Geschichtlicher Lückenschluss
Was Reinhildis mit den Von Loens verbindet

Westerkappeln -

Sie ist interessant und informativ, die Serie „Flur- und Straßenkunde“! Mit den beiden letzten Berichten (Adelsfamilie Von-Loen und Gemeindewappen) wurden wichtige Stationen der Westerkappelner Geschichte aufgezeigt. Da gibt es aber noch eine wichtige Lücke zu schließen.

Freitag, 24.10.2014, 08:10 Uhr

Eine Sammelmarke von der Bremer Kaffee-Handelsgesellschaft ist die wohl bekannteste Darstellung der Reinhildis aus dem kommunalen Bereich
Eine Sammelmarke von der Bremer Kaffee-Handelsgesellschaft ist die wohl bekannteste Darstellung der Reinhildis aus dem kommunalen Bereich Foto: Repro: Heinz Schröer

Doch der Reihe nach: Um 1730 wurden der Stadt Cappeln Akzise-Rechte (Steuererhebung) verliehen. In diesem Zusammenhang ist ein Siegel entstanden, das ein Symbol aus der ländlichen Umwelt- bzw. Sagenwelt Westerkappelns (Knüppen Grelle bzw. Reinhildis) und die landesherrlichen Attribute (Seerosenblatt und Anker) der Grafschaft Tecklenburg zierte. Der bisher älteste Abdruck datiert vom 10. März 1785. Reinhildis hat allerdings nie – wie irrtümlich berichtet – Seerosenblatt und Ähren gleichzeitig getragen.

Siegelabruck vom 10.März 1785

Siegelabruck vom 10.März 1785

Im Jahre 1796 kommen nun die Gebrüder von Loen ins Spiel. Nach Abschluss der Umbauarbeiten auf Haus Cappeln stifteten sie der Stadt Cappeln eine Fahne, die neben dem preußischen Hoheitszeichen, dem Adler, auch die Siegelfigur, die Reinhildis, zeigte. Um dieser Stiftung Ausdruck zu verleihen haben die Gebrüder das Seerosenblatt gegen ein Ährenbüschel, ein Symbol aus ihrem Familienwappen, ausgetauscht; auch die Schildfarbe „Rot“ hat wohl diesen Ursprung.

Stadtfahne von 1796

Stadtfahne von 1796

In den folgenden 150 Jahren taucht diese Darstellung in einer großen Vielzahl von Abbildungsvarianten insbesondere im Vereinsleben auf. Die Fahne der Bürgerschützen zeigt auch heute noch eine „Ährenversion“. Die bekannteste Darstellung aus dem kommunalen Bereich zeigt eine Sammelmarke nach Prof. Hupp von der Bremer Kaffee-Handelsgesellschaft. Die Zusammenlegung der Gemeinden „Westercappeln-Stadt“ und „Westercappeln Land“ im Jahre 1939 brachte auch die Frage nach einem Wappen für die neue Einheitsgemeinde mit sich. Doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg entbrannte auf der Basis der bisherigen Darstellungen eine fast zehnjährige Diskussion um das neue Wappen.

Fahne der Bürgerschützen

Fahne der Bürgerschützen

Letztlich haben sich die Heraldiker und die Bezirksregierung in Münster durchgesetzt. Angesichts der märtyrerhaft anmutenden Legende wurden die Ähren gegen einen Palmenzweig ausgetauscht.

Das Wappen (Originalabbildung aus dem Staatsarchiv von 1958)

Das Wappen (Originalabbildung aus dem Staatsarchiv von 1958)

Den Schlusspunkt setzte der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen am 21. Oktober 1958 mit der Verleihung folgenden Wappens an die Gemeinde Westerkappeln: „In Rot eine silbern (weiße) gekleidete weibliche Gestalt, die in der rechten Hand einen goldenen (gelben) Palmzweig hält, während sie die linke auf einen goldenen (gelben) Anker stütz“.

► Literaturhinweis: „Begegnungen mit Reinhildis – Gesichter einer Legende“, Herausgeber: Kultur- und Heimatverein Westerkappeln, 10/2008

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