Bürgerinitiative macht sich für Breitbandausbau auch im Außenbereich stark
Seeste will auf die Datenautobahn

Westerkappeln -

Die Bundesregierung will für alle Bürger in Deutschland bis 2018 schnelles Internet mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde möglich machen. Davon sind die Leute in Seeste Lichtjahre entfernt. Damit sich das ändert, wollen jetzt einige Bürger aus dem Norden der Gemeinde nach dem Vorbild des Radwegs an der Bramscher Straße für einen Anschluss an die Datenautobahn sorgen.

Mittwoch, 20.07.2016, 18:07 Uhr

Stehen mit Schaufel und Bagger Gewehr bei Fuß: Axel Quindt, Hajo Leyschulte, Dr. Holger Schwetter, Stefan Stiegemeyer und Dirk Priggemeyer (von links) engagieren sich für einen Breitbandausbau auch in Seeste. Wenn nötig, wollen die Bürger – wie beim Radwegebau an der Bramscher Straße – auch gern selbst mit anpacken.
Stehen mit Schaufel und Bagger Gewehr bei Fuß: Axel Quindt, Hajo Leyschulte, Dr. Holger Schwetter, Stefan Stiegemeyer und Dirk Priggemeyer (von links) engagieren sich für einen Breitbandausbau auch in Seeste. Wenn nötig, wollen die Bürger – wie beim Radwegebau an der Bramscher Straße – auch gern selbst mit anpacken. Foto: Frank Klausmeyer

Etwa sieben Kilometer sind es vom Rathaus bis zum Kfz-Betrieb von Axel Quindt am Roten Berg. Vom schnellen Internet mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde, wie es die Bundesregierung für alle Bürger in Deutschland bis 2018 möglich machen will, fühlt sich der Unternehmer aber Lichtjahre entfernt. „Ich wäre ja schon mit 5 Mbit/s zufrieden“, sagt der 44-Jährige. Stattdessen geht es online nur im Schneckentempo voran. Damit sich das in Seeste ändert, wollen jetzt einige Bürger aus dem Norden der Gemeinde nach dem Vorbild des Radwegs an der Bramscher Straße für eine bessere digitale Verbindung sorgen.

Mit Verbindungsproblemen kämpft nicht nur Quindt. Auch die Bauern Hajo Leyschulte und Stefan Stiegemeyer fühlen sich vom schnellen Internet abgehängt. „Die Telekommunikation wird auch in landwirtschaftlichen Betrieben immer stärker gebraucht“, betont Leyschulte. Seinen Dokumentationspflichten und Tiermeldungen könne er beispielsweise nur noch übers Netz nachkommen. Deshalb ist der 48-Jährige auf eine satellitengestützte Lösung umgestiegen. „Das ist natürlich teuer“, gibt Leyschulte zu bedenken. Stiegemeyer nutzt das Internet unter anderem zur Steuerung und Überwachung der Anlagen. Auch dafür brauche er eine schnelle Verbindung, betont der 37-Jährige.

Vor fünf Jahren haben Bürger aus Seeste schon einmal einen Vorstoß für den Anschluss der Bauerschaft an die Datenautobahn gestartet. Damals hatten die Initiatoren auch eine Umfrage in den Haushalten gestartet. Ergebnis: 55 Prozent der Seester nutzten das Internet beruflich.

Das gilt in besonderem Maße für Dr. Holger Schwetter . Der 47-Jährige ist Musik- und Medienwissenschaftler an der TU Dresden. Als Pendler arbeite er viel von zu Hause aus am Roten Berg, regelmäßig gebe es Videokonferenzen mit seinen in ganz Deutschland verstreuten Kollegen. Da laufe ohne eine schnelle Verbindung nur wenig, erzählt er. Seiner Frau, eine Kunsthistorikerin, gehe es ähnlich.

Aber auch Leute wie Dirk Priggemeyer, Lichttechniker am Stadttheater Osnabrück, die beruflich nicht aufs Highspeed-Internet angewiesen sind, wünschen sich mehr Tempo. Der 48-Jährige hat vier Kinder, die wie ihre Freunde im Ortskern gerne das Internet mit all seinen Möglichkeiten nutzen möchten.

Aktuell hat die Seester Initiative wieder Unterschriften gesammelt. Fast 100 Haushalte haben sich für einen Anschluss bei der Deutschen Glasfaser (DG) ausgesprochen. „Und wir haben längst noch nicht alle gefragt“, betont Schwetter. Die Bereitschaft für einen Anschluss sei im Außenbereich viel höher als im Ortskern, „weil hier die Not auch größer ist“, meint Schwetter.

Allein es fehlt die Bereitschaft der DG, Seeste oder andere Bauerschaften zu erschließen. Das Unternehmen will sich beim Ausbau des Breitbandnetzes aus wirtschaftlichen Gründen auf die Siedlungsbereiche beschränken. Die Seester Initiative will trotzdem das Gespräch mit der DG suchen, um die Chancen für das Verlegen von Glasfaserleitungen im Norden auszuloten. „Auf der To-do-Liste stehen aber auch andere Anbieter wie Osnatel“, kündigt Holger Schwetter an.

Wohlwissend, dass der Ausbau der Infrastruktur im Außenbereich teuer ist, wollen die Seester selbst mit anpacken, um die Kosten zu senken. So könne die Initiative – nach Vorbild ähnlicher Interessengemeinschaften im Westmünsterland – beispielsweise Gräben baggern, meint Leyschulte. Auch verlange niemand, den Anschluss kostenlos verlegt zu bekommen. „Wir tragen ja jetzt schon Mehrkosten. Am Ende muss das natürlich wirtschaftlich tragbar sein.“

Zunächst geht es der Initiative darum, ein Bewusstsein für die Bedürfnisse der Bürger in Seeste zu schaffen. „Wir müssen erstmal auf einer Liste stehen. Im Moment tun wir das nicht“, bedauert Kfz-Meister Quindt.

Offizielle Gespräche mit der Politik sind auch geplant. Bei Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer dürfte die Initiative offene Türen einrennen, wohnt die Verwaltungschefin doch selbst am Roten Berg und damit abseits schneller Internetverbindungen.

Schwetter stellt sich nach eigenen Worten auf „mitteldickes Bretterbohren“ ein. Die Seester hätten beim Bau des Bürgerradweges an der Bramscher Straße aber schon einmal bewiesen, dass sie gemeinsam etwas bewegen können. „Jetzt brauchen wir eine Datenautobahn“, erklärt Axel Quindt.

Konzept für den Außenbereich gesucht

Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer hat unlängst in Berlin von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt einen Förderbescheid über 50 000 Euro überreicht bekommen. Damit soll die Breitbandversorgung im Außenbereich vorangetrieben werden.Das Geld ist aber nicht für Bauprojekte bestimmt. Mit 50 000 Euro kämen die Gemeinde oder ein von ihr beauftragtes Telekommunikationsunternehmen wohl auch nicht weit. Vielmehr soll mit den Mitteln ein Fachbüro bezahlt werden, dass ein Konzept für den Ausbau der Internetinfrastruktur erarbeitet. Auf dessen Grundlage kann die Kommune dann Anträge auf Zuschüsse des Bundes für konkrete Projekte stellen.Die Interessengemeinschaft in Seeste ist skeptisch und will nicht auf die Ergebnisse eines Gutachtens warten. „Die 50 000 Euro sind ja für alle Bauerschaften bestimmt“, sagt Dr. Holger Schwetter, einer der Initiatoren der aktuellen Bemühungen. „Ich glaube, man kann parallel auch selbst schon etwas machen.“ Überdies fühlen sich die Seester auch ein bisschen ausgebootet. Als die Bürger 2011 die Initiative ergriffen hätten, habe sich die Gemeinde zwar um die bessere Internetversorgung in den Außenbereichen gekümmert. Damals haben dann RWE und das Unternehmen Filiago auch Glasfaserkabel verlegt, allerdings nur in Metten, am Hollenbergs Hügel und im Ortfeld. „Und wir sind völlig außen vor geblieben“, bedauert der Unternehmer Axel Quindt.

...
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4174554?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F4852229%2F4852235%2F
Nachrichten-Ticker