Vier Kommunen kooperieren beim schnellen Internet
Mit Glasfaser in die Zukunft

Westerkappeln/Lotte/Mettingen/Recke -

Die Gemeinden Westerkappeln, Lotte, Mettingen und Recke wollen beim Thema schnelles Internet gemeinsam einen großen Sprung nach vorne machen und für Tempo auf der Datenautobahn sorgen. Die Deutsche Glasfaser (DG) soll dafür in allen vier Kommunen neue Leitungen verlegen.

Mittwoch, 16.03.2016, 17:03 Uhr

Vor der Unterschrift unter die Gestattungsverträge mit der Deutschen Glasfaser wurden am Mittwoch im Mettinger Rathaus noch letzte Details geprüft. Der Lotter Bürgermeister Rainer Lammers (links) unterzeichnete vorbehaltlich der Zustimmung seines Rates am Donnerstag. Die Kollegen (von links) Annette Große-Heitmeyer (Westerkappeln), Christina Rählmann (Mettingen) und Eckhard Kellermeier (Recke) haben die entsprechenden Ratsbeschlüsse schon in der Tasche. Mit am Tisch (von links): Guido Brebaum, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises, Gerda Johanna Meppeling, Unternehmenssprecherin der Deutschen Glasfaser (DG) und DG-Projektmanager Mirko Tanjsek.
Vor der Unterschrift unter die Gestattungsverträge mit der Deutschen Glasfaser wurden am Mittwoch im Mettinger Rathaus noch letzte Details geprüft. Der Lotter Bürgermeister Rainer Lammers (links) unterzeichnete vorbehaltlich der Zustimmung seines Rates am Donnerstag. Die Kollegen (von links) Annette Große-Heitmeyer (Westerkappeln), Christina Rählmann (Mettingen) und Eckhard Kellermeier (Recke) haben die entsprechenden Ratsbeschlüsse schon in der Tasche. Mit am Tisch (von links): Guido Brebaum, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises, Gerda Johanna Meppeling, Unternehmenssprecherin der Deutschen Glasfaser (DG) und DG-Projektmanager Mirko Tanjsek. Foto: Frank Klausmeyer

Im Sommer 2014 hat die Bundesregierung ihre sogenannte Digitale Agenda verabschiedet. Ziel ist es, bis 2018 allen Haushalten einen Internetanschluss mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 Megabit pro Sekunde­ (M­Bit/s) zu ermöglichen. Davon sind die meisten ländlichen Gemeinden weit entfernt. Doch jetzt wollen Westerkappeln, Lotte, Mettingen und Recke gemeinsam einen großen Sprung nach vorne machen und für noch mehr Tempo auf der Datenautobahn sorgen. Die Deutsche Glasfaser ( DG ) soll dafür in allen vier Kommunen neue Leitungen verlegen.

Am Mittwoch haben Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer und ihre Kollegen Rainer Lammers (Lotte), Christina Rählmann (Mettingen) und Eckhard Kellermeier (Recke) die Verträge unterschrieben. „Wir machen uns gemeinsam auf den Weg in die Zukunft“, erklärt Rählmann.

Vorausgegangen waren monatelange Verhandlungen unter Mitwirkung der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt (WESt). „Das ist ein Meilenstein fürs Tecklenburger Land“, meint WESt-Geschäftsführer Guido Brebaum.

Die vier Gemeinden haben auch mit anderen Anbietern verhandelt. Dass letztlich der Deutschen Glasfaser der „rote Teppich ausgerollt wird“, wie Brebaum es nennt, hat vor allem technische Gründe. Für Experten sei Glasfaser das Beste und Zukunftsträchtigste, was es zurzeit gebe.

Eine Rolle für die Zusammenarbeit mit der DG dürfte auch die finanzielle Seite gespielt haben. Denn die Gemeinden müssen nach eigener Darstellung keinen Cent Steuergeld dazubezahlen. Das Unternehmen will stattdessen selbst 17,5 Millionen Euro in die digitale Infrastruktur investieren.

Klingt alles fantastisch, es gibt allerdings einen Haken. Es müssen genügend Leute unterschreiben. Die Deutsche Glasfaser macht in jeder der vier Kommunen beziehungsweise deren Ortsteilen eine Anschlussquote von mindestens 40 Prozent der Haushalte zur Voraussetzung. Sind es weniger, passiert wohl nichts. Schließlich müssen sich die Investitionen für das Unternehmen rechnen.

Mitte April will die DG in den vier Gemeinden eine sogenannte Nachfragebündelung starten. Bis spätestens Mitte Juli soll das Soll erfüllt sein. „Unser Ziel sind natürlich 100 Prozent“, sagt Projektmanager Mirko Tanjsek ganz unbescheiden.

In dem Aktionszeitraum lockt die Deutsche Glasfaser mit Sonderkonditionen. Der Anschluss bis in die Wohnstuben werde kostenlos verlegt, versichert Tanjsek. Die Grundgebühr für Internet und Telefon soll 34,95 Euro betragen. Das ist mehr als einige Wettbewerber verlangen, aber dafür bietet die DG eine Geschwindigkeit von 100­­ MBit/s in beide Richtungen, also für Up- und Downloads.

Das Unternehmen betritt im Tecklenburger Land kein Neuland. In Hopsten soll demnächst der Netzausbau starten. Dort verlief die Nachfragebündelung zwar zunächst eher schleppend, am Ende konnte die DG aber eine Anschlussquote von 53 Prozent vermelden.

Deutsche Glasfaser

Die im Jahr 2011 gegründete Unternehmensgruppe Deutsche Glasfaser (DG) ist nach eigenen Angaben spezialisiert auf den Glasfaserausbau mittels FTTH (Fibre To The Home) und widmet sich der Breitbandversorgung in ländlich gelegenen Wohn- und Gewerbegebieten. Ihren Ursprung hat die DG in einer niederländischen Investmentgesellschaft.Im Kreis Steinfurt baut die DG bereits in Wettringen, Metelen, Horstmar und demnächst in Hopsten das Glasfasernetz aus.Das Unternehmen ist in Deutschland zurzeit in vier Bundesländern aktiv. der Schwerpunkt liege in Nordrhein-Westfalen. Für die aktuelle Ausbauplanung – es gehe um eine Million Haushalte – stehen nach DG-Darstellung rund 1,5 Milliarden Euro Kapital zur Verfügung.

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Für Bürgermeisterin Große-Heitmeyer ist wichtig, dass nicht nur die Westerkappelner Ortslage in den Genuss des High-Speed-Internets kommen kann, sondern die DG auch Leitungen in Velpe und in Handarpe verlegen will, so sich denn genügend Anschlusswillige finden. Auch die Unternehmen im Industriegebiet Velpe und im Gartenkamp werden befragt. Dort müsse es aber eine Anschlussquote von mindestens 50 Prozent geben, sagt Große-Heitmeyer.

In der Gemeinde Lotte will die DG ihre Werbewochen ebenso in allen vier Ortsteilen starten wie in der Gemeinde Recke. Nur in Mettingen beschränkt sich die Nachfragebündelung zunächst auf die Ortsmitte und die südlichen Wohngebiete. Dies hängt laut Bürgermeisterin Christina Rählmann damit zusammen, das der Norden und Schlickelde just durch die Vectoring-Technologien (VDSL) so aufgerüstet worden sind, dass die schon vorhandenen Kupferkabel deutlich größere Datenmengen transportieren können. Zu einem späteren Zeitpunkt könne dort aber gegebenenfalls auch die Glasfasertechnik ins Haus kommen.

In Mettingen und Westerkappeln will die DG in Kürze eigene Büros für die Akquise eröffnen, Lotte und Recke sollen vielleicht folgen. Auch soll es in allen Gemeinden Bürgerinformationsveranstaltungen geben.

Mirko Tanjsek rät allen Bürgern, nicht zu lange mit einer Unterschrift zu zögern. „Wenn alle erst einmal nur abwarten, was passiert, dann wird es am Ende nichts.“ Außerdem: Wer sich erst später für eine Installation des Glasfaserkabels entscheide, müsse mit mehreren hundert Euro Anschlusskosten und höheren Monatsgebühren rechnen, gibt der Projektmanager zu bedenken. „Unser Aufwand wird dann ja auch größer.“

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