Mittendrin: Frühjahrsputz mit den Obermettener Schützen
Männer, Müll, Motoren

Westerkappeln -

Wenn schon, denn schon – ohne vierräderiges Drumherum macht eine solche im wahrsten Sinne des Wortes Drecksarbeit doch nur halb so viel Spaß. Mit betagten Schleppern verfeinerten 15 Obermettener Schützen ihren Part der traditionellen Abfall-Sammelaktion. Und unsere Mitarbeiterin Ulrike Havermeyer war mittendrin.

Dienstag, 15.04.2014, 17:04 Uhr

Wenn schon, denn schon – ohne vierräderiges Drumherum macht eine solche im wahrsten Sinne des Wortes Drecksarbeit doch nur halb so viel Spaß. Mit einem einsatzfreudigen Lanz Bulldog, Baujahr 1950, einem betagten IHC-Schlepper und einem ebenfalls zu den rüstigen Senioren zählenden Deutz-Traktor, allesamt mit Anhänger versehen, verfeinerten die 15 Obermettener ihren Part der traditionellen Abfall-Sammelaktion der Westerkappelner Schützenvereine zu einer exquisiten Oldtimer-Ausfahrt.

Treffpunkt: 15.30 Uhr am Vereinsheim Steinriede. Umrahmt vom sonoren Stampfen der drei Dieselmaschinen, bilden sich drei Sammeltrupps. Die Vorbereitungen für den langen Marsch durch die Mettener Schweiz sind schnell getroffen – schließlich blicken die Schützen auf jahrzehntelange Erfahrungen in Sachen Frühjahrsputz ihrer Bauerschaft zurück. Blaue Säcke werden verteilt, gelbe Handschuhe dazu und ein paar Greifzangen.

„Denkt daran“, gibt Vereinsvorsitzender Lothar König uns mit auf den Weg, „um 17.30 Uhr wird der Grill angeworfen – bis dahin müssen wir fertig sein.“ Der Mann weiß, wie er seine Mitstreiter motiviert. Die verlockende Vision einer knackig gebräunten Bratwurst vor dem geistigen Auge, geht es los. Erich Aufderhaar tritt das Gaspedal seines IHC durch, und Lothar König, Udo Etgeton und ich erklimmen mit beherztem Sprung seinen in Würde angerosteten Einachser. Gut durchgeschüttelt erreichen wir unser erstes Ziel: die Strecke Wahlstraße/Am Stollenkamp.

Wie fröhliche Kinder auf der Suche nach Ostereiern verteilen wir uns im Gelände. Mit den Wanderschuhen streichen wir durch den üppigen Grasbewuchs am Straßenrand: außer jeder Menge Löwenzahn – nichts! Ich ertappe mich dabei, wie ich fast ein bisschen enttäuscht bin, dass es hier in Obermetten so sauber ist. Merke aber sogleich, dass der Gedanke völlig verquer ist.

Die Augen fest auf den Boden gerichtet, stiefeln wir weiter. Sanft angetrieben vom Tuckern des IHC, der uns in Alu-Dosen-Wurfweite folgt. Dann endlich entdecke ich mein erstes Ärgernis: In einem kleinen Wäldchen hat jemand eine Plastiktopfpflanze von zweifelhafter Optik entsorgt – mit einzementiertem Fuß. Daneben finde ich noch einen guten Meter schwarzer Plastikfolie.

An dem, was die Leute wegschmeißen, kann man die gesellschaftlichen Trends gut ablesen

Lothar König

Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie auch Lothar König und Udo Etgeton nun ständig in die Knie gehen, um allerlei Unrat aus der Botanik zu klauben. „An dem, was die Leute wegschmeißen“, sagt Lothar König, „kann man die gesellschaftlichen Trends gut ablesen.“

Mit spitzen Fingern präsentiert er einen zerknautschten Coffee-to-go-Becher. Einen von mehreren Dutzenden, die wir auf den nächsten Kilometern noch finden werden. Die erste Garnitur blauer Säcke ist bald gefüllt und landet auf Erich Aufderhaars Einachser.

Als Paradies für ehrgeizige Abfalljäger erweist sich die Langenbrücker Straße: Das Spektrum achtlos in Richtung Böschung geschleuderter Gegenstände reicht von geleerten Thunfisch-Dosen und zersplitterten Bockwurstgläsern über Zigarettenschachteln, Styropor-Verpackungen und benutzte Papiertaschentücher bis zu den Klassikern Kekstüten, Getränkeflaschen – und natürlich: zahllosen Coffee-to-go-Bechern.

Dem ekeligen Höhepunkt widerwärtiger Landschaftsverschandelung begegnen wir dann an einer abgelegenen Stelle an der Langen Straße: Drei, zum Glück einigermaßen leeren, Öl-Kanistern im Unterholz und dem unbeeindruckten Lächeln von Senta Berger, die uns von der Ausgabe eines Anzeigenblättchens gleich hundertfach aus dem gut gefüllten Entwässerungsgraben entgegenblickt.

Bis die vollgesogene, zentnerschwere Auflage geborgen und auf dem Einachser verstaut ist, steht Udo Etgeton, Lothar König und mir der Schweiß auf der Stirn. Der Vereinsvorsitzende betrachtet nachdenklich die Ausbeute des Tages, die sich auf dem Anhänger türmt. „Wenig – im Vergleich zu den vergangenen Jahren“, lautet sein Fazit. Und trotzdem noch zu viel.

Mit müden Knochen kraxeln wir zwischen die blauen Säcke. Erich Aufderhaar wirft neuerlich den Motor seines IHC an – und in den Geruch von Diesel, so kommt es uns zumindest vor, mischt sich bereits der köstliche Duft von knackig gebräunten Grillwürstchen.

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