Vortrag über den Islam
„Gott macht allen Angebote“

Westerkappeln -

„Ich wusste nicht, dass das hier eine Werbeveranstaltung für den Islam ist“, macht ein Zuhörer seinem Unmut Luft. Er ist der Ansicht, der Islam müsse weltweit geächtet werden. Bemerkungen wie diese waren im Reinhildis-Haus aber die Ausnahme. Dennoch schenkten sich die „Ökumenischen Zaunkieker“ und ihre Gäste bei einem Votrag von Dr. Dina El Omari nichts.

Freitag, 03.07.2015, 13:07 Uhr

Ein Muslim liest im Koran. Zurzeit (18. Juni bis 16. Juli) haben die Muslime Ramadan. Der Begriff hat zwei Bedeutungen: Zum einen handelt es sich um den neunten Monat im Islamischen Kalender, zum anderen ist der Terminus als islamischer Fastenmonat bekannt. Der Ramadan gehört zu den Fünf Säulen des Islams. Er richtet sich nach der Stellung des Mondes..
Ein Muslim liest im Koran. Zurzeit (18. Juni bis 16. Juli) haben die Muslime Ramadan. Der Begriff hat zwei Bedeutungen: Zum einen handelt es sich um den neunten Monat im Islamischen Kalender, zum anderen ist der Terminus als islamischer Fastenmonat bekannt. Der Ramadan gehört zu den Fünf Säulen des Islams. Er richtet sich nach der Stellung des Mondes.. Foto: dpa

„Ich wusste nicht, dass das hier eine Werbeveranstaltung für den Islam ist“, macht ein Zuhörer seinem Unmut Luft. Er empfindet den Islam als simpel und kindlich und ist der Ansicht, er müsse weltweit geächtet werden. „Das ist unakzeptabel hoch drei“, hält er mit seiner Meinung nicht hinterm Berg.

Bemerkungen wie diese waren im Reinhildis-Haus aber die Ausnahme. Dennoch schenkten sich die „Ökumenischen Zaunkieker“ und ihre Gäste nichts, als Dr. Dina El Omari zur Diskussion einlud. Über 70 Frauen und Männer wollten mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin in der Nachwuchsgruppe „Theologie der Barmherzigkeit“ am Zentrum für Islamische Theologie Münster über ihre Religion ins Gespräch kommen. „Islam ist Barmherzigkeit“ lautet die These der Muslima und des Professors Dr. Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums an der Westfälischen Wilhelms-Universität, aus dessen gleichnamigem Buch die 33-Jährige das humanistische Verständnis des Islam herausarbeitete.

Sie beobachtet seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 einen Wandel der Wahrnehmung, die aus ehemaligen „Gastarbeitern“ Muslime, aus sozialen religiöse Probleme mache. Den daraus resultierenden Spannungen und Abgrenzungen besonders der zweiten und dritten Generation, die in Deutschland verwurzelte sei und den Heimatländern ihrer Eltern distanziert gegenüber stehe, könne nur im Dialog begegnet werden, fährt El Omari fort.

„Im Koran stellt Gott sich selbst vor“, sieht sie in der Heiligen Schrift des Islam, in der Gott als All-Erbarmer oder All-Barmherziger beschrieben werde, die Grundlage für die Fähigkeit zum Dialog. Barmherzigkeit habe Gott im Wort wie in der Schöpfung offenbart.

„Die Kernbotschaft ist die gleiche“, macht El Omari deutlich, dass nur die Form der drei Religionen Christentum, Islam und Judentum unterschiedlich ist und alle zu Gott finden. „Gott macht allen Angebote, und der Mensch kann sich frei entscheiden, ob er diese annimmt oder ablehnt“, ist sie überzeugt.

Dina El Omari nimmt auch Bezug auf die 80 der über 6000 Verse des Koran, die die juristische Ordnung, unter anderen die Körperstrafen betreffen. Sie fordert, hinter deren wörtlichen Gebrauch zu schauen.

„Sie haben uns einen Islam vor Augen geführt, den ich so nicht gekannt habe“, dankt Pastor Dr. Norbert Tillmann der Referentin für ihre Ausführungen. „Ich finde ganz großartig, was Sie machen“, lobt er die junge Frau. Wer über den Islam urteile, dürfe nicht vergessen, wie viele Millionen Menschen durch den Islam zu Gott gefunden hätten, gibt er zu bedenken.

In der folgenden kontroversen Diskussion unter der Moderation von Pastor Reiner Ströver wird Respekt überwiegend groß geschrieben. „Der Koran ist nicht viel anders als die Bibel. Wir müssen gucken, was uns verbindet, nicht was uns trennt“, erklärt eine Frau. Eine andere gibt zu bedenken, dass die Bibel, was Grausamkeiten angehe, dem Koran in nichts nachstehe, und erzählt vom „gelebten Islam“, den sie in Ägypten erlebt habe.

Sie verstehe, dass man Ängste habe, wenn man die Nachrichten schaue, räumt Dina El Omari ein. „Je mehr Leute ausgebildet werden, desto besser wird es“, ist sie sicher, im Zentrum für Islamische Theologie Münster auf dem richtigen Weg zu sein. Dort machen die ersten Absolventen gerade ihren Bachelor, im kommenden Wintersemester beginnen die ersten Masterstudiengänge.

Über den Besuch von Dr. Dina El Omari (2. von rechts) freuten sich (von links) Gertrud Bodenstein, Dr. Norbert Tillmann und Reiner Ströver.

Über den Besuch von Dr. Dina El Omari (2. von rechts) freuten sich (von links) Gertrud Bodenstein, Dr. Norbert Tillmann und Reiner Ströver. Foto: Dietlind Ellerich

Gertrud Bodenstein und Rainer Ströver, Ansprechpartner der ökumenischen Zaunkieker, sowie Tillmann waren begeistert von der Resonanz auf den Gesprächsabend mit Dina El Omari. Sie hätten mit um die 30 Gästen gerechnet, freute sich Bodenstein darüber, dass mehr als doppelt so viele im Reinhildis-Haus dabei waren, und wünschte der Referentin Mut auf ihrem weiteren Weg.

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