Trio „Aguas“ gibt bemerkenswertes Konzert
Standing Ovations vor dem ersten Ton

Westerkappeln -

Beim Sonntagskonzert mit dem armenischen Trio „Aguas“ gab es eine Premiere. Noch vor dem ersten Ton gab es Standing Ovations für die Musiker. Den hatte Gastgeber Raimund Beckmann mit einer nachdenklich stimmenden Begrüßung ausgelöst.

Dienstag, 05.05.2015, 16:05 Uhr

Zzm Ehren-Armenier  „behütete“ Grigor Shagoyan Gastgeber Raimund Beckmann (rechts).Dieser bedankte sich im Gegenzug mit dem blühenden Westerbecker Hofhut
Zzm Ehren-Armenier  „behütete“ Grigor Shagoyan Gastgeber Raimund Beckmann (rechts).Dieser bedankte sich im Gegenzug mit dem blühenden Westerbecker Hofhut Foto: Hannelore Heimpold

Beckmann stellte sichtlich bewegt das Trio aus dem Kaukasus vor und erinnerte an den 100. Jahrestag des Völkermordes an den Armeniern und berichtete von der Trauer des Volkes und ihrer Vergangenheitsbewältigung durch Musik – Musik als Ausdruck von Hoffnung, Dankbarkeit und Freude der Lebenden, ohne die Vergangenheit zu vergessen.

Nach diesem würdevollen Empfang zogen die drei Ausnahme-Musiker nun schon zum zweiten Mal die Kulturhof-Fans mit ihren „Sounds of Armenia“ in ihren Bann.

Der klassisch ausgebildete Sänger Grigor Shagoyan führte einfühlsam moderierend durch das überlegt aufgebaute Programm, denn was dieses internationale Trio mit einem Armenier, einem Ukrainer und einem Moldawier erklingen ließen, war eine Kette brillant vorgetragener außergewöhnlich subtil durchkomponierter Stücke, die nicht zum Wegträumen, sondern zum Ohrenspitzen animierten.

Grigor Shagoyan spielt seine exzellente Jost van Huene-Gitarre – genau wie die armenische Oud, eine elfsaitige Laute – wie ein zweiter Paco de Lucia. Mit dem Namen „Aguas“ verweisen die Musiker gezielt auf diesen Giganten des entfesselten Flamenco. Gleichzeitig öffnet sich damit auch das Feld der cross-over-Musik: Armenische Sounds treffen auf den Rest der Welt und kreieren fröhlich experimentelle neue Sounds. Doch Vorsicht: was Shagoyan mit seinem quicklebendigen Rhythmus-und Bass-Gitaristen Yurily Bilogort und dem splendiden Oleg Baltaga an der Percussion hier veranstaltet, ist nicht nur unterhaltsame Weltmusik, es ist eine authentische Musik, auf ethnologischen Spuren zusammengefügt, in der – wie im innig vorgetragenen Song Kilikia – sich arabische Klänge mit Flamenco vermischen und den europäischen Ohren Rätsel aufgeben!

Deshalb konnte man die berühmte Stecknadel fallen hören, so intensiv lauschte das Publikum, dem das Trio ein großes Lob aussprach und das das Publikum frenetisch bejubelte. Trommeldelikatessen im Solovortrag von Oleg Baltaga, armenische Erzählkunst (von Mensch, Pferd und Rotwein) mit Instrumenten und die schauspielerische Einlage einer Marktszene in Eriwan waren weitere Highlights des vielfältigen Programms.

Mit wenigen elektronischen Mitteln wie einem „Vocal Performer“ wurden Stimmen subtil vervielfältigt. Das sorgte für Gänsehaut pur beim Solovortrag von Grigor Shagoyan, der schon allein selbst wie ein Trio daher kam und dessen Soundmix hin und wieder augenzwinkernd an Elektronik erinnerte, jedoch nichts anderes war als feinstes Handwerk mit viel Gespür für Spannung, Herzflimmern und mit abgründigen Rhythmenwechseln, die den akustischen Boden unter den Füßen wegziehen.

In dieser Musik kreuzen sich die Schicksale aus Vergangenheit und Gegenwart und machen die drei Musikern zu Zeitzeugen über die Zeit hinaus und zu Botschaftern gelebter Friedfertigkeit über alle Grenzen hinweg. Da waren zwei Zugaben zu wenig. „Die müssen wiederkommen!“ … war man sich auf dem Kulturhof schnell einig.

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