Praxis Döllert leidet unter nicht enden wollender Netto-Debatte
„Das Gerede ist mittlerweile geschäftsschädigend“

Westerkappeln -

Seit 24 Jahren ist die Podologische Praxis Döllert an der Osnabrücker Straße ansässig. Dort möchten Erich und Susanne Döllert auch noch so lange wie möglich bleiben. Doch die öffentliche Diskussion über eine Ansiedlung des Netto-Marktes an der Stelle empfindet das Ehepaar mittlerweile nicht nur als entnervend, sondern mittlerweile als geschäftsschädigend.

Freitag, 03.07.2015, 22:07 Uhr

Susanne und Erich Döllert hoffen, dass mit dem Gerede über einen Abriss ihrer Praxis nun Schluss ist.
Susanne und Erich Döllert hoffen, dass mit dem Gerede über einen Abriss ihrer Praxis nun Schluss ist. Foto: Frank Klausmeyer

Seit 29 Jahren ist die Podologische Praxis Döllert in Westerkappeln ansässig, 24 Jahre davon an der Osnabrücker Straße . Dort möchten Erich und Susanne Döllert auch noch so lange wie möglich bleiben. Die öffentliche Diskussion über eine Ansiedlung des Netto-Marktes an der Stelle empfindet das Ehepaar deshalb nicht nur als entnervend, sondern mittlerweile als geschäftsschädigend.

„Gerade in den letzten Tagen gibt es Gerede über den Abriss unseres Gebäudes. Wir werden ständig gefragt, wann wir denn schließen“, ärgert sich Susanne Döllert, Masseurin und Lymphdrainage-Therapeutin.

Seit sieben Jahren werde über die Neubaupläne von Netto geschrieben. Die Zukunft ihrer Praxis stehe dabei immer mit im Fokus. Just habe die Verunsicherung bei den Patienten neuen Schub bekommen durch die Beratungen in den Ratsgremien über die geplante Linksabbiegespur (WN berichteten). Die (mittlerweile wohl schriftlich vorliegende) Erklärung des Investors zur vollständigen Kostenübernahme hatten Rat und Verwaltung zur Bedingung gemacht, um das gemeindliche Einvernehmen für den Netto-Neubau zu erteilen.

Genehmigt ist indes noch nichts. Und unterschrieben auch nichts, wie Reinhard Hoffeld betont, dem das Praxisgebäude mitsamt des Grundstücks gehört, auf dem auch sein eigenes Haus steht und das ebenfalls im Falle eines Netto-Neubaus abgerissen werden müsste.

Grundsätzlich will Hoffeld zwar weiter an den Projektträger OSWI (Ibbenbüren) verkaufen. Wann das geschehe, stehe jedoch noch gar nicht fest. „Wir wissen ja gar nicht, was der Rat entscheidet“, meint der Eigentümer. Die CDU-Fraktion hatte vergangene Woche als einzige Fraktion gegen die Pläne für die Linksabbiegespur gestimmt, weniger aus verkehrlichen Gründen, sondern weil die Christdemokraten den Umzug von Netto an die Steinkampstraße grundsätzlich ablehnen.

Und wenn es zum Verkauf komme, bleibe abzuwarten, wann gebaut werden könne gibt Hoffeld weiter zu bedenken. Denn schließlich stünden zuvor noch archäologische Untersuchungen an, weil dort Reste eines frühgeschichtlichen Gräberfeldes vermutet werden. Oberhalb des Grundstücks wurden am Brennesch vor Jahren neue Häuser gebaut. Die Ausgrabungen dort hätten sich rund ein Jahr in die Länge gezogen.

Die nicht enden wollende Debatte über Netto habe auch dazu geführt, „dass wir in den vergangenen Jahren hier keine nennenswerten Investitionen mehr vorgenommen haben“ betont Podologe Erich Döllert. Auf eine Aufgabe der Praxis an dem Standort stellen sich die Döllerts ein. „Irgendwann kommt das. Aber nicht heute, nicht morgen und auch nicht im Herbst. Danach warten wir mal ab, was passiert“, hofft Susanne Döllert erst Mal auf Ruhe.

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