Einzelhandel
Netto kann bauen

Westerkappeln -

Netto kann nun doch an der Steinkampstraße neu bauen – zumindest theoretisch. Denn der Streit über die Erschließung des Discount-Marktes ist geklärt.

Freitag, 26.06.2015, 15:06 Uhr

Lösung gefunden: Für den aus Richtung Wersen anrollenden Verkehr wird eine Linksabbiegespur zur Steinkampstraße gebaut. Überdies soll an der Kreuzung eine zweite Ampel installiert werden.
Lösung gefunden: Für den aus Richtung Wersen anrollenden Verkehr wird eine Linksabbiegespur zur Steinkampstraße gebaut. Überdies soll an der Kreuzung eine zweite Ampel installiert werden. Foto: Frank Klausmeyer

Netto kann nun doch an der Steinkampstraße neu bauen – zumindest theoretisch. Denn der Streit über die Erschließung des Discount-Marktes ist geklärt. Der Investor hat sich bereit erklärt, die Kosten zu übernehmen. Dabei geht es um rund 120 000 Euro.

Ende März hatte der Rat dem Bauantrag das sogenannte gemeindliche Einvernehmen versagt, weil die OSWI GmbH & Co.KG bis dahin nicht vertraglich zusichern wollte, die Erschließung in vollem Umfang zu bezahlen. Der Ibbenbürener Bauträger will das Gebäude bauen und an Netto verpachten. Mittlerweile sind sich die Parteien aber einig geworden. Der Rat hat in dieser Woche bereits die Pläne für eine neue Linksabbiegespur auf der Osnabrücker Straße abgesegnet, womit der Weg für eine Weiterbearbeitung des Bauantrages frei gemacht worden ist.

„Wir haben jetzt eine Lösung, die von allen Beteiligten mitgetragen wird“, erklärt Diplom-Ingenieur Thomas Rakel vom Büro Hahm (Osnabrück), der die Entwurfsplanung zuvor im Bauausschuss vorstellte.

Und so soll´s werden: Für Autofahrer, die aus Richtung Wersen kommen und in die Steinkampstraße wollen, wird eine 20 Meter lange Linksabbiegespur auf der Osnabrücker Straße geschaffen. Der gesamte Ausbaubereich wird mehr als viermal so lang, weshalb der Radweg auf der nördlichen Seite verlegt werden muss.

Vor der Einmündung zur Steinkampstraße soll eine zweite Ampel aufgestellt werden. Damit gebe es an der Stelle künftig für Fußgänger zwei Überquerungsmöglichkeiten über die Osnabrücker Straße. Wenn die Ampeln Rot zeigen, könne der von der Steinkampstraße abfließende Verkehr gefahrlos nach links und rechts abbiegen, erläutert Rakel.

Die Ampel werde darüber hinaus verkehrsabhängig geschaltet. Das heißt: Nicht nur wenn Fußgänger die Straßenseite wechseln wollen, sondern auch wenn Autos und Busse etwas länger an der Ausfahrt des Schulzentrums oder vor der Haltelinie an der Steinkampstraße stehen, springt die Ampel auf Rot.

„Die Lösung sieht sehr gut aus“, findet Michael Puke , sachkundiger Bürger der SPD im Bauausschuss. Es müsse allerdings sichergestellt werden, dass die neue Ampel nicht die angestrebte grüne Welle auf der Osnabrücker Straße blockiert, wenn auch an der Kreuzung Am Königsteich/Gartenkamp eine Lichtzeichenanlage installiert wird. Überdies, so regt Puke an, solle die Linksabbiegespur noch vor Baubeginn des Netto-Marktes angelegt werden.

Der CDU-Fraktion passt dagegen die ganze Richtung nicht. Mit der Linksabbiegespur werde der Verkehr auf der Landstraße noch weiter gebremst, glaubt Achim Scholz. Überdies lehne seine Partei die Pläne ab, weil an der Vidumstraße, wo Netto jetzt angesiedelt ist, zusätzliche Leerstände geschaffen würden. Im Übrigen gewinne Netto durch einen Umzug sicher keinen Kunden dazu. „Hier löst man Not mit Elend“, befürchtet auch Hermann Tüpker, sachkundiger Bürger der CDU im Bauausschuss. „Dieser Standort für einen Markt ist völliger Quatsch. Der gehört dahin wo er jetzt ist.“

Die Bedenken zu noch mehr Staus auf der Osnabrücker Straße teilt Planer Rakel nicht. „Es wurde durchgerechnet, dass das auch funktioniert.“

Puke erinnerte im Zusammenhang mit der CDU-Kritik daran, dass Netto angekündigt habe, den Markt an der Vidumstraße auf jeden Fall schließen zu wollen. In dem Fall stünde die östliche Wohnlage ohne Nahversorgung da. Es sei nicht Aufgabe der Politik, unternehmerische Entscheidungen zu reglementieren. „Wir können nur die Leitplanken setzen.“

Wann der Netto-Markt gebaut wird, ist noch offen. Selbst wenn das Bauantragsverfahren jetzt zügig abgeschlossen wird, dürfte es aus der zwischenzeitlich von Netto anvisierten Eröffnung im Herbst dieses Jahres sicher nichts werden. Denn zunächst muss die Praxis Döllert, auf deren Gelände der Neubau entstehen soll, abgerissen werden. Und danach haben erst einmal die Archäologen vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe Zugriff auf das Grundstück, weil dort Reste eines frühgeschichtlichen Friedhofs vermutet werden. Deren Untersuchungen können sich in die Länge ziehen.

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