THC Westerkappeln: „Südschweden“ beim Alb-Extrem
Totgesagte radeln schneller

Westerkappeln -

Seit 20 Jahren stellen die „Südschweden“ vom THC Westerkappeln eine der stärksten Mannschaften beim Radmarathon „Alb-Extrem“ in Schwaben. Mit dem Rückzug des Organisators Friedel Meyer schien das beendet. Doch Rang zwei bei der 33. Auflage belegte jetzt: Totgesagte radeln schneller.

Dienstag, 12.07.2016, 22:07 Uhr

Auf der Alb ist das Fahren in der „Windstaffel“ enorm wichtig, weiß Friedel Meyer, der hier an vierter Stelle rollt. Bei kräftigem Westwind sterbe man sonst den „Heldentod“. Kleines Bild:
Auf der Alb ist das Fahren in der „Windstaffel“ enorm wichtig, weiß Friedel Meyer, der hier an vierter Stelle rollt. Bei kräftigem Westwind sterbe man sonst den „Heldentod“. Foto: THC Westerkappeln

Der Grund ist recht einfach: So ganz konsequent war Friedel Meyer bei seinem Rückzug nicht. Nach einem Schlüsselbeinbruch vor zwei Jahren trat der heute 66-Jährige zwar notgedrungen kürzer und suchte – ohne Erfolg – einen Nachfolger. Aber der Faszination der 13-stündigen Rundfahrt über rund 260 Kilometer auf der idyllischen Schwäbischen Alb mit Steigungen bis zu 18 Prozent vermochte er sich nicht zu entziehen. Und so fuhr er am letzten Juni-Wochenende quasi privat nach Ottenbach .

Das zumindest war der Plan. Doch der sprach sich in der Westerkappelner Radsportszene schnell herum; und so sprang manch alter Kampfgefährte wieder auf das bewährte Mannschaftsticket. Aus dem THC direkt waren es zwar nur sieben Starter ( Robert Halfar , Stefan Hübner, Jürgen Igelbrink, Reinhard Jansson, Ralf Kaminski, Friedel Meyer, Thorsten Reichelt); aber die bilden ja traditionell nur den harten Kern. Den Namen „Südschweden“ erwarb sich die Truppe, weil sie Radsportler aus dem Großraum Osnabrück und bald aus dem gesamten norddeutschen Flachland anlockte.

So waren es immerhin wieder 43 Starter, die kurz vor Sonnenaufgang, überwiegend in blaugelbe Schweden-Trikots gekleidet, an den Start in Ottenbach rollten. Zwei Südschweden stürzten früh und mussten aufgeben. Nach 171 Kilometern entschieden elf Nordlichter, es diesmal bei der 200-Kilometer-Schleife (3300 Höhenmeter) zu belassen; dreißig wählten die Mittelstrecke über 260 Kilometer (4400 Höhenmeter), von denen sich wiederum acht Südschweden am Ende die „Traufkönig-Runde“ über insgesamt 310 Kilometer (5600 Höhenmeter) zumuteten. Darunter drei THC´ler: Reinhard Jansson aus Halen, Thorsten Reichelt aus Bissendorf und der Osnabrücker Robert Halfar.

Die THC-Traufkönige Reinhard Jansson (rechts) und Robert Halfar haben die 310 Kilometer bewältigt und tragen das offizielle Alb-Extrem-Trikot.

Die THC-Traufkönige Reinhard Jansson (rechts) und Robert Halfar haben die 310 Kilometer bewältigt und tragen das offizielle Alb-Extrem-Trikot. Foto: THC Westerkappeln

Die 39 Finisher, die rechtzeitig ins Ziel kamen, bescherten der fidelen Truppe einen Durchschnitt von 243,4 Kilometern pro Fahrer – unter 2510 Fahrern ein von keiner anderen Mannschaft erreichter Wert. Dass es am Ende dennoch nur zu Rang zwei reichte, lag daran, dass die Sieger vom TV Birenbach 13 Radler mehr ins Ziel brachten, die jedoch nur einen Schnitt von 224,4 Kilometern erreichten. Siebenmal in nunmehr 20 Jahren standen die Blaugelben ganz oben auf dem Siegerpodest.

Friedel Meyer ist zwar „stolz wie Bolle“ auf seine Südschweden, die sich trotz geringeren Organisationsaufwandes um ihn geschart hatten. Doch beim Blick auf die Schlusswertung kommt dann doch der ehrgeizige Wettkampfsportler durch: „Birenbach ist eben nur zehn Kilometer von Ottenbach weg. Da ist der Modus dann so angepasst worden, dass bei Punktgleichheit in den Kriterien ,Gesamtkilometer/Durchschnittsleistung‘ die Masse den Ausschlag gab. Die eigentliche sportliche Leistung trat damit ein wenig in den Hintergrund.“

Nichtsdestotrotz will er mit der Truppe nächstes Jahr wieder antreten: „Vielleicht wird dann ja auch einmal berücksichtigt, dass wir hier übernachten, uns verpflegen, insgesamt den Tourismus ankurbeln, während andere schon vor der Siegerehrung wieder verschwunden sind.“

Sein Trost: Jene können dann auch nicht die Kameradschaft genießen, die sich trotz schwerer Beine am Abend im Festzelt einstellt. Die ist auch Friedel Meyer im Rückblick wichtiger als die Siegerliste.

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