Dattelpalmen selbst gezogen
„Eine spannende Spielerei“

Westerkappeln -

Aus den Steinen einer Dattelfrucht, die Hobbyfloristin Karin Hehmann im vergangenen Winter in einen Blumentopf gebettet hat, sind inzwischen zwei zarte Palmen gesprossen. Tolle Leistung – finden auch die Pflanzenprofis von der Baumschule Fels, der Gärtnerei Kammler und von Blumen Förster, deren Betriebe nur einen Steinwurf entfernt von Hehmanns Fensterbank am Kapellenweg liegen

Sonntag, 04.01.2015, 20:01 Uhr

Noch sehen sie aus wie zwei zarte Gräser -- Hobbyfloristin Karin Hehmann hat die Steine einer Dattelfrucht erfolgreich eingepflanzt und wird voraussichtlich in einigen Monaten selbst gezogene Palmen haben.
Noch sehen sie aus wie zwei zarte Gräser -- Hobbyfloristin Karin Hehmann hat die Steine einer Dattelfrucht erfolgreich eingepflanzt und wird voraussichtlich in einigen Monaten selbst gezogene Palmen haben. Foto: Ulrike Havermeyer

Den bunten Teller leer gefuttert. Das Silvesterbuffet geplündert. Wirklich nachhaltig ist dieser Feiertagsmarathon nicht, außer für die Hüften…

Wie man sich allerdings sehr viel länger an den vermeintlich vergänglichen Köst­lichkeiten erfreuen kann, weiß Karin Hehmann aus Westerkappeln .

Aus den Steinen einer Dattelfrucht , die die enthusiastische Hobbyfloristin im vergangenen Winter in einen Blumentopf gebettet hat, sind inzwischen zwei zarte Palmen gesprossen. Tolle Leistung – finden auch die Pflanzenprofis von der Baumschule Fels , der Gärtnerei Kammler und von Blumen Förster, deren Betriebe nur einen Steinwurf entfernt von Karin Hehmanns Fensterbank am Kapellenweg liegen.

„Das wird sowieso nichts!“ Karin Hehmann schüttelt schmunzelnd den Kopf und wuchtet zwei schmucke Blumentöpfe auf den Wohnzimmertisch, aus denen jeweils zwei filigrane, aber saftig grüne Blätter dem zarten Wintersonnenlicht entgegen streben.

Die Westerkappelner Pflan­zenfreundin nickt – und der Stolz auf ihren so unerwarteten Erfolg ist ihr anzusehen. Denn ganz entgegen der Prognose ihrer Freundinnen ist aus den unscheinbaren Dattelsteinen schließlich doch etwas geworden.

Zwar haben die beiden „Palmenbabys“ noch einiges zuzulegen, bis ihr Wuchs die typische Statur der orientalischen Kulturpflanze zumindest erahnen lässt und sie als lebendige Krippenkulisse taugen – aber dennoch: „Es macht mir einfach Freude, den Pflanzen beim Wachsen zuzusehen“, sagt Karin Hehmann. Fast genau ein Jahr ist es her, dass ihr die nicht verspeisbaren Überbleibsel des damaligen Silvestergeschenks, einer Packung schmackhafter Datteln aus Saudi-Arabien, einfach zu schade waren, um sie wegzuschmeißen. Dass die Anzucht allerdings so gut gelingen würde, damit hat auch Karin Hehmann nicht gerechnet.

„Exotische Pflanzen sind leider oft sehr anfällig, was Schädlingsbefall oder Krankheiten betrifft“, erläutert Floristin Anja Wöstenfeld von der Gärtnerei Kammler. Sie spricht aus Erfahrung: Von Avocados über Sternfrucht bis zur Andenbeere (Physalis) hat auch sie schon diverse Blumentopf-Experimente hinter sich. „Beim richtigen Standort und entsprechender Pflege ist das Keimen oft gar nicht das Problem“, bestätigt Wöstenfelds Chef Klaus Kammler: „In der Regel wächst irgendetwas aus der Erde – aber manchmal ist es eben nicht das, was man erwartet.“

Das liege daran, dass viele exotische Pflanzen – genau wie die heimischen Apfelbäume – veredelt seien, erläutert Georg Fels von der Baumschule Fels. „Doch auch, wenn die Nachzucht im Blumentopf anders aussieht und keine Früchte trägt, lohnt sich der Spaß.“ Georg Fels empfiehlt, es mal mit den Kernen von Apfelsine, Zitrone und Co. zu probieren: „Wenn man es schafft, solche Zitrusgewächse bis zur Blüte zu kriegen, wird man mit sehr intensiven Düften belohnt.“

Aber auch Haselnüsse und Walnüsse lassen sich einpflanzen. „Am besten unter so natürlichen Bedingungen wie möglich“, sagt Georg Fels: Also nicht knacken, sondern mit Schale in die Erde bringen. Bei der Hülskrappe (Ilex) – beliebte Dekoration in so manch einem weihnachtlichen Gesteck, liegen die Dinge komplizierter: „Die Stechpalme keimt nur, wenn ihre Samen vor dem Einpflanzen den Verdauungstrakt eines Vogels passiert haben“, erläutert Natascha Förster von Blumen Förster. Auch sie hat schon das eine oder andere extravagante Gewächs auf ihrer Fensterbank beherbergt. „Eine spannende Spielerei“, findet sie, „die aber leider oft nach ein paar Monaten unfreiwillig beendet ist.“ Wer sich langfristig mit dem Lebenszyklus einer Pflanze beschäftigen will, dem rät die Biologin zu den Samen der Tagetes-Blume: „Die werden im Frühling ausgesät, man kann das ganze Jahr über beobachten, wie sich die Pflanze entwickelt – bevor man im Herbst ihren Samen erntet.“ Natascha Förster lächelt: „Und im nächsten Jahr geht dann alles wieder von vorne los.“

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