Für Heiner Kartlüke sind die Ledder Werkstätten ein Glücksfall
Auf einen Schlag ein anderes Leben

Westerkappeln -

Es geschah aus heiterem Himmel, am 3. Februar 1999, während der Arbeit. Heiner Kartlüke fiel nach vorne, lag bewusstlos auf dem Boden. Auf einen Schlag änderte sich sein Leben. Die Ledder Werkstätten erweisen sich für den Westerkappelner ein Glücksfall.

Mittwoch, 09.09.2015, 16:09 Uhr

Bei der Arbeit: Heiner Kartlüke ist froh darüber, dass er wieder
Bei der Arbeit: Heiner Kartlüke ist froh darüber, dass er wieder Foto: Dietlind Ellerich

Es geschah aus heiterem Himmel, am 3. Februar 1999, während der Arbeit. Heiner Kartlüke fiel nach vorne, lag bewusstlos auf dem Boden. Der damals 41-jährige selbstständige Handwerksmeister hatte Glück, dass er nicht alleine im Keller des Supermarktes war, ein Monteur sofort den Rettungsdienst verständigte. „Sonst wäre es noch schlimmer ausgegangen“, sind sich Kartlüke, seine Ehefrau Conny und seine Mutter Herta bewusst. Ein Aortenaneurysma, eine Ausbuchtung der Hauptschlagader, war geplatzt.

Viele Wochen war Kartlüke im künstlichen Koma, Monate in der Reha und Anschlussheilbehandlung. Das volle Programm mit Logopädie, Ergotherapie, fast ein ganzes Jahr in Kliniken, laufen, sprechen, schreiben lernen. Und immer in der Gewissheit, dass fast nichts mehr so sein wird, wie es einmal war.

Seine beiden Meisterbriefe im Flur erinnern an die Zeit, als alles noch in Ordnung war. Heute ist der Westerkappelner Frührentner. Seinen Beruf als Gas- und Wasser-Installateur und als Zentralheizungs- und Lüftungsbauer kann er nicht mehr ausüben.

Schmerzhaft für Kartlüke: Auch die unmittelbar bevorstehende Beförderung zum Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr im Ort muss er damals ad acta legen.

Zu Hause in Westerkappeln sorgen sich die Frauen nicht nur um den Ehemann und den Sohn, sie bringen die Baustelle an einer Grundschule zu Ende, wickeln die Werkstatt ab, die Heiner Kartlüke Anfang der 1980er Jahre von seinem Vater übernommen hat.

Als er Ende des Jahres wieder zu Hause ist, versuchen alle, das Beste aus der Situation zu machen. Kartlüke hilft im Haushaltswarengeschäft an der Bahnhofstraße mit, das die Familie seit Generationen führt. Er mischt mit, ist immer dabei und dennoch unzufrieden. Ihm fällt die Decke auf den Kopf, er will raus, arbeiten, unter Menschen.

Der erste Kontakt mit den Ledder Werkstätten erfolgt erst ein paar Jahre später und zu Hause. Conny Kartlüke will zunächst nicht recht, hat das Gefühl, sie schiebe ihren Mann ab. Heute ist sie froh, dass sie gemeinsam den Schritt gewagt haben. Denn Heiner Kartlüke fühlt sich in seinem Job in Ibbenbüren pudelwohl und ist sogar im Metier geblieben.

Er packt Ausläufe für Boiler um, montiert Gelenkrohrschellen und Schrauben, faltet Kartons und trennt Müll. Vor allem freut er sich, dass er gebraucht wird.

„Wir sind froh, dass wir Heinrich haben. Er hat Spaß an der Arbeit, immer einen netten Spruch auf Lager und ist immer gut gelaunt“, beschreibt Konrad Licher , Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung bei den Ledder Werkstätten, die Win-win-Situation.

Am späten Nachmittag bringt der Werksverkehr Kartlüke wieder nach Hause. Seine Ankunft kündigt er durch einen Pfiff an, er schaut die Post durch, fragt nach Neuigkeiten, hilft ein wenig im Geschäft. Wie ein ganz normaler Arbeitnehmer es so nach Feierabend macht.

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