Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinde
Tief in der Kreide

Westerkappeln -

Ob Baby oder Greis, jeder Westerkappelner Einwohner war Ende 2014 rechnerisch mit 1434,58 Euro bei der Gemeinde verschuldet. Das geht aus Daten von IT.NRW, dem Statistikamt des Landes, hervor. Damit bewegt sich die Kommune bei der Pro-Kopf-Verschuldung im oberen Drittel der Städte und Gemeinden im Münsterland.

Sonntag, 21.06.2015, 15:06 Uhr

Ob Baby oder Greis, jeder Westerkappelner Einwohner war Ende 2014 rechnerisch mit 1434,58 Euro bei der Gemeinde verschuldet. Das geht aus Daten von IT. NRW , dem Statistikamt des Landes, hervor.

Damit bewegt sich die Kommune bei der Pro-Kopf-Verschuldung im oberen Drittel der Städte und Gemeinden im Münsterland . Doch wie bei jeder Statistik, so sind auch diese Zahlen wohl unter Vorbehalt zu genießen.

Tatsächlich sei die Pro-Kopf-Verschuldung geringer, sagt Thomas Rieger , Leiter der Finanzabteilung im Rathaus. Die Schulden trennt er in Investitionskredite und Kassenkredite . 9,15 Millionen Euro schlugen Ende vergangenen Jahres als Investitionsdarlehen zu Buche. Umgerechnet auf jeden der rund 10 900 Einwohner mache das 840 Euro. Nicht verschwiegen werden sollte an dieser Stelle, dass den Investitionen in der Regel auch Werte entgegenstehen.

Dann gibt es da noch die Kassenkredite, die die Gemeinde aufnimmt, um immer genügend flüssige Mittel für laufende Kosten oder Gehälter zu haben. Ein bisschen vergleichen lassen sich diese Darlehen mit dem Dispo von Otto Normalverbraucher. Allerdings zahlt der deutlich mehr dafür. Während für eine Inanspruchnahme des Dispos trotz historisch niedriger Leitzinsen schnell mal zwölf Prozent Zinsen fällig werden, kann die Kommune einen Kassenkredit derzeit für unter ein Prozent abschließen, wie Rieger erläutert. Damit lägen diese Darlehen im Moment deutlich unter dem Niveau der Investitionskredite, das der Finanzexperte auf 1,5 bis 3 Prozent beziffert.

Laut Haushaltssatzung dürfte die Gemeinde zur Liquiditätssicherung Kassenkredite bis maximal sieben Millionen Euro aufnehmen. „Sechs Millionen haben wir davon jetzt ausgeschöpft“, berichtet Rieger. Wenn man die nun umrechnet auf jeden Bürger und das mit den Investitionsschulden summiert, kommt in etwa das heraus, was IT NRW ausgerechnet hat. Aber: Die Kommune habe auch noch Guthaben in Millionenhöhe, gibt Rieger zu bedenken. Das Geld sei fest angelegt, weil es mehr Zinsen bringt als die Kassenkredite derzeit kosten.

Bis Ende des Monats würden die Kassenkredite um etwa eine Million Euro „mit Geld, das wir auf dem Konto haben“, abgebaut, so Rieger.

Weil die Zinsen für die Kassenkredite im Keller sind, setzten viele Kommunen darauf. „Die steigen explosionsartig“, verweist Rieger auf Angaben des Städte- und Gemeindebundes NRW. Diese Form der Darlehen bergen aber nach seinen Worten „eine gewisse Sprengkraft“ in sich. „Ich möchte nicht erleben, was passiert, wenn die Zinsen wieder nach oben gehen. Dann wird die Luft sehr, sehr dünn.“

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