CDU-Politikerinnen im „Gut Andersleben“
Tagespflege mit Familiencharakter

Westerkappeln -

Als Bürgermeister muss man sich irgendwie um alles und jeden kümmern. Und alte Menschen gehören ganz sicher dazu, wobei es angesichts der demografischen Entwicklung nicht nur um Kaffeekränzchen und runde Geburtstage geht. So führte am Mittwochmorgen der Weg von CDU-Bürgermeisterkandidatin Annette Große-Heitmeyer im Rahmen ihres Wahlkampfes zum „Gut Andersleben“ in Metten, eine Tagespflegeeinrichtung der eben etwas anderen Art.

Donnerstag, 12.06.2014, 07:06 Uhr

Als Bürgermeister muss man sich irgendwie um alles und jeden kümmern. Und alte Menschen gehören ganz sicher dazu, wobei es angesichts der demografischen Entwicklung nicht nur um Kaffeekränzchen und runde Geburtstage geht. So führte am Mittwochmorgen der Weg von CDU-Bürgermeisterkandidatin Annette Große-Heitmeyer im Rahmen ihres Wahlkampfes zum „Gut Andersleben “ in Metten, eine Tagespflegeeinrichtung der eben etwas anderen Art. Mit dabei: die christdemokratische Bundestagsabgeordnete Anja Karliczek und die Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion Susanne Hehemann.

Anders ist die Tagespflege für Senioren deshalb, weil sich das Haus so gar nicht in die Klischees einer Altenhilfeeinrichtung, wie es sperrig im Amtlichen heißt, einfügen will. Wie die Pflegebedürftigen, die hier Gäste heißen, so am großen Tisch beisammen sitzen, Gemüse fürs Mittagessen schnibbeln, sich mit Gesellschaftsspielen die Zeit vertreiben oder einfach nur klönen, macht den Eindruck einer großen Familie.

2008 haben die ausgebildete Krankenschwester Chantal Gravemann und der Altenpfleger Oliver Müller das private „Gut Andersleben“ gegründet. „Alle Behörden haben uns damals gesagt, dass das in die Hose geht“, erzählt Müller. Am Anfang habe das beiden schon ganz schön Durchhaltevermögen gekostet. „Wir haben da auch noch gearbeitet und Nachtdienste gemacht“, ergänzt Chantal Gravemann. Dass die beiden nie den Mut verloren haben, hat sich offensichtlich gelohnt. Heute sei die Tagesfreizeit für Senioren voll ausgelastet, alle 14 Plätze fünf Tage die Woche besetzt.

Manche Gäste kommen einmal pro Woche, andere mehrmals. Fast alle seien mehr oder weniger von Demenz betroffen, aber insgesamt noch ganz mobil, berichtet Müller. Geöffnet hat das „Gut Andersleben“ montags bis freitags jeweils von 8 bis 16 Uhr. Manche Angehörige der Gäste wünschten sich längere Betreuungszeiten. Doch das möchten Gravemann und Müller nicht. Denn sie haben ja auch noch ein eigenes Leben.

Was beide ärgert, ist die ausufernde Bürokratie. „Wir müssen alles genauso machen wie in einer vollstationären Einrichtung“, betont Müller. So müsse er für einen Gast, der nur einmal in der Woche komme, den Pflegeplan so erstellen, als sei dieser sieben Tage 24 Stunden im Haus. Dabei habe er doch kaum Zugriff auf den Menschen. Der Staat müsse eigentlich Hürden abbauen, damit solche kleinen Einrichtungen geschaffen werden könnten, meint Gravemann.

Große-Heitmeyer kennt den Papierkrieg sicher noch aus ihrer Zeit als Verwaltungschefin im Krankenhaus. „Das ist sicher ein Problem, dass immer mehr Zeit für Dokumentationen aufgebracht werden muss“, sagt die Bürgermeisterkandidatin.

Ein andere Schwierigkeit für alte Menschen und deren Angehörige sieht Müller in der mangelhaften Beratungsqualität der dafür zuständigen Stellen. „Manche haben gar keine Ahnung.“ Hehemann plädiert dafür, vielleicht im Rathaus eine Anlaufstelle einzurichten, wo gebündelt über Belange alter Menschen informiert wird. Große-Heitmeyer kann sich gut vorstellen, diese Idee aufzunehmen, sollte sie am Sonntag bei der Bürgermeisterstichwahl die Mehrheit holen. „Die Vereinbarkeit auch von Beruf und Pflege muss verbessert werden“, findet Große Heitmeyer.

Doch die Möglichkeiten einer Kommune sind da begrenzt. Da sitzt der Bund viel stärker an den Schalthebeln. Anja Karliczek, die in solchen kleinen Einrichtungen die Zukunft sieht, hat nach eigenen Worten aus dem Besuch im „Gut Andersleben“ jedenfalls wertvolle Anregungen für ihre Arbeit in Berlin mitgenommen. Die kann sie vielleicht am besten auf kurzem Dienstweg Karl-Josef Laumann , seit Jahresbeginn Pflegebeauftragten der Bundesregierung, vortragen.

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