Glasfaserausbau
Keinen Schritt weiter

Westerkappeln/Lotte -

„Noch drei Schritte bis zur Fertigstellung“ steht auf der Homepage der Deutschen Glasfaser GmbH (DG). Doch es geht wohl keinen Schritt weiter. Das Projekt kommt in Westerkappeln sehr wahrscheinlich schon in Phase 2 zum Erliegen. Auch in Lotte fehlt es an genügend Interesse für den Glasfaserausbau. Die DG wird den beiden Gemeinden damit vermutlich den Rücken kehren.

Dienstag, 30.08.2016, 16:08 Uhr

Keine Baustellen macht die Deutsche Glasfaser sehr wahrscheinlich in Westerkappeln und Lotte auf. Die Nachfragebündelung brachte nicht genügend Interessenten.
Keine Baustellen macht die Deutsche Glasfaser sehr wahrscheinlich in Westerkappeln und Lotte auf. Die Nachfragebündelung brachte nicht genügend Interessenten. Foto: Jessica Beck

Eine Anschlussquote von jeweils 40 Prozent hatte das Unternehmen mit Sitz in Borken für den Breitbandausbau in Westerkappeln , Lotte , Mettingen und Recke vorausgesetzt. In Westerkappeln waren es am vergangenen Freitag nur 30 Prozent, in Lotte 31 Prozent. Dass Samstag – am letzten Tag der Anmeldefrist – noch die fehlenden Verträge unterzeichnet wurden, darf getrost bezweifelt werden. Mettingen (35 Prozent) und Recke (34 Prozent) waren zum gleichen Zeitpunkt zwar näher dran, aber auch dort wäre das Erreichen der geforderten Anschlussquote eine Überraschung.

Nach Beendigung der sogenannten Nachfragebündelung würden nun alle Verträge erfasst und ausgewertet, teilt die DG auf ihrer Homepage mit. In den Rathäusern der vier Kommunen hoffen die Verantwortlichen auf Klarheit noch in dieser Woche.

„Dann können wir besprechen, wie es weitergeht“, sagt Joana Watermeyer, in Lotte zuständig für die Wirtschaftsförderung. Nach ihrem Kenntnisstand seien zumindest im Ortsteil Halen fast 40 Prozent erreicht worden. Insgesamt sehe es aber nach weniger aus.

Die Westerkappelner Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer macht aus ihrer Enttäuschung über den Ausgang der Nachfragebündelung keinen Hehl. „Ich finde das schade, weil es eine Chance für Westerkappeln gewesen wäre.“ Die FTTH-Technik („Fiber to the Home“), bei der die Glasfaserleitungen direkt in der Wohnung enden, sei nun mal die Technologie der Zukunft. „Ich glaube, wenn schon Anschlüsse bestünden, würden andere Haushalte umswitchen.“

Ganz die Hoffnung aufgeben, dass die DG doch aktiv wird, will Große-Heitmeyer aber nicht. Vielleicht gebe es nicht nur schwarz und weiß, sondern auch noch Grautöne. Am Dienstagnachmittag besprach die Westerkappelner Bürgermeisterin sich nach eigenen Angaben mit ihren Kollegen aus Lotte, Mettingen und Recke. Auch mit der DG würden noch Gespräche geführt.

Sollte das Unternehmen alle Bemühungen einstellen, hält es Große-Heitmeyer für geboten, sich nach neuen Partnern umzuschauen. „Ich bin ja nicht mit der DG verheiratet.“ Möglicherweise komme man dann mit den Stadtwerken Tecklenburger Land ins Gespräch. Eine Zusammenarbeit mit dem kommunalen Energieversorger hatte Große-Heitmeyer zufolge anfangs auch im Raum gestanden, für das junge Unternehmen sei dieses Geschäftsfeld aber noch zu früh gekommen.

Anschauungsunterricht, wie so ein Projekt erfolgreich zum Ende gebracht werden kann, können die Entscheidungsträger vielleicht bei den Stadtwerken Lengerich nehmen. Deren Tochterunternehmen Teutel hat fast zeitgleich in Lienen und Kattenvenne eine Nachfragebündelung zum Glasfaserausbau gestartet. Als Mindestanschlussquote wurden dort 30 Prozent gesetzt. Erschlossen werden soll – im Gegensatz zu Westerkappeln und Lotte – auch der Außenbereich. „Dort lagen wir bei rund 50 Prozent“, berichtet Gunnar Gühlstorf, Geschäftsbereichsleiter bei der Teutel. In den Ortslagen von Kattenvenne und Lienen seien es nur rund 25 Prozent gewesen. Unter dem Strich sei die erforderliche Quote aber erreicht worden. „40 Prozent sind schon ein ziemlich ambitioniertes Ziel“, meint Gühlstorf.

Kommentar

Die Deutsche Glasfaser ist gescheitert. Die von ihr geforderte Anschlussquote für den Breitbandausbau in Westerkappeln und Lotte wurde weit verfehlt. Dass das Unternehmen die Frist für die Nachfragebündelung ein zweites Mal verlängert, ist unwahrscheinlich. In Westerkappeln kamen in sieben zusätzlichen Wochen gerade einmal neun Prozent dazu.Woran liegt es ? Zu wenig Werbung hat die Deutsche Glasfaser sicher nicht gemacht. Offenbar haben viele Verbraucher keinen Bedarf und viele andere fühlen sich offensichtlich schon gut versorgt. Der Nachfragebündelung sicher nicht zuträglich war, dass der Wettbewerber Osnatel fast zeitgleich die Anstrengungen für sein Breitbandnetz forciert hat.Das Ergebnis bedeutet für Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer wohl auch eine kleine persönliche Niederlage. Denn sie hat sich massiv für den Glasfaserausbau ins Zeug gelegt, wenngleich es ihr nach eigenem Bekunden nur um die Zukunftstechnologie und nicht um den Anbieter ging. Das Thema Glasfaser wird sich damit in Westerkappeln und den Nachbarkommunen aber sicher nicht endgültig erledigt haben.Die Verantwortlichen in Westerkappeln, Lotte und gegebenenfalls auch Mettingen und Recke sollten sich nun erst einmal sammeln, in Ruhe über ein neues Konzept nachdenken und nach einem anderen Partner Ausschau halten. Die Strategie der Stadtwerke Lengerich, die auch die Außenbereiche im Blick hat, scheint dabei nicht die schlechteste Lösung zu sein. Frank Klausmeyer

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