Emotionaler Workshop für ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer
Hilfe für Helfer

Westerkappeln -

as bedeutet es eigentlich für Menschen, in einem neuen Land Fuß zu fassen? Wie fühlen sich Flüchtlinge nach den Strapazen, die sie in den vergangenen Wochen und Monaten durchlitten haben? Um solche Fragen ging es jetzt bei einem Workshop für ehrenamtliche Helfer in Westerkappeln.

Montag, 29.02.2016, 17:02 Uhr

In lebhafter und dynamischer Erinnerung ist die Referentin Dr. Debbie Coetzee-Lachmann Teilnehmern des Seminars geblieben.
In lebhafter und dynamischer Erinnerung ist die Referentin Dr. Debbie Coetzee-Lachmann Teilnehmern des Seminars geblieben. Foto: privat

Was bedeutet es eigentlich für Menschen, in einem neuen Land Fuß zu fassen? Wie fühlen sich Flüchtlinge nach den Strapazen, die sie in den vergangenen Wochen und Monaten durchlitten haben? Um solche Fragen ging es jetzt bei einem Workshop für ehrenamtliche Helfer in Westerkappeln. Im Vordergrund stand dabei der Gedanke, Verständnis zu gewinnen.

Gut, dass es in Westerkappeln Menschen gibt, die Flüchtlingen helfen. Die Mitglieder des Vereins „Wabe Westerkappeln – Hilfe für Flüchtlinge und Zuwanderer“ und des Arbeitskreises Asyl engagieren sich ehrenamtlich. Es gibt etwa Sprachunterricht, bei Bedarf Fahrdienste und Kreativangebote, um nur wenige Beispiele der Willkommenskultur und der Hilfe zur Integration zu nennen.

„Ehrenamtliche Unterstützung für Geflüchtete – Risiken, Chance, Realitäten und Ideale“, lautete der Vortrag von Dr. Debbie Coetzee-Lachmann. 20 Frauen und Männer haben ihr zugehört, Fragen gestellt und sich während des vierstündigen Seminars im Reinhildis-Haus intensiv mit ihrer Rolle als Helfer auseinander gesetzt.

So auch Kerstin Kramme und Sigrid Mähler. Sie gehören zum Vorstand der Wabe. Unter anderem sind sie als Paten in der Flüchtlingsbetreuung aktiv. „Der Workshop war sehr spannend und emotional ansprechend“, sind die zwei Frauen immer noch ganz begeistert.

Wenn sich Menschen unterschiedlicher Kulturen begegnen, habe das für beide Seiten Folgen. „Integration ist kein einseitiger Prozess. Beide Seiten müssen sich bewegen“, lautet eine für Kramme wichtige Aussage, die sie für sich aus dem Vortrag mitgenommen hat.

Die Referentin ist in Südafrika aufgewachsen. Dort lebten die Menschen in einer Kollektivgesellschaft. Ganz anders sind die Gepflogenheiten in westlichen Individualgesellschaften – wie in Deutschland.

Deutlich werden die Unterschiede etwa im jeweiligen Stellenwert der Familie. Allein schon die Begrifflichkeit werde anders gefasst. In hiesigen Zusammenhängen ist die Kernfamilie gemeint. In den Herkunftsländern der Flüchtlinge – wie in Syrien – ist der Personenkreis, der zur Familie gehört, viel weitläufiger gefasst, inklusive Cousins und Cousinen.

Das Beispiel zeige exemplarisch die Unterschiede der beiden Gesellschaftsformen auf. Unterschiede, die zu Missverständnissen und Verständnisproblemen führen können, aber nicht zwangsläufig müssen.

„Wir haben keinen Leitfaden des Handelns bekommen“, sagt Kerstin Kramme. Standardisierte Lösungen, quasi von der Stange, gebe es nicht. Vielmehr gehe es darum, mit dem vermittelten Wissen – etwa über die kulturellen Unterschiede – Verständnis zu gewinnen für unterschiedliche Verhaltensweisen. Die Referentin gab Impulse, sich selbst zu hinterfragen, wie das jeweilige kulturelle Umfeld Denkweisen beeinflusst.

Zusammenfassend gehe es darum, die Andersartigkeit kennen und schätzen zu lernen und konstruktiv mit ihr umzugehen.

Besonders im Ohr geblieben ist Kerstin Kramme das Schlusswort der schwungvollen Referentin: „Am Ende hat man immer den Menschen vor sich. Nicht eine Kultur.“

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