dr. Anba Damian
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