Nachfragebündelung Glasfaser: Erst sieben Prozent in Westerkappeln
Die Uhr läuft runter

Westerkappeln -

Mittwochmorgen. Nur noch 18 Tage, 22 Stunden, 52 Minuten und 6 Sekunden sind es bis zum Ende der Nachfragebündelung der Deutschen Glasfaser (DG) für den Ausbau des Breitbandnetzes in Westerkappeln. Die Uhr läuft runter und dem Unternehmen möglicherweise die Zeit davon. Denn das Interesse ist gemessen an der Zahl der unterschriebenen Verträge allem Anschein nach eher gering.

Mittwoch, 22.06.2016, 16:06 Uhr

In zweieinhalb Wochen läuft die Nachfragebündelung der Deutschen Glasfaser ab. Die anvisierte Mindestanschlussquote von 40 Prozent ist noch weit entfernt.
In zweieinhalb Wochen läuft die Nachfragebündelung der Deutschen Glasfaser ab. Die anvisierte Mindestanschlussquote von 40 Prozent ist noch weit entfernt. Foto: Colourbox/Montage/Jürgen Christ

40 Prozent oder 1040 von 2600 in Frage kommenden Haushalten müssen bis zum 11. Juli für einen Anschluss unterschreiben. Sonst stellt die DG ihre Bemühungen nach eigenem Bekunden ein. Bis zum 22. Juni haben aber erst rund 180 Bürger (7 Prozent) unterschrieben. Wenn in den kommenden drei Wochen die Nachfrage nicht sprunghaft steigt, könnte die Gemeinde Westerkappeln eine „einmalige Chance“, wie Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer die DG-Pläne gebetsmühlenartig bezeichnet, verpassen. „Dann müssen wir neu denken und sehen, wie wir uns für die Zukunft aufstellen“, sagt die Verwaltungschefin.

In den Nachbargemeinden, in denen derzeit ebenfalls die Nachfrage gebündelt wird, läuft es für die DG bei der Akquise etwas besser. In Lotte und Recke lag die Anschlussquote am Mittwoch nach Unternehmensangaben bei immerhin 12 Prozent, in Mettingen sind es sogar 14. Bis zum erklärten Mindestziel ist es aber auch dort noch ein weiter Weg. Auf Nachfragen der WN zur Einschätzung dieser Zahlen reagierte die DG am Mittwoch nicht.

Glasfaser ist die Zukunftstechnologie. Ich hoffe, dass die Bürger einen Vertrag abschließen“, sagt Große-Heitmeyer, die bei der bislang vor allem in Westerkappeln schwachen Nachfrage offenbar die Felle für die Gemeinde davonschwimmen sieht. „Westerkappeln braucht das Netz ! Westerkappeln braucht Glasfaser !“, appelliert die Bürgermeisterin beinah flehend in einem „Brandbrief“, der am Dienstag zur Veröffentlichung an die örtlichen Medien herausgegangen ist.

Dieser vehemente Einsatz wirft für manchen allerdings die Frage auf, wie weit eine Verwaltungschefin sich für ein einzelnes Unternehmen aus dem Fenster hängen darf. Schließlich gibt es Wettbewerber am Markt, die ebenfalls mit schnellem Internet – wenn auch anderer Technik – ihr Geld verdienen. In einem Werbeprospekt der DG lässt Große-Heitmeyer die Mitbürger wissen, „dass ein Glasfaseranschluss unabkömmlich ist, um sich für die Zukunft zu positionieren.“

Bleibt Gartenmoorweg außen vor ?

Bei einem kostenlosen Anschluss ans Glasfasernetz schauen die künftigen Bewohner des Baugebietes am Gartenmoorweg möglicherweise in die Röhre. Denn die Kaufverträge für die Grundstücke – im ersten Bauabschnitt sind es derer 44 – sind noch nicht notariell besiegelt. Deshalb können die Häuslebauer eigentlich keinen Anschlussvertrag mit der Deutschen Glasfaser (DG) abschließen. Nach Fristablauf für die Nachfragebündelung am 11. Juli soll ein Anschluss 750 Euro kosten.Die Telekommunikationsleitungen in dem Baugebiet werden nach Angaben von Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer durch die Deutsche Telekom gelegt. Das Unternehmen habe der Gemeinde vor geraumer Zeit angeboten, Glasfaser in der Gemeinde zu verlegen. Diese habe aber entsprechende Gestattungsverträge mit der DG geschlossen. „Wir müssen sehen, ob wir mit denen über das Baugebiet Gartenmoorweg noch einmal ins Gespräch kommen, sagt die Verwaltungschefin.

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„Ich habe persönlich nichts davon und bekomme auch keine Provision“, verteidigt die Bürgermeisterin ihr Engagement. Ihr gehe es um die Technik und diese sei zurzeit konkurrenzlos. Auch ihre Kollegen in den Nachbargemeinden unterstützten die Nachfragebündelung auf diese Weise. Die mit der DG abgeschlossenen Gestattungsverträge für den Ausbau des Glasfasernetzes seien außerdem auf ihre rechtliche Zulässigkeit geprüft worden.

Über einen Glasfaserausbau sei natürlich auch mit den eigenen Stadtwerken Tecklenburger Land gesprochen worden, sagt Große-Heitmeyer. Für das erst vor zwei Jahren gegründete kommunale Unternehmen sei das Thema aber zu früh gekommen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stelle der Breitbandausbau für die Stadtwerke TE ein zu großes Investitionsrisiko dar, gibt die Bürgermeisterin zu bedenken. Auch deshalb habe man sich für eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Glasfaser entschlossen. Dass diese ihr Netz, so es denn zum Ausbau kommt, zu einem späteren Zeitpunkt gewinnbringend an die Kommunen verkaufen möchte, will Große-Heitmeyer dabei nicht ausschließen.

Zum Thema

Am Mittwoch, 6. Juli, laden die Deutsche Glasfaser und die Gemeinde Westerkappeln um 19 Uhr alle Interessierten zu einem weiteren Informationsabend ins „Alten Gasthaus Schröer“ ein.

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