Raubüberfall auf Spielhalle: Zweifel an der Schuld
Freispruch für 28-jährigen Westerkappelner

Westerkappeln/Münster -

Vom Vorwurf des schweren Raubes ist gestern ein 28 Jahre alter Westerkappelner von der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster freigesprochen worden. „Sie können es gewesen sein, Sie können es aber auch nicht gewesen sein“, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsverkündung.

Donnerstag, 22.08.2013, 07:08 Uhr

Vom Vorwurf des schweren Raubes ist gestern ein 28 Jahre alter Westerkappelner von der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster freigesprochen worden. „Sie können es gewesen sein, Sie können es aber auch nicht gewesen sein“, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsverkündung. Die Beweislage reiche für eine Verurteilung nicht aus und im Zweifel gelte natürlich der Grundsatz „in dubio pro reo“ – im Zweifel für den Angeklagten.

Man hatte dem 28-Jährigen zur Last gelegt, im August 2012 eine Spielhalle in Westerkappeln überfallen, dabei eine Frau mit einer Waffe bedroht und circa 500 Euro erbeutet zu haben.

Der Verlauf des Überfalls galt in der Verhandlung als unstrittig: An einem Sonntagabend gegen 21.30 Uhr war der Täter in die Spielhalle eingedrungen, zielstrebig auf die Kasse zugesteuert und hatte dort die Angestellte mit einer Waffe bedroht. Dies belegen auch Aufnahmen der Überwachungskamera. Der Täter selbst öffnete die Kasse, entnahm ihr ungefähr 500 Euro und entwendete das Handy der Angestellten. Wie ihm die Flucht gelang, blieb unklar.

Der vorbestrafte 28-Jährige auf der Anklagebank bestritt die Tat von Anfang an. Er gab an, am Abend des Überfalls zu Hause bei seinen Eltern gewesen zu sein. Die einzigen Indizien, die in diesem Fall gegen den Westerkappelner sprachen, waren seine Tätowierung am linken Mittelfinger sowie seine weißen Schuhe. Ein Modell solcher Art hatte auch der Täter getragen. „Mit solchen Schuhen ist er jedoch nicht der Einzige“, sagte der Richter.

Erhebliche Zweifel bestanden auch an der Glaubwürdigkeit der geschädigten Zeugin. In der polizeilichen Vernehmung hatte sie den Täter als „sehr klein“, in der Verhandlung als „sehr groß“ und dünn beschrieben. Weitere ihrer Aussagen wurden seitens Richter und Staatsanwaltschaft ebenfalls als widersprüchlich bewertet.

Die Polizei war mit einer Hausdurchsuchung bei dem Angeklagten im Zuge der Ermittlungen erfolglos geblieben. Auch eine Funkzellenauswertung brachte kein Ergebnis: Das Handy des Beschuldigten wurde zur Tatzeit zwar in der Nähe der Spielothek geortet – jedoch befindet sich auch sein Zuhause in deren Nähe.

Der Richter folgte schließlich den Forderungen von Staatsanwalt und Verteidiger, die beide auf Freispruch plädierten. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

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