Straßenkunde: Wer war Ben Chorin ?
Brückenbauer zwischen den Religionen

Westerkappeln -

Der israelische Religionsphilosoph Schalom Ben-Chorin war ein Brückenbauer der Religionsgemeinschaften. Und er steht Pate für eine Straße in Westerkappeln.

Freitag, 30.01.2015, 09:01 Uhr

In der Haubreede gibt es den Ben-Chorin-Weg.
In der Haubreede gibt es den Ben-Chorin-Weg. Foto: Astrid Springer

Ein schwieriges Kapitel der Geschichte steht in diesen Tagen an: Am vergangenen Dienstag jährte sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau zum 70. Mal – und damit die Aufdeckung eines kaltblütigen Völkermordes. Seit zehn Jahren erinnert der von den Vereinten Nationen etablierte Holocaust-Gedenktag am 27. Januar an die kaum fassbaren Verbrechen und Grausamkeiten hinter hohen Mauern und Stacheldraht.

Judenfeindschaft hat eine lange Geschichte. Angefeindet wurden sie seit den Anfängen der Christianisierung vor 2000 Jahren; die Christen verurteilen die Juden vor allem wegen ihrer anderen religiösen Haltung gegenüber Jesus.

Im Mittelalter waren Judenvertreibungen und Verfolgung sehr ausgeprägt, der Reformator Martin Luther machte da mit seiner Haltung keine Ausnahme; Gilden und Zünfte schlossen die Juden aus.

Die ausgegrenzten Juden nahmen sich vor allem der schlecht angesehenen Geldgeschäfte an. Aus Neid und Missgunst entwickelte sich in Vermischung mit diffusen Überzeugungen der Antisemitismus, eine pauschale Verurteilung der Juden als Systemfeinde, die in der Folge für jedwedes Unglück verantwortlich gemacht wurden.

Im Dritten Reich wurde der Antisemitismus zur rassistischen Ideologie erhoben, die einen Völkermord unbegreiflichen Ausmaßes rechtfertigen sollte: Millionen Juden wurden im Dritten Reich ermordet.

Der israelische Religionsphilosoph Schalom Ben-Chorin (kleines Foto) steht Pate für diese Straße in Westerkappeln.

Der israelische Religionsphilosoph Schalom Ben-Chorin (kleines Foto) steht Pate für diese Straße in Westerkappeln. Foto: dpa

Die Aufdeckung der unglaublichen Geschehnisse hatte eine tiefe Erschütterung und Sprachlosigkeit auf allen Seiten zur Folge. Einer der ersten, der nach dem Krieg die Initiative ergriff, war Schalom Ben-Chorin : Er suchte konsequent den Dialog zum Christentum, insbesondere in Deutschland, wiederaufzubauen.

Als Fritz Rosenthal 1913 in München geboren, wuchs Ben-Chorin in der Isar-Stadt auf, studierte Germanistik und vergleichende Religionswissenschaften. Mehrmals verhaftet, flüchtete er 1935 vor den Nazis nach Israel.

In Jerusalem gründete er die erste jüdische Reformgemeinde Israels. Sein Name Schalom Ben-Chorin bedeutet „Frieden – Sohn der Freiheit“. Ben-Chorin arbeitete als Journalist, war später außerdem Dozent und Gastprofessor in Jerusalem, München und Tübingen.

Chorin war überzeugt, dass nur Offenheit und Austausch dauerhaft Frieden stiften könnten, die religiös und traditionell geprägte Judenfeindlichkeit wollte er endlich überwinden. In seinen Schriften und Büchern zeigte er die gemeinsamen Wurzeln der Glaubensrichtungen auf, warb für gegenseitige Akzeptanz der Unterschiede zur Wahrung der religiösen Identität.

1999 starb der Religionsphilosoph in Israel. Er gilt neben Martin Buber als einer der wichtigsten Brückenbauer zwischen den Religionsgemeinschaften. Für sein Lebenswerk erhielt er eine Reihe Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz. An sein Wirken erinnert in Westerkappeln der Ben-Chorin-Weg in der neuen Haubreede.

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