Schnelles Internet in Westerkappeln und Lotte
Die Konkurrenz schläft nicht

Westerkappeln/Lotte -

Wenn bis zum Stichtag 11. Juli mindestens 40 Prozent der in Westerkappeln infrage kommenden Haushalte verbindlich unterschreiben, will die Deutsche Glasfaser kostenlos Kabel verlegen. Klingt verlockend. Doch schnelles Internet ist kein Alleinstellungsmerkmal der DG. Die Konkurrenz schläft nicht. Was die Wettbewerber bieten, haben sich die WN einmal genauer angeschaut.

Freitag, 20.05.2016, 16:05 Uhr

Wer bietet was zu welchem Preis? Wir haben die Basispakete einiger großer Anbieter gegenübergestellt. Unterschiede gibt es sowohl bei den Leistungen als auch bei den Kosten.
Wer bietet was zu welchem Preis? Wir haben die Basis-Pakete einiger großer Anbieter gegenübergestellt. Unterschiede gibt es sowohl bei den Leistungen als auch bei den Kosten.

Im Internet sind für die Nutzer immer höhere Geschwindigkeiten möglich. Die von der Deutschen Glasfaser versprochenen 100 Megabits pro Sekunde (Mbit/s) im Download und im Upload sind schon ein Wort. Highspeed kann aber auch die Konkurrenz, wenngleich Glasfaser beim Hochladen von Daten schon die Nase vorne hat. Die Frage, wie viel Breitband notwendig ist, muss jeder Verbraucher für sich entscheiden. Dabei wird sicher auch auf den Preis geschaut.

Die Deutsche Glasfaser at an der Vidumstraße ein Servicebüro eingerichtet, um potenzielle Kunden von einem Anschluss zu überzeugen. Foto: Frank Klausmeyer

Glasfaser ist jedenfalls nichts Neues in der Gemeinde Westerkappeln . Der Energieversorger RWE sorgt seit 2013 für Highspeed-Internet, allerdings nur in Metten, Obermetten sowie am Hollenbergs Hügel. Zunächst hat ausschließlich die Filiago GmbH & Co. KG Internet & Telefonie über dieses Netz angeboten. Vor zwei Jahren kamen Hugo Internet und RWE mit eigenen Diensten als Anbieter hinzu. RWE hat in den genannten Ortsteilen fünf Kabelverzweiger in Westerkappeln erschlossen. Damit hätten rund 470 Haushalte die Möglichkeit, sich auf diesem Wege an das schnelle Internet anschließen zu lassen.

Angesichts dieses Engagements wundert es schon ein wenig, dass RWE den Aktionsradius nicht erweitert und warum das Unternehmen für eine Rahmenvereinbarung, wie sie die DG mit Westerkappeln, Lotte , Mettingen und Recke getroffen hat, anscheinend nicht in Frage kam. „Eine Ausschreibung dazu ist uns nicht bekannt“, sagt Sebastian Ackermann, Leiter der Unternehmenskommunikation von RWE International SE.

Mit dem eigenen Dienst „RWE Highspeed“ bietet das Unternehmen nach eigenen Angaben aktuell 300 Megabits pro Sekunde (Mbit/s) im Download bei Internetverbindungen mit „Glasfaser bis ins Haus“ an. Bis zu 100 MBit/s seien im Download bei Glasfaserverbindungen bis zum Kabelverzweiger möglich. Der Upload erfolge mit 40 Mbit/s. Bei den in Westerkappeln verfügbaren Produkten ist allerdings bei 50 Mbit/s im Download und 10 Mbit/s im Upload Schluss.

Auch Unitymedia rüstet auf. Der Kabelnetzbetreiber kann in Westerkappeln knapp 1800 Haushalte erreichen, in Lotte seien es derzeit sogar 4380, berichtet Pressesprecherin Eva-Maria Ritter . Wie viele davon bereits einen Kabelanschluss nutzen, ist Geschäftsgeheimnis. 2010 hatte Unitymedia damit begonnen, sein Netz mit dem Breitbandstandard EuroDocsis-3.0 auszustatten. „Wir haben das alte Kabel rückkanalfähig gemacht für Highspeed-Internet und Telefonie“, erläutert Eva-Maria Ritter.

„Unser Kabelnetz ist sehr leistungsfähig“, betont sie. Schon jetzt biete Unitymedia Datenübertragungsraten bis zu 400 Mbit/s an. Allerdings, das räumt Ritter ein, sind bei den Uploads derzeit keine Geschwindigkeiten wie bei der Glasfaser möglich. Das Hochladen von Fotos oder Videos ins Internet dauert länger. Für das Basispaket „2play Comfort“ (Telefonie und Internet) wirbt Unitymedia mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Mbit/s im Download und 6 Mbit/s im Upload. Es seien bei anderen Tarifen aber auch Uploads mit bis zu 40 Mbit/s möglich. „In der Regel kriegt der Kunde auch die Bandbreiten, die beworben werden“, sagt die Sprecherin von Unitymedia.

Kampflos will das Unternehmen der DG das Feld jedenfalls nicht überlassen. Für den Kreis Steinfurt habe Unitymedia eine Netzausbauinitiative gestartet, berichtet die Unternehmenssprecherin. „Liegt ein Kabel in der Straße, bieten wir den Kunden einen kostenlosen Hausanschluss an.“ Normalerweise stelle Unitymedia dafür rund 1500 Euro in Rechnung. „Für eine Gemeinde ist es immer gut, wenn sie mehrere Infrastrukturen hat, damit der Bürger wählen kann“, meint Ritter.

EWE TEL baut auf Vectoring

Die Zusatztechnologie Vectoring nutze ab dem mit Glasfaser erschlossenen Kabelverzweiger das vorhandene Kupferkabel, das zu den einzelnen Hausanschlüssen führt. An einem Kabelverzweiger könne aufgrund der technischen Gegebenheiten immer nur ein Telekommunikationsunternehmen Vectoring einsetzen und VDSL anbieten, erläutert Mathias Radowski, Sprecher der EWE TEL GmbH in Oldenburg.Daher werde der Vectoring-Ausbau über eine Vectoring-Liste organisiert, die von der Telekom Deutschland GmbH im Auftrag der Bundesnetzagentur geführt werde. In dieser Liste seien sämtliche geplanten und bestehenden Kabelverzweiger enthalten, die bereits mit Vectoring-Technik ausgerüstet sind oder deren Ertüchtigung mit Vectoring innerhalb der nächsten zwölf Monate geplant ist.Für alle Kabelverzweiger, die zugunsten eines Anbieters in der Vectoring-Liste eingetragen sind, gelte ein exklusives Nutzungsrecht, so Radowski. Das heiße: Die Kabelverzweiger dürften nicht mehr durch einen anderen Anbieter mit VDSL ausgebaut werden. Und es gebe eine exklusive Nutzungspflicht. Das bedeute, dass der eingetragene Kabelverzweiger erschlossen werden muss. Alle 45 Kabelverzweiger in Westerkappeln, Lotte, Mettingen und Recke seien von EWE in die Vectoring-Liste eingetragen und würden daher auch bis Jahresende ohne weitere Voraussetzungen erschlossen.

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Und an dieser Stelle kommt ein weiterer Player ins Spiel. In Westerkappeln und Lotte will die EWE TEL GmbH (Oldenburg) mit der regionalen Marke Osnatel in diesem Jahr das Angebot schneller Internetverbindungen in Kooperation mit dem Infrastrukturanbieter RWE Fibrenet stark ausbauen. „Auch in Recke und Mettingen finden in diesem Jahr Ausbaumaßnahmen statt“, erläutert EWE-Sprecher Mathias Radowski. Bis Jahresende würden in den vier Gemeinden 45 sogenannte Kabelverzweiger mit Glasfaser erschlossen sein und durch den Einsatz der Zusatztechnologie Vectoring für tausende Haushalte Übertragungsraten von 100 Megabit pro Sekunde im Download und 40 Megabit pro Sekunde im Upload zur Verfügung stehen.

„In Lotte, Recke und Mettingen sind schon einige Kabelverzweiger erschlossen worden und Vectoring-Anschlüsse bei EWE verfügbar“, sagt Radowski.

Kabelverzweiger seien die Knotenpunkte, in denen die Kupfer-Hausanschlussleitungen der einzelnen Kunden gebündelt werden. So seien durch den Einsatz der Vectoring-Technologie in den neuen Ausbaugebieten Datenübertragungsraten – je nach Qualität und Länge der Kupfer-Hausanschlussleitung – in Höhe von bis zu 100 Megabit in der Sekunde beim Herunterladen und 40 Mbit/s beim Heraufladen von Daten möglich.

Wer bietet was zu welchem Preis ? Wir haben die Basis-Pakete einiger großer Anbieter gegenübergestellt. Unterschiede gibt es sowohl bei den Leistungen als auch bei den Kosten

Wer bietet was zu welchem Preis ? Wir haben die Basis-Pakete einiger großer Anbieter gegenübergestellt. Unterschiede gibt es sowohl bei den Leistungen als auch bei den Kosten Foto: Grafik: Jürgen Christ

Deutschlands größter Telekommunikationsanbieter, die Telekom, wirbt ebenfalls mit schnellem Internet. Die Angebotsabfrage beantwortet die Presseabteilung allerdings lediglich mit einem Link auf Tarife und Leistungsmerkmale für Internet und Fernsehen. Die telefonische Bestell-Hotline bietet uns den „MagentaZuhauseM“-Tarif an. Der verspricht eine Flat zum Telefonieren und Surfen mit bis zu 50 MBit/s im Download und bis zu 10 MBit/s im Upload. Fernsehen kann dazu gebucht werden.

Überdies verkauft die Telekom das Produkt „MagentaZuhause Hybrid“. Dadurch lasse sich für Anschlüsse mit bisher kleinen Bandbreiten im Festnetz dank der Mobilfunktechnik LTE ein erheblicher Geschwindigkeitsschub erreichen, wirbt das Unternehmen.

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