Rebecca Stratmann ist für die Flüchtlingsbetreuung zuständig
Für einen respektvollen Umgang

Westerkappeln -

Rebecca Stratmann wirkt wie geschaffen für den Job: Die 38-Jährige zweifache Mutter ist schon seit 23 Jahren ehrenamtlich im Asylbereich tätig. Die diplomierte Sozialpädagogin hat vorher unter anderem in Erstregistrierungsstelle für Flüchtlinge am Flughafen Münster/Osnabrück gearbeitet.

Montag, 22.02.2016, 16:02 Uhr

Jede Menge zu tun und den Schreibtisch voller Arbeit hat Rebecca Stratmann. Die neue Kollegin im Rathaus ist für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig.
Jede Menge zu tun und den Schreibtisch voller Arbeit hat Rebecca Stratmann. Die neue Kollegin im Rathaus ist für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig. Foto: Karin C. Punghorst

Rebecca Stratmann ist im Westerkappelner Rathaus willkommen. Das ist offensichtlich, wenn die neue Mitarbeiterin der Kommunalverwaltung auf Kollegen und Vorgesetzte trifft. Seit Anfang des Jahres ist die diplomierte Sozialpädagogin für die Betreuung der Asylbewerber zuständig. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer stellt sie sich im Gespräch mit unserer Zeitung den Bürgern vor.

Die Stelle ist auf zwei Jahre befristet und im Fachbereich Öffentliche Sicherheit und Soziales angesiedelt.

Die 38-Jährige zweifache Mutter wirkt wie geschaffen für den Job. Schon seit 23 Jahren ist sie ehrenamtlich im Asylbereich tätig. In ihrer Geburtsstadt Hamburg hat sie sich engagiert und mit Gleichgesinnten vor Jahren einen Verein gegründet. Damals hat sie sogar einen Kursus in der Sprache Farsi absolviert. „Doch das ist mittlerweile dringend ausbaufähig“, räumt sie ein. Aber immerhin, so kann die Sozialpädagogin persisch sprechende Flüchtlinge, die in Westerkappeln ankommen, in ihrer Landessprache begrüßen. Eine Willkommens-Geste mit besonderer Bedeutung.

Stratmann ist „ein respektvoller Umgang miteinander wichtig, trotz aller Eile. Es geht auch um Menschlichkeit und Verständnis.“ Die neue Mitarbeiterin im Rathaus spricht zudem Englisch und Französisch.

Die Hanseatin hat in Münster studiert. „Andere Kulturen interessieren mich“, sagt sie über sich selbst. Unbekanntes zu entdecken, macht ihr Spaß. Nicht von ungefähr hat die lebensfroh wirkende Frau wohl auch vor ein paar Jahren sechs Monate in Südafrika gelebt.

Ein Schwerpunkt ihres Studiums lag auf der theaterpädagogischen Arbeit. Auch der Bereich Suchtprävention ist eines ihrer Steckenpferde. So absolvierte Stratmann ihr Anerkennungsjahr in einer psychiatrischen Klinik. Berufliche Erfahrungen hat Stratmann in der Jugendberatung gesammelt – auch mit jungen Menschen, die einen Migrationshintergrund haben. Sie arbeitete in der Dortmunder Nordstadt, ein Viertel in dem viele unterschiedliche Kulturen und Nationalitäten zu Hause sind.

Bevor sie nun nach Westerkappeln gekommen ist, hat Stratmann in der Erstregistrierungsstelle für Flüchtlinge am Flughafen Münster/Osnabrück gearbeitet. Das heißt, die neue Mitarbeiterin im Rathaus hat bereits einen Einblick in die Verwaltungsarbeit im Bereich der Flüchtlingsbetreuung gewinnen können.

Stratmanns Aufgabe in Westerkappeln beschreibt Verwaltungschefin Annette Große-Heitmeyer als „Schnittstelle zwischen Wabe, Arbeitskreis Asyl, Verwaltung und Flüchtlingen.“

Mit Winfried Praus, Fachbereichsleiter Ordnung und Sicherheit, teilt sich die neue Kollegin ein Büro. Stratmann stellt an sich unter anderem den Anspruch, alle Flüchtlinge in Westerkappeln kennenzulernen – immerhin nach derzeitigem Stand circa 270 Personen. Das ist schon mal durchaus eine Herausforderung. Ein wichtiges Ziel spornt sie bei ihrer Arbeit an: „Das Beste rauszuholen für die Menschen, was unter den gegebenen Umständen möglich ist.“

Regelmäßig ist sie in den Westerkappelner Flüchtlingsunterkünften zugegen. Die Menschen leben dort auf relativ engem Raum zusammen, da gibt es schon mal Konflikte, wie in einer Wohngemeinschaft, wo auch nicht immer alles reibungslos läuft. Doch das sei der Situation und dem Alltag geschuldet. „Alle sind froh, ein Dach über dem Kopf zu haben“, beschreibt Stratmann die Situation. Eine wichtige Aufgabe sei es, „die Flüchtlinge aus der Passivität zu holen. Mitunter mache sich Ungeduld breit. „Die Flüchtlinge wollen sich einbringen und etwas tun.“ In den ersten Monaten ist das aufgrund gesetzlicher Vorschriften nur bedingt erlaubt.

Angepöbelt worden sei Stratmann noch nie in den Flüchtlingsunterkünften. Im Gegenteil, „wir werden immer sehr freundlich und respektvoll behandelt“, berichtet Stratmann von ihren Besuchen, bei denen sie oftmals von einem Hausmeister begleitet wird.

Bei ihrer Arbeit kommt Stratmann zu Gute, „dass es hier schon so ein gutes Netz an Ehrenamtlichen gibt, die viel helfen. Westerkappeln ist da wirklich gut aufgestellt, das hat mich von Anfang an positiv überrascht.“

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