Fünf Jahre Bundesfreiwilligendienst
Zwei von 216 000

Westerkappeln -

Vor fünf Jahren wurde der Bundesfreiwilligendienst ins Leben gerufen. Seitdem haben sich nach Angaben des Bundesfamilienministeriums 216 000 meist junge Frauen und Männer als „Bufdis“ engagiert. Zwei von ihnen sind Nina Schneider und Laura Fischer, die im Altenpflegeheim „Haus der Diakonie“ arbeiten. Ihr Fazit fällt unterschiedlich aus.

Freitag, 15.07.2016, 17:07 Uhr

Erfahrung fürs Leben sammeln Nina Schneider und Laura Fischer (rechts) bei ihrem Bundesfreiwilligendienst im „Haus der Diakonie“. Besonders der tägliche Kontakt mit den Bewohnern – hier von links: Frieda Hörsting, Eva Westermann und Irmgard Bartel – macht ihnen Freude.
Erfahrung fürs Leben sammeln Nina Schneider und Laura Fischer (rechts) bei ihrem Bundesfreiwilligendienst im „Haus der Diakonie“. Besonders der tägliche Kontakt mit den Bewohnern – hier von links: Frieda Hörsting, Eva Westermann und Irmgard Bartel – macht ihnen Freude. Foto: Frank Klausmeyer

Mit Wirkung zum 1. Juli 2011 wurde die allgemeine Wehrpflicht für Männer in Deutschland ausgesetzt. Zeitgleich wurde der Bundesfreiwilligendienst ins Leben gerufen. Zwei von 216 000 „Bufdis“, die sich nach Angaben des Bundesfamilienministeriums in den vergangenen fünf Jahren in sozialen, ökologischen, kulturellen oder sportlichen Einrichtungen und Projekten engagiert haben, sind Nina Schneider und Laura Fischer . Seit dem vergangenen Jahr sind die beiden jungen Frauen aus Westerkappeln im „Haus der Diakonie “ im Dienst „und haben Erfahrungen fürs Leben gesammelt. Das ist für uns besonders wichtig“, betont Friedhelm Schönhoff, Leiter des Altenpflegeheimes an der Steinkampstraße.

Wie so viele Abgänger standen auch Laura Fischer (21) und Nina Schneider (19) vor der Frage, was sie nach der Schule machen sollen. Beide haben 2015 ihr Fachabitur für Gesundheit und Sozialwesen am Berufskolleg in Ibbenbüren bestanden. „Ich habe mich für Ergotherapie interessiert“, erzählt Nina. Ein Bundesfreiwilligendienst im „Haus der Diakonie“ habe sie für die persönliche Orientierung „als gute Sache“ empfunden.

Das Jahr hat ihr durchaus weitergeholfen. „Ich habe festgestellt, dass das nichts für mich ist“, sagt die 19-Jährige. In Kürze will sie eine Ausbildung zur Erzieherin beginnen.

Auch Laura hat das „Bufdi“-Jahr weitergebracht; jedoch mit anderem Ergebnis. Die junge Frau beginnt zum 1. Oktober im „Haus der Diakonie“ eine Ausbildung zur Altenpflegerin, worüber Schönhoff sich natürlich freut. „Die Bewerbungen sind in den vergangenen zehn Jahren enorm zurückgegangen.“

Nun ist es nicht so, dass Nina Schneider ein Jahr verschenkt hat. Im Gegenteil: Zu erkennen, dass ein Beruf wohl nicht zu einem passt, ist in der persönlichen Lebensplanung eine wichtige Erfahrung. „Auch im Lebenslauf macht sich das gut“, ist die 19-Jährige überzeugt.

Und gelernt hat sie in dem Jahr eine Menge, wie sie sagt, „vor allem das selbstständige Arbeiten.“ Während ihr der Einsatz anfangs in einem Wohnbereich nicht so lag, macht ihr der Soziale Dienst in der Einrichtung, für den sie seit Januar tätig ist, viel Spaß. Hier hat sie auch zwei Projekte ins Leben gerufen: Schuhe putzen mit den Bewohnern und die Pflege von Rollstühlen. „Das waren früher Jobs für die Zivildienstleistenden. Seitdem es die nicht mehr gibt, liegt so etwas ein bisschen brach“, berichtet der Leiter des Altenheims.

Auf den Bundesfreiwilligendienst kam Laura Fischer, weil aus ihrer Klasse am Berufskolleg einige Mitschüler diesen Weg gegangen seien. „Ich wollte auch nicht direkt in eine Ausbildung starten“, sagt die 21-Jährige. Die Bewerbungen für eine „Bufdi“-Stelle – im „Haus der Diakonie“ gibt es derer zwei – müssen über das Diakonische Werk laufen. „Es ist aber hilfreich, wenn man sich schon vor Ort um einen Platz bemüht hat“, hebt Schönhoff hervor.

Theoretisch können junge Leute auch ein Praktikum zur Berufsfindung absolvieren. Das werde außerhalb der Ausbildung oder eines zweiwöchigen Schülerbetriebspraktikums aber immer schwerer, gibt der Einrichtungsleiter zu bedenken. Denn nach drei Monaten werde der Mindestlohn fällig. „Dafür fehlen uns die Mittel, weil es keine anerkannten Planstellen sind.“

Die Kosten für zwei „Bufdis“ sind dagegen im Budget. 598 Euro überweist das Altenpflegeheim pro Platz und Monat ans Diakonische Werk. Daraus wird dann nicht nur das Taschengeld der Freiwilligen finanziert – etwa 380 Euro gibt es pro Monat, sondern es werden auch Verwaltungskosten und die „Außeneinsätze“ der „Bufdis“ damit beglichen.

Für Laura und Nina standen nicht nur vier Seminare auf dem Programm, sondern auch persönlichkeitsprägende Exkursionen. Während Laura eine Art Survival-Camp in Schweden erlebte, ging es für Nina nach Polen, wo sie unter anderem das frühere KZ in Auschwitz besuchte.

Für Nina endet das „Bufdi“-Jahr am 31. Juli, Laura bleibt noch zwei Wochen länger im Haus. Eine der beiden Stellen hat Schönhoff dank einer Initiativbewerbung schon besetzt. Für die zweite hofft er auf Bewerbungen, insbesondere von jungen Männern. „Als es noch Zivis gab, sind immer mal welche bei uns geblieben und haben eine Ausbildung zum Altenpfleger gemacht.“ Seit Aussetzung der Wehrpflicht und des damit verbundenen Wegfalls des Zivildienstes ist Schönhoff das nicht mehr untergekommen.

Zum Thema

Bewerber für den Bundesfreiwilligendienst im „Haus der Diakonie“ können sich gerne mit Einrichtungsleiter Friedhelm Schönhoff in Verbindung setzen, ✆ 0 54 04/96 340, E-Mail: friedrich.schoenhoff@pertheswerk.de

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Bundesfreiwilligendienst und Freiwilliges Soziales Jahr – kaum Unterschiede

Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) dauert in der Regel ein Jahr und damit genauso lange, wie ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Es sind aber auch Einsätze zwischen 6 und 24 Monaten möglich. Der einzige echte Unterschied zwischen den beiden Diensten ist, dass sie aus verschiedenen Töpfen bezahlt werden: den BFD bezuschusst der Bund, das FSJ finanzieren teils die Bundesländer. Ansonsten sind die Unterschiede gering.Sowohl das FSJ als auch den BFD können junge Leute nach Ende der Schulpflicht machen, also ab etwa 16 Jahre. Beim BFD gibt es im Gegensatz zum FSJ (bis 27 Jahre) kein Höchstalter.FSJ´ler können für sozialen Dienste eingesetzt werden, aber auch in den Bereichen Kultur, Sport und Denkmalpflege. Beim BFD sind soziale Dienste, aber auch Verwaltungs-, Hausmeister- oder Fahrdienste möglich. Bei beiden Diensten gibt es 25 Seminartage und 26 Tage Urlaub. Essen und Schlafplatz sind umsonst.Ein Freiwilliges Soziales Jahr ist auch im Ausland möglich, der Bundesfreiwilligendienst nicht.Bei beiden Diensten bekommen die Freiwilligen ungefähr 200 Euro Taschengeld, die Höhe kann je nach Einrichtung variieren. Hinzu kommt für Berechtigte das Kindergeld. FSJ´ler und „Bufdis“ sind kranken-, renten-, arbeitslosen-, unfall- und haftpflichtversichert - genau wie ein normaler Arbeitnehmer. Am Ende bekommen sie ein Zeugnis. Bei beiden Diensten ist es möglich, sich Diese für ein Vorpraktikum für die Ausbildung oder ein Studium anrechnen zu lassen. ( Quelle: Diakonie Deutschland )

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Rund um das Universitätsklinikum ist es alles andere als einfach, einen Parkplatz zu finden. Mehr als 10 000 Beschäftigte und Tausende Besucher steuern dass UKM täglich an.
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