Schwierige Urteilsfindung
Freispruch für Berufsschullehrer

Tecklenburger Land -

Ein Berufsschullehrer aus Ibbenbüren, der einen Schüler im Unterricht in den Schwitzkasten genommen hatte, wurde jetzt vor dem Amtsgericht Ibbenbüren freigesprochen. „Es war eine Entscheidung, die schwierig war“, kommentierte die Richterin ihr Urteil.

Dienstag, 03.03.2015, 15:03 Uhr

 
  Foto: dpa

Denn dass es beim Vorfall am 5. Mai 2014 im Klassenzimmer zu einer Rangelei zwischen dem 58-Jährigen und einem heute 19 Jahre alten Recker gekommen war, daran habe die Richterin keinen Zweifel. Im Zuge der Auseinandersetzung hatte der Lehrer den Schüler in den Schwitzkasten genommen. „Aber wie das konkret abgelaufen ist, das konnten wir auch nicht mehr klären“, sagte die Richterin.

Vor allem die Aussagen des jungen Klägers hätten letztlich zum Freispruch des Angeklagten geführt. Der 19-Jährige habe sich als Zeuge nämlich „so widersprüchlich geäußert“, dass die Richterin darauf kein Urteil stützen wolle. Zudem hatte ein Großteil der Zeugen angegeben, über zum Teil erhebliche Erinnerungslücken zu verfügen und den Vorfall kaum oder sogar gar nicht mitbekommen zu haben.

Das betraf auch die drei Zeugen, die gestern zum zweiten Mal vernommen wurden. Sie sollten zu einem Gerücht Stellung nehmen, das in der Schule kursiert sei. Demnach habe bei den Verletzungen, die der 19-Jährige angeblich durch seinen Lehrer erlitten hatte, der Kläger oder ein Kumpel des Klägers nachgeholfen. „Das ist mir neu, ich wusste nichts davon“, sagte jedoch der Zeuge, der das Gerücht verbreitet haben soll.

Der Freund, der den 19-Jährigen absichtlich verletzt haben soll, stritt eine Beteiligung ab. „Schweigen dürfen Sie. Aber Sie dürfen hier nicht lügen“, sagte daraufhin der Verteidiger zum Zeugen. „Ich habe ihn aber nicht gehauen“, beharrte der 18-Jährige. Wie es zu dem Gerücht gekommen sei, das konnte er sich auch nicht erklären.

Ins selbe Horn stieß das vermeintliche Opfer des Berufsschullehrers. Zudem gab der Kläger an, sich an viele Details nicht mehr erinnern zu können. „Das ist für mich das Unbegreiflichste an diesem Verfahren: Dass sich so viele Schüler so wenig an diesen Vorfall erinnern können - gerade Sie als Betroffener“, sagte die Richterin. Unter anderem sorgten die Erklärungen des Zeugen, er habe mit seinen Freunden nicht darüber gesprochen, warum er noch einmal vor Gericht erscheinen solle, für Verwunderung. „Mir reicht‘s wirklich“, machte der Verteidiger seinem Unmut Luft.

„Eine Verurteilung dürfte es meines Erachtens nach nicht geben“, plädierte er. Zu widersprüchlich seien die Aussagen mancher Schüler gewesen. Darüber hinaus habe sich der 19-Jährige trotz mehrfacher Ermahnung geweigert, den Raum zu verlassen. Gegen das Hinausbegleiten hätte er sich dann „aktiv zu Wehr gesetzt“. Der Schüler habe das Gerangel folglich mitverursacht.

Der Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 80 Euro gefordert: „Ein Lehrer darf sich durchsetzen. Was er nicht darf ist, körperlich zu misshandeln.“ Zu einer Misshandlung sei es aber gekommen. Das Gerücht indes sei ein Gerücht geblieben: „Mehr ist es für mich nicht.“ Die Staatsanwaltschaft kann gegen das Urteil noch Rechtsmittel einlegen.

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