Unwetter tobt über Westerkappeln: Blitzeinschlag verursacht Scheunenbrand
Feuerwehr pausenlos in Aktion

Westerkappeln -

Werner Ramatschi ist jetzt 44 Jahre lang bei der Freiwilligen Feuerwehr. „Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt der stellvertretende Leiter. Über 180 Einsatzstellen haben die Westerkappelner Blauröcke von Donnerstagabend bis Freitagmorgen angefahren. In Seeste hatte ein Blitz einen Großbrand entfacht.

Freitag, 24.06.2016, 16:06 Uhr

Mit allen Kräften rückte die Freiwillige Feuerwehr am Freitagmorgen zu einem Scheunenbrand nach Seeste aus. Die Feuerwehr Achmer unterstützte die Löscharbeiten.
Mit allen Kräften rückte die Freiwillige Feuerwehr am Freitagmorgen zu einem Scheunenbrand nach Seeste aus. Die Feuerwehr Achmer unterstützte die Löscharbeiten. Foto: Heinrich Weßling (1)/Astrid Springer (1)/Frank Klausmeyer (3)

Werner Ramatschi ist jetzt 44 Jahre lang bei der Freiwilligen Feuerwehr. „Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt der stellvertretende Leiter. „Nicht mal beim Schneechaos 2005 war es so schlimm“, ergänzt Gemeindebrandinspektor Ingo Bünemann . Es ist Freitag kurz nach 10 Uhr. Hinter den Westerkappelner Hilfskräften liegt eine Einsatznacht ohne Pausen.

Schon gegen 18 Uhr kündigte sich die riesige Gewitterfront mit unablässigem Grummeln an. Die ersten Blitze entluden sich, es begann immer heftiger zu regnen. Um 20.58 Uhr wurde die Wehr zu ihrem ersten Unwettereinsatz in die Haubreede gerufen. An der Sophie-Scholl-Straße stand ein Keller unter Wasser. Wieder einmal die Sophie-Scholl-Straße. Auf dem südlich angrenzenden Acker gab es für die Wasser und Schlammmassen erneut kein Halten mehr. Die Anwohner haben zwar einen provisorischen Damm aufgeschüttet, „der ist aber gebrochen“, berichtet Bünemann.

Über 180 Einsatzstellen hat die Feuerwehr in den folgenden 13 Stunden angefahren, nicht mitgezählt die Grundstücke, wo sich die Hausbesitzer aufgrund der Vielzahl der vollgelaufenen Keller selbst helfen mussten. Auch die Mitarbeiter des Bauhofes wurden in Bewegung gesetzt. Bis 3 Uhr in der Nacht bekämpften sie die Unwetterfolgen und verteilten Sandsäcke. Am Freitag befüllten sie rund weitere 1000 Säcke – vorsorglich.

Am frühen Freitagmorgen waren alle Feuerwehrkräfte in Seeste gefordert: Kurz nach 6 Uhr wurde Brandalarm ausgerufen. Auf dem Hof Hackmann stand eine Scheune in Flammen. Ein Nachbar hatte das Feuer entdeckt, das sehr wahrscheinlich durch einen Blitzeinschlag entfacht wurde. „Wir haben da sofort alle Kräfte abgezogen“, berichtete Gemeindebrandinspektor Bünemann. „Glücklicherweise waren alle unterwegs. Wenn wir noch alle in den Betten gelegen hätten, wäre das schlimmer ausgegangen“, ist Ramatschi überzeugt.

Unwetter tobt über Westerkappeln

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  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Rund 80 000 Euro sind bei einem Scheunenbrand entstanden, der wahrscheinlich durch Blitzeinschlag entfacht wurde. Foto: Heinrich Weßling
  • Der Aldi-Markt an der Heerstraße hatte gestern wieder wegen eines Wasserschadens geschlossen.

    Foto: Astrid Springer
  • Der Sturm knickte in Seeste einen Strommasten um.

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Die Bramscher Straße war teilweise überflutet.

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Auf dem Hof Mennewisch brachen beim gewitter jede Menge Äste ab.

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Die Düsterdieker Aa ist randvoll.

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Auf dem Bauhof wurden vorsorglich rund 1000 Sandsäcke befüllt.

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Derzeit optimales Refugium für Vögel der Wiesen und Sümpfe: das

    Brockbachtal komplett unter Wasser.

    Foto: Astrid Springer
  • Voll bis an den Rand: Keine Straße, sondern der randvolle Velper

    Brockbach bzw. Hischebach führt hier in Richtung Sportplatz.

    Foto: Astrid Springer
  • Seenlandschaft in Westerbeck

    Foto: Heinrich Weßling
  • Seenlandschaft in Westerbeck

    Foto: Heinrich Weßling
  • Der heftige Gewittersturm legte die Pflanzen auf den Ackern flach.

    Foto: Heinrich Weßling
  • Der heftige Gewittersturm legte die Pflanzen auf den Ackern flach.

     

    Foto: Heinrich Weßling
  • Der Jugendtreff „JoyZ“ stand auch unter Wasser. Das Team versuchte trotzdem, bei Laune zu bleiben.

    Foto: privat

Zur Unterstützung der Löscharbeiten an der Bramscher Straße wurde die Feuerwehr aus Achmer nachalarmiert. Der Brand hatte sich bereits auf das ganze Gebäude ausgebreitet. Durch die enorme Hitze zerplatzten die Dach- und Wandplatten wie Ballons. Mit massivem Wassereinsatz hatten die Einsatzkräfte das Feuer aber schon nach rund einer Stunde gelöscht.

Der Schaden ist jedoch beträchtlich. Die Polizei nannte eine Summe von rund 80 000 Euro. Dabei wurde nicht nur das Gebäude im Mitleidenschaft gezogen. In der auch als Werkstatt genutzten Scheune standen unter anderem zwei Traktoren und zwei Aufsitzmäher, die den Flammen zum Opfer fielen.

Nicht nur die Feuerwehr aus Achmer leistete Beistand. Zwischenzeitlich waren auch die Wehren aus Mettingen und Lotte, wo das Unwetter zunächst weniger schlimm wütete, nach Westerkappeln ausgerückt, um beim Auspumpen von Kellern zu helfen. Weil in Mettingen ein Mehrfamilienhaus durch Blitzschlag in Brand geraten war und auch in Lotte ein Kotten in Flammen stand, wurden diese Kräfte aber nachvollziehbarerweise wieder abzogen.

Kurz nach 22 Uhr wurde ein Dachstuhlbrand aus dem Ortfeld gemeldet. Dies erwies sich jedoch glücklicherweise als Fehlalarm, wenn auch nicht unbegründet. Dort hatte es einen kalten Blitzeinschlag gegeben. In dem betroffenen Haus qualmte es aus der Steckdose, etliche elektrische Geräte sind infolge eines Überspannungsschadens ausgefallen.

Und es sind offensichtlich noch viele weitere Blitze eingeschlagen. „Wir haben etliche Bäume gesehen, die beschädigt waren“, sagt Wolfgang Luthin, Zugführer der Westerkappelner Feuerwehr.

Entlang der Bramscher Straße hatte es den Anschein, als habe sich dort eine Windhose den Weg gebahnt. Überall lagen Zweige und Äste auf und neben der Fahrbahn. Leicht verwüstet sah es auf dem Hof Mennewisch aus. Dort hatte der Sturm nicht nur die Eichen in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch einige Ziegel abgedeckt. „Ins Schlafzimmer hat es sogar reingeregnet“, sagt Christel Mennewisch. Die Bäuerin denkt mit Schrecken an den Vorabend zurück. Sie war am Donnerstag mit den Landfrauen Westerkappeln/Wersen bei einer Radtour unterwegs. „Wir hatten Angst, dass wir nicht mehr heil nach Hause kommen. Es hat so heftig geregnet und überall lagen Bäume auf der Straße.“

Die Wassermassen, die vom Himmel prasselten, waren immens. Herbert Mennewisch hat gemessen. Am Donnerstag seien es innerhalb von zwei Stunden 45 Liter auf den Quadratmeter gewesen, am Freitagmorgen noch einmal 30 Liter.

An der Westerbecker Straße erwischte es eine Familie ganz schlimm. Im 130 Quadratmeter großen Keller habe das Wasser 1,60 Meter hoch gestanden, berichteten Feuerwehrleute. Das Regenrückhaltebecken in Westerbeck sei sogar übergelaufen und habe fast die Fläche des Präriesees eingenommen.

Multikappeln-Festival aus Sicherheitsgründen abgesagt

Das für den gestrigen Freitag auf dem Kirchplatz geplante Multikappeln-Festival musste abgesagt werden. „Sicherheit geht vor“, sagte Ralf Bornstedt, pädagogischer Leiter der Mediencooperative Steinfurt als Trägerin des Jugendzentrums „JoyZ“, das das Event initiiert hat.Die Enttäuschung über die Absage war auch der Leiterin des Jugendtreffs, Stella Scherder, anzusehen. Die Organisatoren wollten und dürften aber kein Risiko eingehen, bat auch sie um Verständnis.Für den Nachmittag gab es wieder eine Unwettervorhersage. „Darauf hat uns auch das Ordnungsamt hingewiesen“, betonte Bornstedt. Überdies hatten einige am Festival beteiligte Einrichtungen ihre Teilnahme aus Sicherheitsgründen abgesagt. „Die Kindergärten haben sofort angerufen“, berichtete Stella Scherder.Die Freiwillige Feuerwehr, die seit Donnerstagabend pausenlos im Unwettereinsatz war, habe das Multikappeln-Festival am Freitag verständlicherweise auch nicht mehr – wie geplant – unterstützen können.„Wir sind natürlich alle etwas traurig“, erklärte Bornstedt betrübt, um sofort wieder ein Lächeln auf den Lippen zu haben. „Das Festival wird natürlich nachgeholt.“ Der Termin ist aber noch offen. „Nach den Sommerferien werden wie alle beteiligten zusammentrommeln“, kündigte Stella Scherder an.

...

Dass die Roseninsel untergeht, befürchtete derweil der Schützenverein Ost- und Westerbeck, der am Samstagabend sein Lämpkesfest feiert. Bei der Nachschau am Morgen gab es aber Entwarnung. „Wir waren überrascht, dass so wenig passiert ist“, meint Mitglied Hans Kröplin. Bis auf ein paar ausgefallene Sicherungen und Lämpchen sowie Blattwerk und Geäst gebe es keine Schäden. „Wenn`s nicht noch schlimmer wird, können wir feiern.“

Nach Feiern war den Einsatzkräften am Freitagmorgen nicht zumute. Die Männer und Frauen kehrten nach und nach abgekämpft und erschöpft in die Gerätehäuser zurück. Einige Kameraden mussten noch zur Arbeit.

Umso mehr freut sich die Feuerwehr über Anerkennung für ihr freiwilliges Engagement. „Heute morgen kam eine Frau angefahren und hat für uns zwei Kannen Kaffee und zwei Tabletts mit belegten Brötchen vorbeigebracht“, schildert Ramatschi eine nette Begebenheit.

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