„Twiolins“ gestalten 100. Konzert auf dem Kulturhof
Ein ganz spezieller Abend

Westerkappeln -

Es hätte keinen passenderen Zeitpunkt für den Auftritt der „Twiolins“ geben können als dieses 100. Konzert auf dem Kulturhof Westerbeck. Denn das Geigenduo der Geschwister Marie-Luise und Christoph Dingler aus Mannheim riss die Hörer des bis auf das letzte Eckchen belegten Saales hell begeisternd und schwindelerregend mit.

Montag, 01.12.2014, 16:12 Uhr

Die Geschwister Marie-Luise und Christoph Dingler aus Mannheim rissen die Zuhörer des bis auf das letzte Eckchen belegten Saales hell begeisternd mit.
Die Geschwister Marie-Luise und Christoph Dingler aus Mannheim rissen die Zuhörer des bis auf das letzte Eckchen belegten Saales hell begeisternd mit. Foto: Sunhild Salaschek

„Musik ist für unsere Gehirnzellen wie eine Droge. Sie kann uns in einen Rausch versetzen, Glücksgefühle bescheren oder auch melancholisch machen.“ Mit diesem Zitat (gekürzt) des bekannten Neurologen und Literaten Oliver Sacks (geb.1933) eröffnete Raimund A. Beckmann am Sonntag das 100. Konzert auf dem Kulturhof Westerbeck .

Es hätte keinen passenderen Zeitpunkt für das Konzert der „Twiolins“ geben können als dieses Jubiläum. Denn das Geigenduo der Geschwister Marie-Luise und Christoph Dingler aus Mannheim riss die Hörer des bis auf das letzte Eckchen belegten Saales hell begeisternd und schwindelerregend mit. Und das, obwohl sie zeitgenössische Musik spielten, die das eher konservative Publikum sonst eher „recht speziell“ findet.

Da erwies es sich als besonders ergiebig, dass Beckmann in Absprache mit den Künstlern an Hand bedeutender Zitate auf den jeweiligen Charakter der Musik einstimmte. So wurde der Abend in jeder Hinsicht „speziell“. Die Twiolins spielten nämlich ausschließlich Werke, die bei einem vom Duo selbst weltweit ausgeschriebenen Kompositionswettbewerb 2012 von einer anspruchsvollen Publikums-Jury preisgekrönt wurden. Bei der Auswahl aus über hundert Einsendungen hatten besonders viele irrwitzig virtuose Stücke die Herzen der Jury erobert – ebenso wie die Herzen der Besucher.

Wie sehr die Virtuosen auch selbst von dieser progressiven Musik begeistert waren, zeigten sie bei ihren feurigen genialen Interpretationen. In höchster technischer Perfektion und traumwandlerisch sicherem Zusammenspiel hatten die Künstler ganz offensichtlich jede einzelne Komposition vollständig verinnerlicht. Bei komplett auswendigem Spiel zelebrierten sie jeden Moment voller Hingabe und ließen das Publikum so an den großen Emotionen der Werke teilhaben.

„Die Musik ist der vollkommenste Typus der Kunst: Sie verrät nie ihr letztes Geheimnis“ (Oskar Wilde). Trotz aller Expressivität, ansteckender Begeisterung, ja sogar Lautmalerei („Dampflock“, „Autobahn“, „Orient Express“ oder „Leben und Sterben einer Fliege“) blieb immer auch Raum für eigene Assoziationen und für das Unerklärliche.

Auf ihrer grandiosen musikalischen Reise durch verschiedene Länder und Kontinente machten die „Twiolins“ auch einen Abstecher in fremde Galaxien. Das gab den Künstlern nochmals Gelegenheit in allerhöchsten Flageolett-Lagen zu brillieren. Dabei hatten sie schon längst verdeutlicht: „Musik ist ein Teil des schwingenden Weltalls“, wie der italienische Komponist Ferrucio Busoni so treffend meinte.

„Dem Manne (und der Frau – wie man heute ergänzen würde) muss die Musik Feuer aus dem Geist schlagen“ (Ludwig van Beethoven), oder, wie es zu unserer Zeit Yehudi Menuhin formuliert: „Die Musik spricht für sich allein. Vorausgesetzt, wir geben ihr eine Chance“. Und genau das hatten die Twiolins getan.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2914976?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F2591970%2F4852255%2F
Nachrichten-Ticker