RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH will unter dem Tannenkamp 2,7 Millionen Tonnen Kohle fördern
Bergbau rückt Westerkappeln nahe

Westerkappeln/Ibbenbüren/Mettingen -

Westerkappeln versteht sich als Bergbaugemeinde. Der Morgensternschacht auf dem Schafberg steht dafür weithin sichtbar als stummer Zeuge. Doch Kohle wird hier schon lange nicht mehr gefördert. Jetzt, wo das Ende der Ibbenbürener Zeche nach 2018 endgültig feststeht, rücken die Bergleute der Gemeinde wieder näher. Ab Frühjahr 2014 sollen unter dem Tannenkamp in Höveringhausen aus einer Teufe bis zu 1600 Meter rund 2,7 Millionen Tonnen Kohle abgebaut werden. Das ist zwar noch Mettinger Gebiet, Auswirkungen wird dies aber wohl bis nach Westerkappeln haben: Bergschäden.

Donnerstag, 27.06.2013, 17:06 Uhr

»Mit Eigentumsbeeinträchtigungen an der Oberfläche von einigem Gewicht ist nach Lage der Dinge mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu rechnen ist«

Bezirksregierung Arnsberg

Die Steinköhleförderung in diesem Beritt fasst die RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH schon länger ins Auge. Im genehmigten Rahmenbetriebsplan 2009 bis 2018 hatte das Unternehmen das Feld, wo abgebaut werden könnte, bereits abgesteckt. Dieser Plan beschreibe Auswirkungen insbesondere auf die Natur und Landschaft, erläutert Dr. Michael Drobniewski , Markscheider bei der RAG Ibbenbüren, ein im Bergwerk tätiger und in diesem Fall verantwortlicher Vermessungsingenieur.

Der Rahmenbetriebsplan 2009 bis 2018: Innerhalb des Bereichs gibt es Senkungsschwerpunkte mit bis zu fünf Metern.

Der Rahmenbetriebsplan 2009 bis 2018: Innerhalb des Bereichs gibt es Senkungsschwerpunkte mit bis zu fünf Metern.

Am Tannenkamp weist der Rahmenbetriebsplan im Bereich der sogenannten Bauhöhen, das sind die Abbauflächen, eine Absenkung des Geländes von maximal fünf Meter aus, ebenso viel sind es etwas weiter westlich am Leyschulten Lieth in Mettingen.

Was der Bergbau bewirken kann, lässt sich gut an der Mettener Straße oberhalb des Felsenkellers beobachten. Hier gibt es einen regelrechten Geländesprung, den der Fachmann Unstetigkeit nennt und dessen Ursachen wohl in unterschiedlichen geologischen Schichten zu suchen sind. Denn in der Regel gebe es eine gleichmäßige Senkung eines Geländes und nicht so einen Abbruch, sagt Drobniewski. Derjenige auf der Mettener Straße hat mittlerweile einen Höhenunterschied von etwa drei Metern auf kurzer Distanz bewirkt. Regelmäßig müssen deshalb an der Stelle Risse saniert und die Fahrbahn den neuen Höhen angepasst werden. Mit den aktuellen Plänen der Zeche hat dieser Bergschaden aber nichts zu tun.

Vermessung an der Mettener Straße: Hier gibt es eine sogenannte bergbaubedingte Unstetigkeit, die auf kurzer Distanz einen Höhenunterschied von etwa drei Metern bewirkt hat.

Vermessung an der Mettener Straße: Hier gibt es eine sogenannte bergbaubedingte Unstetigkeit, die auf kurzer Distanz einen Höhenunterschied von etwa drei Metern bewirkt hat. Foto: Frank Klausmeyer

Um unter dem Tannenkamp Kohle fördern zu dürfen, braucht die RAG die Genehmigung für einen Sonderbetriebsplan, der den eigentliche Abbau regelt, wie Drobniewski erläutert. „Östliches Mittelfeld“ lautet der Arbeitstitel. Normalerweise wird so ein Sonderbetriebsplan für ein Jahr beantragt. Das ist aktuell für Bauhöhen am Beustfeld Ibbenbüren und nördlich der Bergmannstadt der Fall. Weil die RAG die geologischen Gegebenheiten am „Östlichen Mittelfeld“ aber sehr gut kenne, werde der Antrag dort für fünf Jahre gestellt, also bis zum Ende des Bergbaus in Ibbenbüren.

Die Bezirksregierung Arnsberg – diese ist in ganz NRW für den Bergbau zuständig – hat unlängst die Pläne bekannt gemacht. Die Unterlagen liegen noch bis einschließlich Mittwoch kommender Woche (3. Juli) in den Rathäusern in Westerkappeln , Mettingen und Ibbenbüren aus. Die Behörde muss nach eigenen Angaben mit höchstrichterlicher Anweisung sicherstellen, dass bei „Eigentumsbeeinträchtigungen an der Oberfläche von einigem Gewicht, mit denen nach Lage der Dinge mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu rechnen ist“, die Grundstückseigentümer rechtzeitig ihre Bedenken anmelden können.

Was den prognostizierten Bereich der sogenannten bergbaulichen Einwirkungen angeht, müssen sich in Westerkappeln im Grunde nur Haus- und Grundeigentümer in Obermetten die Pläne genauer anschauen. Oder vielleicht doch mehr ? Das jedenfalls ist nach neuesten Erkenntnissen für das Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop nicht auszuschließen.

Der Sonderbetriebsplan „Östliches Mittelfeld“ umfasst den rot eingekreisten Bereich. Unter dem Tannenkamp sind fünf Bauhöhen, also Abbauflächen, vorgesehen.

Der Sonderbetriebsplan „Östliches Mittelfeld“ umfasst den rot eingekreisten Bereich. Unter dem Tannenkamp sind fünf Bauhöhen, also Abbauflächen, vorgesehen.

Dort hatte die Bezirksregierung ein Gutachten bei der Technischen Universität Clausthal in Auftrag gegeben. Dieses war 2012 zu dem Ergebnis gekommen, dass außerhalb des im Rahmenbetriebsplan dargestellten prognostizierten Einwirkungsbereiches Senkungen von wenigen Zentimetern aufgetreten sind. Der Radius für den Beeinträchtigungsraum, innerhalb dessen die RAG Bergschäden regulieren muss, wurde daraufhin um einen Kilometer erweitert. In diesem erweiterten Gebiet seien bis zu zwei Millimeter bergbaubedingte Senkungen pro Meter und Jahr nachweisbar, erläutert Drobniewski. „Das hält ein Haus aber aus.“ Das entspreche in etwa der Sackung bei einem Neubau. Größere Schäden seien demzufolge nicht zu erwarten. „Haarrisse vielleicht.“

Die Ergebnisse für Prosper-Haniel könnten aber auf andere aktive und stillgelegte Schachtanlagen nicht einfach übertragen werden, gibt der Markscheider zu bedenken. „Das wäre rein spekulativ.“

Die Bezirksregierung Arnsberg will deshalb ein weiteres unabhängiges Gutachten in Auftrag geben. Die wissenschaftliche Studie soll für die Zeche Ibbenbüren und die anderen aktiven und stillgelegten Bergwerke Aufschluss über die räumliche Ausdehnung, Größenordnung und Ursachen von Senkungen außerhalb von vorhergesagten Einwirkungsbereichen geben. Was genau und in welchem Zeitraum untersucht wird, steht aber wohl erst im Herbst fest.

Bis Ergebnisse vorliegen, kann es folglich noch lange dauern. So lange stehe die RAG Ibbenbüren in freien Raum und sei dem Verdacht ausgesetzt, dass etwas nicht stimme. „Wir sind aber der Meinung, dass unsere Berechnungen seriös sind“, betont Drobniewski.

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