Auftaktveranstaltung zu Fortbildungsreihe für Flüchtlingshelfer
„Lassen sie die Menschen nicht allein !“

Westerkappeln/Tecklenburger Land -

„Lassen sie die Menschen nicht allein ! Hören sie zu, seien sie neugierig.“ Es sind Ratschläge wie diese, die am Dienstagabend den Besuchern der Stadtkirche bei der Auftaktveranstaltung zu einer Fortbildungsreihe für Flüchtlingshelfer gut tun, wissen sie doch, dass sie auf dem richtigen Weg sind.

Donnerstag, 07.07.2016, 18:07 Uhr

Ihr Buch „Flucht und Trauma. Wie wir traumatisierten Flüchtlingen wirksam helfen können“ signierten Dr. Gabriele Frick-Baer und Dr. Udo Baer auf Wunsch.
Ihr Buch „Flucht und Trauma. Wie wir traumatisierten Flüchtlingen wirksam helfen können“ signierten Dr. Gabriele Frick-Baer und Dr. Udo Baer auf Wunsch. Foto: Dietlind Ellerich

„Lassen sie die Menschen nicht allein ! Hören sie zu, seien sie neugierig. Das können wir alle.“ Es sind Ratschläge wie diese, die am Dienstagabend den Besuchern der Stadtkirche gut tun, wissen sie doch, dass sie auf dem richtigen Weg sind. „Das braucht Zeit und Geduld. Allein schaffen sie vieles, aber nicht alles, also werden sie laut, machen Sie den Mund auf.“ Auch diesen Tipp geben ihnen die Referenten Dr. Gabriele Frick-Baer und Dr. Udo Baer mit auf den Weg.

Ohne Ehrenamt geht es schon seit vielen Jahren nicht mehr, und insbesondere die Arbeit mit Flüchtlingen lebt vom unentgeltlichen Einsatz vieler Frauen und Männer, die die Menschen aus fernen Ländern auf dem langen Weg der Integration begleiten. Oft stoßen die freiwilligen Helfer in der Betreuung der meist schwer Traumatisierten jedoch an ihre Grenzen, wissen nicht, wie sie sich angesichts des unsagbaren Leids, das diese erlebt haben und noch erleben, verhalten sollen.

Menschen zu stärken, die sich in der Arbeit mit Geflüchteten engagieren, hat sich deshalb die Evangelische Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Tecklenburg auf die Fahne geschrieben und in Kooperation mit der Kirchengemeinde Westerkappeln und Pfarrer Reiner Ströver, dem Flüchtlingsbeauftragten des Kirchenkreises, eine Fortbildungsreihe ins Leben gerufen, die die vielen Facetten der Flüchtlingshilfe berücksichtigt.

Zur Auftaktveranstaltung „Flucht und Trauma“ begrüßten Adelheid Zühlsdorf-Maeder und Olaf Maeder am Dienstagabend nicht nur rund 60 engagierte Frauen und Männer aus dem gesamten Kirchenkreis, sondern mit Frick-Baer und Baer zwei Experten, die aus ihrem Buch „Flucht und Trauma. Wie wir traumatisierten Flüchtlingen wirksam helfen können“ lasen und von ihren Erfahrungen als Therapeuten wie als Aktive in der Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge berichteten.

80 bis 90 Prozent der Flüchtlingshilfe sei Traumabewältigung, schätzen die Experten und stellen klar, dass das Gefühl der im Krieg und auf der Flucht erlebten existenziellen Bedrohung nicht automatisch weg sei, sobald die Geflüchteten in Deutschland in Sicherheit seien. „Das Trauma bleibt, und die wirklichen Traumafolgen werden noch kommen“, ist Udo Baer überzeugt, dass die seelischen und sozialen Wunden der Menschen, deren Lebensumwelt aus den Fugen geraten sei, noch viel später aufbrechen werden.

Nicht nur diejenigen, die unmittelbar Leid erlebt und existenzielle Bedrohung gefühlt hätten, seien betroffen, sondern auch die „Zeugen“ des Geschehens, gab Boer zu bedenken.

Traumatherapie werde von den Krankenkassen bezahlt, machte er den Helfern Mut, sich über Widerstände hinwegzusetzen, bei Absagen laut zu werden, damit die Flüchtlinge eine Chance auf Behandlung bekämen.

Ohne Rückhalt und Austausch geht es für die Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit nicht, das wurde während der Auftaktveranstaltung der neuen Fortbildungsreihe einmal mehr deutlich. Die Helfer nahmen die Tipps der Experten dankbar an und manche deren Buch mit nach Hause.

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