Straßen-und Flurkunde
Wieso heißt es Schwarzes Wasser?

Westerkappeln/Lotte -

Am Rande des Schwegfeldes verläuft über die Gemeindegrenze von Lotte und Westerkappeln hinweg der Schwarzwasserweg. Dass dessen Name auf das Straßen begleitende Bächlein zurückgeht, ist naheliegend. Dessen Wasser ist aber nicht schwarz.

Freitag, 19.09.2014, 12:09 Uhr

Schwarzes Wasser ist im Niedermoor üblich: Darüber hinaus wurde der See jenseits des Schwarzwasserweges vermutlich einst als Flachsteich genutzt.
Schwarzes Wasser ist im Niedermoor üblich: Darüber hinaus wurde der See jenseits des Schwarzwasserweges vermutlich einst als Flachsteich genutzt. Foto: Astrid Springer

Am Rande des Schwegfeldes verläuft über die Gemeindegrenze von Lotte und Westerkappeln hinweg der Schwarzwasserweg . Dass dessen Name auf das Straßen begleitende Bächlein zurückgeht, ist naheliegend. Warum der kleine Bach den Namen trägt, hingegen nicht, denn schwarz ist sein Wasser nicht.

Das Quellgebiet des Schwarzwassers liegt im Wald unterhalb des Sennlicher Schützenhauses an der Tecklenburger Straße. Es wird darüber hinaus von Sickerwässern aus den Düter Feuchtwiesen gespeist. Teils lässt verrottendes Laub den Bachgrund schwarz schimmern; das dürfte aber auf unzählige Kleingewässer zutreffen, die trotzdem andere Namen tragen.

Der Flurnamenkatalog führt das schwatte Waater auf moorigen Untergrund zurück. Und tatsächlich findet sich im Bereich jenseits des Schwarzwasserwegs Niedermoor. Im Urkataster von 1927 wird die angrenzende Wiese als „schwartze Wasser“ bezeichnet.

Eine heiße Spur bietet aber auch, was Anwohner und Alteingesessene über das grundfeuchte bis nasse Gebiet am Schwarzwasserweg zu berichten wissen: Jenseits der Straße gab es einst einen großen See. Inzwischen deutlich kleiner, bietet er noch heute vielen Amphibien einen Rückzugsort: Erdkröte, Laubfrosch, Teichfrosch, Grasfrosch, Teichmolch und Bergmolch fühlen sich im ausgewiesenen Naturschutzgebiet Schwarzwasser wohl.

Das Schwarzwasser: Die nahe Straße verdankt ihren Namen diesem Kleingewässer.

Das Schwarzwasser: Die nahe Straße verdankt ihren Namen diesem Kleingewässer. Foto: Astrid Springer

Vor einigen Hundert Jahren dürfte es im See jedoch deutlich ungemütlicher gewesen sein: Denn Anwohner wie Landbesitzer berichten unabhängig voneinander, dass es sich dabei um einen Flachsteich gehandelt haben soll – und ein solcher verwandelte sich durch seine Nutzung regelmäßig in eine stinkende Kloake. Der Grund: Für die Gewinnung der begehrten Leinfaser wurde der Flachs in der sogenannten Rötekuhle verrottet. Das Verfahren der Wasserröste in Teichen war in Westfalen sehr verbreitet und mit einfachen Mitteln zu erreichen: Es brauchte lediglich ein flaches Gewässer mit einem geringen Zu- und Abfluss, wie es auf das Schwarzwasser zutrifft, sowie ein paar Bretter oder Äste zum Beschweren der Flachsstränge. Gärung und Fäulnis trennten die Holzteile von der Faser.

Diese Art der Leinengewinnung wurde häufig von Heuerlingen praktiziert. Die landlosen Pächter besserten ihr meist geringes Einkommen durch Spinnen und Weben im häuslichen Nebenerwerb auf und die Leinenherstellung war über Jahrhunderte in den Stuben der Region zu Hause.

Der Gestank der Kaltwasserröste muss bestialisch gewesen sein. Eine stinkende, schwarze Brühe verpestete Luft und Brunnenwasser. Ebendiese schwarze Brühe könnte den Namen Schwarzwasser geprägt haben. Ob es letztlich der schwarze Niedermoorboden oder der Flachsteich war, muss an dieser Stelle offen bleiben – schwarzes Wasser immerhin hatten beide zu bieten.

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