Flüchtlinge unterstützen Naturschützer
Asylbewerber aktiv im Amphibienschutz

Westerkappeln -

Für die Brüder Badr und Muhannad Ahmad aus Syrien, Mojtaba Kalaf aus dem Irak und Hekma-tullh Bhrami aus Afganistan war es wohl ein ungewöhnlicher Arbeitseinsatz, als Klaus Helms und Bernd Freickmann von der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) sie am frühen Samstagmorgen in ihrer Asylunterkunft abholten. Am Sloopsteinweg sollte ein Amphibienzaun errichtet werden

Dienstag, 08.03.2016, 20:03 Uhr

Unterstützung beim Arbeitseinsatz haben die Naturschützer von ANTL und Heimatverein von vier jungen Flüchtlingen bekommen.
Unterstützung beim Arbeitseinsatz haben die Naturschützer von ANTL und Heimatverein von vier jungen Flüchtlingen bekommen. Foto: Irmgard Heicks/ANTL

Für die Brüder Badr und Muhannad Ahmad aus Syrien, Mojtaba Kalaf aus dem Irak und Hekma-tullh Bhrami aus Afganistan war es wohl ein ungewöhnlicher Arbeitseinsatz, als Klaus Helms und Bernd Freickmann von der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) sie am frühen Samstagmorgen in ihrer Asylunterkunft abholten. Am Sloopsteinweg sollte ein Amphibienzaun errichtet werden, damit Kröten und Frösche auf dem Weg zu ihrem Laichgewässer nicht den Straßentod erleiden müssen.

Was bewegt Asylbewerber, die eine gefährliche Flucht hinter sich haben, dazu, sich im Naturschutz einzubringen ? Es sei ein deutliches Signal und ein erster Schritt, sich zu integrieren, schreibt die ANTL in einer Mitteilung. Die ersten Deutschkenntnisse und ein wenig Englisch hätten bei der Verständigung geholfen. ANTL und Heimatverein Westerkappeln, die diese Aktion geplant hatten, waren nach eigenen Angaben dankbar auch für diese Hilfe. Das Zaunmaterial sei gestiftet worden von Christina Windmöller, dem Heimatverein Westerkappeln und der Gemeinde Westerkappeln. So konnte der Arbeitseinsatz gut organisiert starten.

Stiefel in Schuhgröße 45 waren zwar reichlich groß für Badr, aber das kümmerte ihn nicht. Seine Aufgabe beim Zaunbau war es, zusammen mit Motjaba den Zaun an den Metallstangen zu befestigen. Das Zaungewebe muss unten am Erdboden leicht eingegraben werden, damit Kröten, Frösche, Molche und Salamander gezwungen sind, am Zaun entlang zu wandern, bis sie in den nächsten eingegrabenen Eimer plumpsen.

Dort gefangen müssen sich die Amphibien gedulden bis am frühen Morgen des nächsten Tages die Eimerkontrolle erfolgt. Der „Fang“ der Nacht wird dann bestimmt und gezählt und in Nähe des Laichgewässers wieder ausgesetzt. So erfolgt die Straßenquerung ohne Risiko für die Kröten, die zahlenmäßig den überwiegenden Anteil ausmachen.

Mojtaba Kalaf (links) und Badr Ahmad halfen beim Bestigen des Krötenzaunes.

Mojtaba Kalaf (links) und Badr Ahmad halfen beim Bestigen des Krötenzaunes. Foto: Irmgard Heicks/ANTL

In den vergangenen Jahren konnten bei diesen Schutzmaßnahmen auch Vorkommen von Bergmolch, Teichmolch, Kammmolch, Grasfrosch und Teichfrosch festgestellt werden, berichtet die ANTL. Immer wieder hofft man selten gewordene Arten wie die Knoblauchskröte oder den Feuersalamander wiederentdecken zu können.

Nach erfolgter Eiablage im Laichgewässer wandern die erwachsenen Tiere wieder in die Umgebung. Dann droht ihnen beim Überqueren der Straßen ein weiteres Mal der Straßentod, wäre da nicht wieder der Zaun und der helfende Mensch, der Kröte und Frosch sicher über die Straße bringt.

Die Jungtiere der Kröten verlassen das Laichgewässer nach einem Zwischenstadium als Kaulquappe im Frühsommer und werden später in das Laichgewässer zurückkehren, in dem sie aus dem Ei geschlüpft sind.

Nicht nur am Präriesee erfolgt in den nächsten Wochen die Amphibienwanderung. Die Naturschützer bitten Autofahrer, durch ihre Fahrweise in der Nähe von Gewässern Rücksicht zu nehmen auf Kröte und Co. Besonders kritische Bereiche sollten gemieden oder umfahren werden.

Die biologischen Zusammenhänge und die Lebensweise der heimischen Amphibien konnten Badr, Muhannad, Mojtaba und Hekmatullh vermutlich nicht näher gebracht werden, wohl aber das Besondere einer gemeinschaftlichen Aktion. ANTL und Heimatverein sind sich laut Mitteilung sicher, bei anderer Gelegenheit ebenfalls Unterstützung von ihnen zu bekommen.

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