Spektakel über dem Seester Nachthimmel
Feuerwerk macht Pferde scheu

Westerkappeln -

Am Nachthimmel von Seeste ist am Samstag ein Feuerwerk in die Luft gegangen, wie es in der Gemeinde bislang wohl noch nicht zu sehen gewesen ist. Während die Festgesellschaft am Ende unten begeistert Beifall klatschte, gab`s im Nachhall Beschwerden. Einer Familie in Seeste sind im wörtlichen Sinne die Pferde durchgegangen.

Montag, 27.04.2015, 14:04 Uhr

Ein Höhenfeuerwerk ist am Samstag über Seeste abgebrannt worden. Im Rathaus gab es Beschwerden. Alles hatte aber seine Ordnung.
Ein Höhenfeuerwerk ist am Samstag über Seeste abgebrannt worden. Im Rathaus gab es Beschwerden. Alles hatte aber seine Ordnung. Foto: Niklas Tüns

Am Nachthimmel von Seeste ist am Samstag ein Feuerwerk in die Luft gegangen, wie es in der Gemeinde bislang wohl noch nicht zu sehen gewesen ist. Während die Festgesellschaft am Ende unten begeistert Beifall klatschte, gab`s im Nachhall Beschwerden. Einer Familie in Seeste sind im wörtlichen Sinne die Pferde durchgegangen. „Wer hat das genehmigt ?“, fragt die Betroffene in der Facebook-Gruppe „Westerkappeln“. Niemand, lässt sich kurz und bündig antworten. Denn so ein Feuerwerk muss gar nicht genehmigt werden.

Samstagabend wurde ein 40. Geburtstag am Schießstand „Im Himmelreich“ gefeiert. Nicht nur der Jubilar wurde mit einem Großfeuerwerk überrascht, sondern etliche Anlieger der Bauerschaft wohl auch. Selbst in Westerbeck habe er das Feuerwerk als sehr heftig empfunden, schreibt ein anderer Facebook-User.

Die Gemeinde war über das Feuerwerk informiert. Das Ordnungsamt wollte das Spektakel nicht erlauben, „Wir haben aber keine rechtliche Handhabe, weil es von einer Fachfirma abgebrannt wurde. Die muss das nur anzeigen“, erläutert Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer. Dieser Pflicht sei das Unternehmen ordnungsgemäß nachgekommen.

Otto Normalverbraucher darf es dagegen nicht ohne Weiteres krachen lassen. Das ist durch das Sprengstoffgesetz (SprengG) geregelt, das Feuerwerkskörper in vier Kategorien unterteilt. In Kategorie 1 finden sich beispielsweise wohnzimmertaugliche Konfettibomben oder kleine Knallerbsen, die auch an Kinder (ab 12 Jahre) verkauft werden dürfen.

Für das klassische Silvesterfeuerwerk sieht das SprengG strenge Reglementierungen für den Verkauf und die Verwendung vor. Abgebrannt werden dürfen die in die Kategorie 2 fallenden Raketen, Batterien oder Fontänen von Privatleuten nur am 31. Dezember und 1. Januar.

Wer an den restlichen 363 Tagen seine Freude über eine Hochzeit oder einen runden Geburtstag farbenfroh und mit Getöse in die dunkle Nacht jagen möchte, kann beim Ordnungsamt einen „Freistellungsantrag vom Verwendungsverbot“ stellen. „Wir genehmigen das in der aber Regel nicht. Sie sehen ja, was das für einen Aufruhr gibt“, meint Große-Heitmeyer mit Hinweis auf die Beschwerden.

Größere Feuerwerkskörper der Kategorie 3 und 4 dürfen nur von Personen mit Fachkunde abgebrannt werden. So wie am Samstag in Seeste, wo Michael Kramer, staatlich geprüfter Pyrotechniker und Inhaber eines Brandschutz- und Feuerwerksunternehmens aus Kretz bei Koblenz, verantwortlich zeichnete.

„Wir haben das der Gemeinde rechtzeitig mitgeteilt und auch eine Arbeitsliste von Kategorie 2 bis 4 eingereicht“, betont Kramer. Damit nicht genug. Obwohl man nicht dazu verpflichtet gewesen sei, habe man alle Höfe im Umfeld des Seester Schießstandes angefahren und persönlich informiert. „Einer ist uns allerdings durchgerutscht. Dafür haben wir uns auch entschuldigt“, versichert der Pyrotechniker. Mit Rücksicht auf den Tierbestand in der Bauerschaft habe er auf die lauten Blitzknallkörper sogar verzichtet. Dennoch habe es schon während des Feuerwerks eine Beschwerde gegeben. „Die Verursacher haben zwar über ein Feuerwerk informiert, aber das war weit mehr als wir erwartet haben“, sagte die Anliegerin, deren Pferde durchgingen. Die Tiere sind aber wohl unverletzt geblieben.

In der Nachbarschaft stößt das Höhenfeuerwerk auf ein unterschiedliches Echo. „Die armen Pferde !! Schämt euch ihr Pyromanen!“, wettert ein Facebook-Nutzer. Es gibt aber auch wohlwolende Kommentare: „Mir hat es sehr gut gefallen, akustisch hätte ich mehr erwartet. Aber für so eine ruhige Ecke wie Telgte wohl ein Ereignis ! ... Bei vielen buddhistischen Einäscherungen wird mir mehr geboten. Mal abgesehen von einem vernünftigem Gewitter...“.

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