Der Ibbenbürener Steinkohlebergbau im Dritten Reich
Machthaber nahmen früh Einfluss

Tecklenburger land -

In der Lohnhalle der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH ist zurzeit die Ausstellung „Der Ibbenbürener Steinkohlebergbau im Dritten Reich“ zu sehen. Sie zeigt, dass die nationalsozialistischen Machthaber schon frühzeitig Einfluss auf die Preussag nahmen.

Donnerstag, 21.01.2016, 14:01 Uhr

„Die Preussag als preußischer Staatskonzern und großes Wirtschaftsunternehmen war von Beginn an besonders eng mit der NS-Politik verbunden und ihrer Kontrolle ausgesetzt. Vorstände und Aufsichtsrat der Preussag wurden weitgehend durch NSDAP-Mitglieder ersetzt“, beginnt Hans Röhrs seine Texterläuterungen zu der Ausstellung in der Lohnhalle.

Auch in Ibbenbüren habe die Einflussnahme der Konzernleitung sich ausgewirkt. „Bereits vor der Machtübernahme stellten Angestellte der Preussag einen hohen Anteil an der Ibbenbürener NSDAP, und diese Tendenz blieb auch nach 1933 bestehen.“ So wird deutlich, dass der Ibbenbürener Steinkohlenbergbau ein wesentliches Element der Betrachtung ist, wenn es um die Aufarbeitung der lokalen Geschichte jener Jahre geht, die leider in vielen Heimatbüchern und lokalhistorischen Abhandlungen fehlen.

Die Texte von Hans Röhrs ordnen, erläutern und fassen zusammen, was der Ausstellungsbesucher anhand der Zeitdokumente (Fotos, Zeitungsausschnitte, Flugblätter, Briefe etc.) belegt sieht.

Im Folgenden sollen Ausschnitte aus den von Hans Röhrs verfassten Texten einen Eindruck von der Geschichte geben:

„In der Leitung der Ibbenbürener Bergwerke wurde im September 1933 infolge Pensionierung der seit 1919 im Dienst stehende Oberbergrat Erich Müller zunächst durch den Bergassessor Dr. Karl Leising ersetzt, der im September 1934 zur Preussag nach Oberschlesien ging. Sein Nachfolger war bis zum Januar 1946 der seit 1929 als Betriebsdirektor eingesetzte Bergrat Bernhard Dreyer. Letzterer wurde am 1. Mai 1934 Parteimitglied und in einigen Parteiorganisationen eher passiv eingebunden.

Die Verwaltung der Ibbenbürener Bergwerke befand sich in den 1930er-Jahren noch im Gebäude der ehemaligen Preußischen Berginspektion an der Alten Münsterstraße, am Standort des heutigen Rathauses. Im Juni 1939 wurde das neue Gebäude auf dem Schafberg an der Osnabrücker Straße bezogen.

Neben den Bergmannskitteln sah man auch Parteiuniformen im Umzug beim Bergfest 1936

Neben den Bergmannskitteln sah man auch Parteiuniformen im Umzug beim Bergfest 1936

In der Lohnhalle des 1933 am Oeynhausenschacht (Tor 1) errichteten Bürogebäudes befand sich ....eine Adolf-Hitler-Büste der Kunstgießerei Gleiwitz in doppelter Lebensgröße.“

Den Propaganda-Interessen der NSDAP kam das Ibbenbürener Bergwerk nicht zuletzt deshalb entgegen, weil es gut aufgestellt war für eine schwunghafte Entwicklung. So beschreibt Röhrs, dass bereits Ende der 1920er-Jahre auf der von Oeynhausen-Schachtanlage eine neue Aufbereitung und eine Brikettfabrik sowie die Zechenbahn in Betrieb genommen wurden und 1932 der neue Förderschacht von Oeynhausen III.

Tiefere Kohlevorräte für die künftige Gewinnung wurden mit der dritten Hauptfördersohle aufgeschlossen und auch auf dem Westfeld wurden die Schächte modernisiert und 1926 eine Kohlenwäsche in Püsselbüren errichtet.

„Aufgrund dieser Sachlage bestanden für den Zeitraum des ‚Dritten Reiches‘ (1933 bis 1945) von Anfang an die besten Voraussetzungen für eine enorme Steigerung der Kohlenförderung und der Belegschaft.

Kumpel gratulieren dem Erfinder des Kohlehobels Konrad Grebe.

Kumpel gratulieren dem Erfinder des Kohlehobels Konrad Grebe. Foto: Repro: Hans Röhrs

Damit nahm der Ibbenbürener Bergbau eine ganz andere Entwicklung als der Ruhrbergbau, wo zur gleichen Zeit die Produktion und die Belegschaft nahezu stagnierten“, so Röhrs. Unmittelbar nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde das Werk als kriegswichtiger Betrieb eingestuft und eine Erhöhung der Produktion gefordert und auch erreicht (max. 1944 = 1 069 237 t).“ Ab Kriegsbeginn wurden immer mehr (insgesamt 1081) Bergleute zum Militär eingezogen, 271 sind gefallen. Zunehmend wurden Fremdarbeiter eingesetzt, vor allem sowjetische Kriegsgefangene. „Ende 1944 waren 4054 Personen auf den Ibbenbürener Bergwerken beschäftigt mit einem Anteil an Zwangsarbeitern von 41 Prozent, davon 1341 sowjetische Kriegsgefangene, die in Lagern auf dem Zechengelände untergebracht waren.“

Von Kriegsschäden durch Luftangriffe wurden die Werksanlagen weitgehend verschont. Ein Meilenstein zur Mechanisierung der Kohlengewinnung wurde in Ibbenbüren 1942 erreicht, als Konrad Grebe den Kohlenhobel erfand.

Nachdem die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 die Macht übernommen hatten, wirkte sich das schnell auch auf das Bergwerk Ibbenbüren aus, denn die neuen Machthaber nahmen früh Einfluss auf die Führung im Konzern.

„Bereits im März 1933 wurden die bisherigen Gewerkschaften zerschlagen und der NSDAP ergebene Parteimitglieder stellten nun den Arbeiterrat. Als quasi Einheitsgewerkschaft trat die Deutsche Arbeitsfront (DAF) mit ihren zahlreichen Gliederungen hervor.

Jungbergleute waren besonders der NS-Ideologie ausgesetzt und wurden schließlich nur dann eingestellt, wenn die Mitgliedschaft in der Hitlerjugend nachgewiesen werden konnte.

Jungbergleute waren besonders der NS-Ideologie ausgesetzt und wurden schließlich nur dann eingestellt, wenn die Mitgliedschaft in der Hitlerjugend nachgewiesen werden konnte.

Jungbergleute waren besonders der NS-Ideologie ausgesetzt und wurden schließlich nur dann eingestellt, wenn die Mitgliedschaft in der HJ nachgewiesen werden konnte. Eine eigene Werkschar und eine Sport- und Turnabteilung der HJ sollten die Zusammengehörigkeit fördern. Gekonnte Inszenierungen bei Feiern, Trauerfeiern, Betriebsappellen, beim Besuch von Parteigrößen ...sollten beeindrucken und das NS-System glorifizieren.“

Zum Beispiel stand der Besuch von Robert Ley (Reichsorganisationsleiter der NSDAP und Leiter des Einheitsverbands Deutsche Arbeitsfront) auf den Ibbenbürener Steinkohlenbergwerken 1942 offenbar im Zusammenhang mit der Erfindung des Kohlenhobels. 1943 ernannte Ley den Erfinder des Kohlehobels, Konrad Grebe, zum „Pionier der Arbeit“.

1942 besuchte Robert Ley, Reichsorganisationsleiter der NSDAP und Leiter der DAF, die Ibbenbürener Steinkohlenbergwerke

1942 besuchte Robert Ley, Reichsorganisationsleiter der NSDAP und Leiter der DAF, die Ibbenbürener Steinkohlenbergwerke

„Jede Tonne Kohle ist ein Baustein zum Sieg“ heißt es in einem Schreiben, das in der Ausstellung zu sehen ist. Darin wenden sich Robert Ley und Paul Pleiger, Vorsitzender der Reichsvereinigung Kohle, an die „Männer des Bergbaus“.

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