Flüchtlingsintegration
„Gemeinde wird ihr Gesicht verändern“

Westerkappeln -

Westerkappeln muss immer mehr Flüchtlinge aufnehmen. Deshalb hat der Rat jetzt den Kauf eines sogenannten Kompakthauses beschlossen. In der Debatte am Donnerstag ging es aber vor allem um die Integration der Menschen. Auch die Gemeinde werde ihr Gesicht verändern, meinte SPD-Fraktionsvorsitzender Frank Sundermann.

Freitag, 11.09.2015, 16:09 Uhr

Tausende Flüchtlinge erreichten in den vergangenen Tagen den Münchener Bahnhof. Solch dramatisch anmutenden Bilder spiegeln natürlich nicht die Realität in den Städten und Gemeinden wider, weil die Menschen nicht in Strömen durch das Land ziehen. Klar ist aber, dass auch Westerkappeln mehr Flüchtlinge aufnehmen muss.
Tausende Flüchtlinge erreichten in den vergangenen Tagen den Münchener Bahnhof. Solch dramatisch anmutenden Bilder spiegeln natürlich nicht die Realität in den Städten und Gemeinden wider, weil die Menschen nicht in Strömen durch das Land ziehen. Klar ist aber, dass auch Westerkappeln mehr Flüchtlinge aufnehmen muss. Foto: dpa

Die teilweise dramatischen Bilder von den EU-Außengrenzen oder vom Münchener Hauptbahnhof haben ihre Wirkung bei den Westerkappelner Kommunalpolitikern nicht verfehlt. Ohne große Diskussionen ist der Rat am Donnerstagabend einstimmig der Verwaltungsempfehlung gefolgt, ein sogenanntes Kompakthaus für die Unterbringung von Flüchtlingen zu kaufen und am Hof Schildkamp aufzubauen.

Die Gemeinde entscheidet sich aus Platzgründen für eine zweigeschossige Variante. Rund 25 Menschen haben darin Platz. Überdies wurde die Verwaltung beauftragt, die Sanierung des Dachgeschosses der Asylunterkunft in Düte in die Wege zu leiten, wo ein weiteres Dutzend Flüchtlinge einquartiert werden kann.

Leichte Skepsis zum Kompakthaus meldete lediglich Martin Laumann-Stening (Bündnis 90/Die Grünen) an, der fragte, wie es um die Zuverlässigkeit des Lieferanten (AT Bauelemente aus Österreich) bestellt ist, da es sich seines Wissens um ein recht junges Unternehmen handele. Ordnungsamtsleiter Winfried Praus verwies in diesem Zusammenhang auf positive Erfahrungen der Stadt Ibbenbüren. Überdies würden die Häuser in Lienen gebaut.

Das Kompakthaus am Hof Schildkamp soll nach Vertragsabschluss binnen acht Wochen geliefert und grundmöbliert aufgestellt werden. Die Verwaltung will nun unmittelbar einen Bauantrag stellen. Mit der Genehmigung wird binnen fünf Wochen gerechnet.

„Es drängt hinten und vorne“, hatte Praus zuvor noch einmal die Dringlichkeit der Entscheidung deutlich gemacht. Bis zu 130 neue Flüchtlinge würden dieses Jahr in Westerkappeln erwartet. Vor gut einer Woche, als die Verwaltung die Unterlagen für die Ratssitzung zusammengestellt hatte, waren bereits 77 Menschen zugewiesen worden. „Inzwischen sind es schon 87“, sagte Praus. „Die Zahlen der zu erwartenden Flüchtlinge werden ständig nach oben korrigiert“, gab Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer zu bedenken.

Insbesondere für Familien mit Kindern hat die Kommune Wohnungen angemietet. „Alleine damit wird es nicht reichen“, betonte Praus. Und in den vorhandenen drei Asylbewerberheimen seien die Unterbringungsmöglichkeiten nahezu ausgeschöpft. „Wir brauchen jeden Platz, den wir kriegen können.“

Dem wollte der Rat nichtwidersprechen, sondern konzentrierte sich in der Debatte am Donnerstag lieber auf das Thema Integration. „Asyl ist ein Grundrecht. Wir alle sind aufgefordert, es mit Leben zu füllen. Wir müssen vor Ort dafür sorgen, dass die Leute hier eine Heimat bekommen“, erklärte Frank Sundermann ( SPD ). Auch die Gemeinde Westerkappeln werde infolge der hohen Flüchtlingszahlen „ihr Gesicht verändern“, meinte der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten. Denn anders als bei vielen Flüchtlingen der Balkankriege in den 1990er Jahren sei davon auszugehen, dass die Flüchtlinge aus den jetzigen Kriegsgebieten im Nahen und Mittleren Osten auf Dauer in Deutschland blieben. Langfristig sei dies aber auch als Chance zu begreifen „uns als gastfreundliche Gemeinde zu beweisen und einen Beitrag zum Erhalt der Infrastruktur darin zu sehen“, sagte Sundermann.

Wolfgang Jonas (CDU) warnte davor, ein weiteres Kompakthaus an der Düter Schule zu errichten, wo der baufällige Gebäudeteile abgerissen werden soll (WN berichteten). „Wir müssen versuchen, die Leute wohnortnah zu integrieren.“ In Düte könne sich eine Konzentration von sehr vielen Asylbewerbern auch als sozialer Brennpunkt entwickeln, so Jonas. Laumann-Stening appellierte, „sich über Begegnungsstrukturen und -orte Gedanken zu machen, wie diese bunter werdende Gesellschaft auch zusammenwachsen kann.“

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