Brexit, die Türkei-Krise und Donald Trump – wie reagiert die Wirtschaft
„Das Schlimmste ist die Unsicherheit“

Tecklenburger Land -

Brexit, Türkei oder Donald Trump als US-Präsident ? 200 000 Privatkunden, 10 000 Firmenkunden – die Kreissparkasse Steinfurt mit ihren 3,6 Milliarden Euro in der Bilanz ist ein großes Haus, ist Marktführer in der Region. Drei Krisen – doch die Kunden bleiben gelassen...

Dienstag, 02.08.2016, 07:08 Uhr

Sie wissen, wie die Kunden und die Firmen der Region auf die vielen Krisen der Welt reagieren: Rainer Langkamp, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Steinfurt, und Marion Ibershoff, Spezialistin für internationales Geschäft im Hause.
Sie wissen, wie die Kunden und die Firmen der Region auf die vielen Krisen der Welt reagieren: Rainer Langkamp, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Steinfurt, und Marion Ibershoff, Spezialistin für internationales Geschäft im Hause. Foto: KSK Steinfurt

Kurz vorweg: Die Kreissparkasse Steinfurt wird nicht übermäßig eingedeckt mit Anfragen in Sachen Brexit, Türkei-Krise oder weil Donald Trump US-Präsident werden könnte. 200 000 Privatkunden, 10 000 Firmenkunden – die Sparkasse mit ihren 3,6 Milliarden Euro in der Bilanz ist ein großes Haus, ist Marktführer in der Region. Drei Krisen – doch die Kunden bleiben gelassen...

Auch wenn nun also die Drähte nicht wirklich glühen, haben wir mit Marion Ibershoff (Firmenkunden/ Spezialistin internationales Geschäft) und Vorstand Rainer Langkamp ein Gespräch geführt über die drei Themen, über Fakten, Stimmungen, Bauchgefühle.

Wohl nicht ganz zu unrecht, denn: „International herrscht derzeit politisch einige Unruhe“, gibt Rainer Langkamp wieder, was viele Menschen empfinden: „Die Unsicherheit trägt gefühlt jeder in sich.“ Und politische Instabilität, sagt der Sparkassen-Chef weiter, hat immer Auswirkungen: „Unsicherheit macht alles schwieriger und bremst Investitionen aus.“ Unternehmen, sagt Langkamp, verhalten sich in solchen Zeiten angesichts von Krisen oft „zögerlich, abwartend, zurückhaltend“.

In Sachen „Brexit“ ist das eher eine Stimmungslage als eine mit Zahlen belegbare Krise . Es gibt, weiß Marion Ibershoff zu berichten, nur rund 100 Kunden der Sparkasse, die Umsätze in englischen Pfund machen. Was daran liegt, dass Großbritannien eben noch EU-Land ist und Geldgeschäfte überwiegend in Euro und mit SEPA-Überweisungen erledigt werden. Great Britain ist also banktechnisch quasi ein „Inlandsgeschäft“.

„Es hat bisher vereinzelte Anfragen wegen des Brexit gegeben“, sagt Ibershoff. Was wohl auch damit zusammenhängt, dass noch vor der Abstimmung auf der Insel niemand geglaubt hat, dass es so weit kommen könnte. Jetzt aktuell ist es so, dass das britische Pfund als Währung deutlich gefallen ist. Das macht den Urlaub im Land der Queen billiger und ist gut für alle Firmen, die Waren aus GB importieren. Schlecht ist es für das exportierende Gewerbe. Insgesamt jedoch, sagt Ibershoff, hat die Kreissparkasse „nicht viele Kunden, die Geschäfte mit Großbritannien machen“.

Rainer Langkamp, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Steinfurt

Rainer Langkamp, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Steinfurt Foto: KSK Steinfurt

Sei’s drum, auch beim Thema „Brexit“ stellt sich nun die Frage: „Wie geht das weiter ?“ Es herrscht besagte Unsicherheit – für Rainer Langkamp ist wichtig, wie sich nach dem Brexit das Vereinigte Königreich zur einheitlichen Handelszone in der EU aufstellen kann. Und er ist froh, „dass wir in unserem Geschäftsgebiet keine großen Firmen haben, die eine hohe Abhängigkeit zu Großbritannien haben“. Da war – und da ist noch – nach Worten von Langkamp „das Russland-Embargo wegen der Ukraine-Krise schon ein ganz anderes Kaliber“.

Überraschend dürfte sein, dass gefühlt viel schwerer als der Abschied der Briten die Geschehnisse in der Türkei bewertet werden. „Die Türkei ist ein wichtiges Handelsland für uns“, stellt Langkamp fest, seine Kollegin Ibershoff ergänzt: „Wir haben einige Kunden, die Waren aus der Türkei importieren.“ Besonders der Textilbereich ist mit Stoffen und Rohwaren dabei stark vertreten. Aber auch hier gilt: „Wer importiert, der ist, solange er aus einem Krisenland Waren bezieht, viel gelassener als ein Unternehmer, der in einem solchen Land Produktionsstätten unterhält oder dorthin exportiert. Dann sieht die Lage schon ganz anders aus...“

Marion Ibershoff, betreut bei der Kreissparkasse Firmenkunden und ist Spezialistin fürs internationale Geschäft

Marion Ibershoff, betreut bei der Kreissparkasse Firmenkunden und ist Spezialistin fürs internationale Geschäft Foto: KSK Steinfurt

Eigentlich ist die große Politik, sind die Krisen der Welt „eher selten ein Thema in der Kommunikation zwischen Sparkasse und Kunden“, sagt Marion Ibershoff. Dennoch hat man im Hause KSK meist am Rande von Firmenkunden-Gesprächen wahrgenommen „dass mit Trump keiner gerechnet hat!“ Aber das ist es dann auch schon, was die beiden in Sachen US-Wahlkampf sagen können, ohne ihre Glaskugel zu befragen.

So bleibt am Ende des Blicks auf die Welt-Probleme die eigene Region: Die Firmen hier im Tecklenburger Land sind gut aufgestellt, sind sehr diversifiziert, sagt Sparkassen-Chef Langkamp. Und er sagt auch, dass bei manchen Unternehmen der Blick auf die großen Krisen zu einer „Rückbesinnung auf den eigenen Wirtschaftsraum führt“. Und die Konsequenz daraus, dass man sich im Ausland mit Investitionen in einem unsicheren Umfeld bewegt, kann dann durchaus dazu führen, hier vor Ort die Aktivitäten zu verstärken. Nicht die schlechteste Konsequenz...

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