Bürgerinitiative will Nordbahn-Reaktivierung neuen Schub geben
Runter vom Abstellgleis

Westerkappeln/Mettingen/Recke/Lotte -

Von der Tecklenburger Nordbahn ist seit Monaten gar nichts mehr zu hören. Für neuen Schub wollen jetzt offensichtlich die Verfechter einer Reaktivierung sorgen. In zwei Wochen soll eine Bürgerinitiative gegründet werden.

Dienstag, 10.11.2015, 13:11 Uhr

„Auslaufbetrieb ohne Nutzung“ lautet der aktuelle Status der Tecklenburger Nordbahn. Für neuen Schub in der Reaktivierungsdebatte will nun eine Bürgerinitiative sorgen, deren Gründungsversammlung in zwei Wochen stattfindet.
„Auslaufbetrieb ohne Nutzung“ lautet der aktuelle Status der Tecklenburger Nordbahn. Für neuen Schub in der Reaktivierungsdebatte will nun eine Bürgerinitiative sorgen, deren Gründungsversammlung in zwei Wochen stattfindet. Foto: Oliver Langemeyer

Von der Tecklenburger Nordbahn ist seit Monaten gar nichts mehr zu hören. Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer wusste vergangene Woche im Bauausschuss auch nur mit Achselzucken zu reagieren, als die Frage nach dem Stand der Planung für eine Wiederbelebung auftauchte. Für neuen Schub wollen jetzt offensichtlich die Verfechter einer Reaktivierung sorgen. In zwei Wochen soll eine Bürgerinitiative gegründet werden.

Dahinter stehe, so Mitstreiter Reinhard Kampling aus Recke, eine Gruppe von interessierten und engagierten Bürgerinnen und Bürgern aus Westerkappeln, Lotte , Mettingen und Recke, die sich gemeinsam für die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn einsetzen will. „Um ihrem Vorhaben mit Geschlossenheit und Einmütigkeit mehr Nachdruck zu verleihen“, wie Kampling schreibt, laden die Organisatoren am Dienstag, 24. November, um 19 Uhr ins Hotel Telsemeyer nach Mettingen zu einer Versammlung ein, an deren Ende die Gründung einer Bürgerinitiative „Tecklenburger Nordbahn“ stehen soll.

Derweil arbeiten Fachleute im Hintergrund weiter still und leise an der Entwurfsplanung für eine Reaktivierung der Strecke von Osnabrück bis Recke. Die Ergebnisse sollten eigentlich in diesem Herbst vorliegen, die Planungen verzögern sich aber. Es seien noch einige Gespräche erforderlich, bestätigt Markus Rümke , Sprecher beim Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Münsterland (ZVM) als Auftraggeber. Mit der Fertigstellung der Entwurfsplanung sei jetzt Ende dieses, Anfang kommenden Jahres zu rechnen.

Vor knapp zweieinhalb Jahren hatte die Verbandsversammlung des ZVM beschlossen, das nötige Geld für die Entwurfs- bis zur Genehmigungsplanung zur Verfügung zu stellen. Gleiches galt für weitere Planungen der Wiederbelebung der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) von Münster nach Sendenhorst. Bis Ende dieses Jahres sind für beide Projekte 2,7 Millionen Euro bereitgestellt worden.

Plandaten für eine Reaktivierung

Über die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn für die Personenbeförderung wird schon seit vielen Jahren debattiert. Anfang der 2000er Jahre hatte der Zweckverband Münsterland (ZVM) eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse 2010 noch einmal aktualisiert wurden. Auf deren Grundlage wird zurzeit an der Entwurfsplanung für die Strecke Osnabrück-Recke gearbeitet. Die Plandaten:

...

Eine Wiederbelebung der Tecklenburger Nordbahn für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kostet wahrscheinlich mehr als das Zehnfache, wie die Verfasser einer Machbarkeitsstudie errechnet hatten. Der kürzlich abgelöste Landrat Thomas Kubendorff hatte 2014 zwar frohlockt, dass die ZVM-Kasse gut gefüllt sei, gleichzeitig aber eingeräumt, dass eine Reaktivierung ohne Geld vom Land nicht zu schultern sei. Doch in Düsseldorf steht die Tecklenburger Nordbahn bis jetzt eher auf einem Abstellgleis, was beim augenblicklichen Status – „Auslaufbetrieb ohne Nutzung“ – nicht verwunderlich ist.

Der ZVM hofft, dass sich dies bald ändert. Das Land sammele zurzeit Anmeldungen für die ÖPNV-Bedarfsplanung. Die Tecklenburger Nordbahn solle wieder gemeldet werden, sagt Rümke. Die Verbandsversammlung des ZVM werde dies voraussichtlich im Dezember beschließen. Mit der fertigen Entwurfsplanung in der Schublade hofft der ZVM, nun auch in der Landesbedarfsplanung berücksichtigt zu werden.

Kubendorff war ein glühender Verfechter der Reaktivierungspläne. Sein Nachfolger Dr. Klaus Effing äußerte sich in der Vergangenheit eher zurückhaltend zu dem Thema. Die sich in Gründung befindende Bürgerinitiative wird es sich wohl zur Aufgabe machen, nicht nur den neuen Landrat zu überzeugen, sondern möglichst viele Politiker und Bürger hinter sich zu bringen.

An der Ausgangslage hat sich dabei bis jetzt wenig geändert: Die Gemeinden Westerkappeln, Mettingen und Recke stehen dem Projekt grundsätzlich positiv gegenüber – solange sie nichts bezahlen müssen. Der Rat in Lotte lehnt – vor allem mit Blick auf die Anlieger am Strotheweg in Büren – eine Wiederbelebung ab. Die CDU in Lotte hat sich jedoch zuletzt offener für eine Diskussion gezeigt und Vorschläge für eine Art Stadtbahn gemacht.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3619763?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F4852242%2F4852244%2F
Nachrichten-Ticker