Angst vor Vandalismus
Das Tecklenburger Land bringt seine Heiligen in Sicherheit

Tecklenburger Land -

Die unheimliche Serie der Zerstörung von Bildstöcken und Wegekreuzen im Tecklenburger Land hat jetzt offensichtlich auch Westerkappeln erreicht. In Sennlich ist eine beschädigte Figur aus Gips gefunden worden. Unterdessen bringen die Katholiken in der Region ihre Heiligen in Sicherheit.

Mittwoch, 04.12.2013, 16:12 Uhr

Sie ist schneeweiß. Ihre Augen blicken verzückt, ja geradezu verklärt nach oben. Gen Himmel. Die zarten Hände sind zum Gebet zusammengelegt. Es ist ein sehr schönes Bildnis der Gottesmutter. Und das soll gefälligst auch so bleiben!

Franz-Josef Weßling hat dafür gesorgt, dass seiner Maria nichts getan wird. Dass ihr nicht ein offenkundiger kranker Mensch mit einem Hammer, einer Axt oder einem dicken Brecheisen den Kopf abschlägt. Sie demoliert, kaputt macht, zerstört. Nein, hier nicht!

Franz-Josef Weßling in Recke-Steinbeck ist inzwischen nicht mehr der einzige schlaue Bauer in der Region: Das Tecklenburger Land bringt seine Heiligen in Sicherheit. Denn hier geht ein Irrer um ...

Wegekreuze, Heiligenfiguren, Kapellen, Bildstöcke – die gibt es an vielen, an sehr vielen, an Hunderten Orten im Münsterland. Allenthalben gibt es dicke Bücher über Bildstöcke und regionaltypische Zeichen christlichen Glaubens.

Auch auf dem Bauernhof Weßling am Bukweg in Recke-Steinbeck steht eine kleine, gemauerte Kapelle. Schon seit 100 Jahren ist sie sichtbares Dokument gelebter Frömmigkeit. Ein privates, kleines Familien-Heiligtum. Mit einem Gitter davor – mehr zur Zierde als zum Schutz – mit Altar und einer Statue der Gottesmutter.

Erst im Jahr 2012, erzählt Franz-Josef Weßling, ist die kleine Marienkapelle einige Meter weit weg versetzt worden von der Straße. Sie wurde abgebaut, alles wurde renoviert, alles wurde originalgetreu wieder aufgebaut. Liebevoll. Und teuer: Über 10 000 Euro hat Landwirt Weßling sich das kosten lassen. Er hat das gerne getan. Da ist eben nicht nur der materielle Wert, auch der ideelle Wert zählt. Und genau deshalb trifft wohl auch diese unbegreifliche Serie von Schändungen an Kreuzen und Heiligenfiguren die Herzen, die Seelen der Menschen im Tecklenburger Land so tief.

Ein selbst gemachtes Pappschild erklärt allen Passanten, was los ist.

Ein selbst gemachtes Pappschild erklärt allen Passanten, was los ist. Foto: Heinrich Weßling

Sechs starke Männer waren nötig für die aktuelle Rettungsaktion: Die Heilige Maria wiegt immerhin 250 Kilo. Sie ist aus Sandstein. Und sie steht jetzt gut verwahrt und eingepackt in einer Scheune auf dem Hof. Weggeschlossen.

„Die kommt auch sobald nicht wieder raus“, sagt Franz-Josef Weßling. Erst wenn diese Serie von Straftaten geklärt ist, sagt der Mann aus Recke, will er es wagen, seine Gottesmutter wieder an ihren angestammten Platz zu stellen. „Vielleicht im Frühjahr“, sagt er. Hofft er.

Manch einer tut es ihm gleich in diesen Tagen: Auch aus Hopsten-Halverde beispielsweise ist zu hören, dass an Wegekreuzen und Bildstöcken schon die Figuren fehlen. Weil sie in Sicherheit gebracht wurden – die Angst ist groß, dass es so schnell nicht aufhört mit den schändlichen Attentaten auf sakrale Gegenstände.

Das Thema lässt die Menschen nicht los, überall wird über die Schändungen gesprochen: Was tun ? Ein Besitzer einer zerstörten Heiligenfigur hat darüber nachgedacht, ob eine Belohnung der Polizei zu den so dringend nötigen Hinweisen auf den oder die Täter verhelfen könnte ? In Mettingen werden die Gläubigen im Ort seitens der Kirchengemeinde aufgefordert, an Kreuzen, Bildstöcken und Heiligenfiguren Kerzen aufzustellen – als sichtbares Zeichen gegen diese Serie von Zerstörungen. Nachgedacht wird in einigen Pfarrhäusern offenbar auch über eine öffentliche Versammlung, eine Art Protest-Demonstration gegen die Schändungen. Auch wenn es noch keine Zeit und keinen Ort gibt. Das Ziel ist klar: Es soll aufhören ...

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