Wohnbauprojekte im Ortskern
Bedarf für „Bauen in zweiter Reihe“ wächst

Westerkappeln -

In jüngster Zeit gibt es in der Westerkappelner Ortslage rege Bautätigkeit. Das Land NRW unterstützt diese Art der Innenverdichtung nachdrücklich, weil sie Flächen schont. Weitere solcher Projekte sind in jetzt in der Pipeline.

Donnerstag, 15.09.2016, 20:09 Uhr

Die Tischlerei Tüpker genießt Bestandsschutz. Der vom Betrieb ausgehende Lärm liegt unter den schalltechnischen Richtwerten.
Die Tischlerei Tüpker genießt Bestandsschutz. Der vom Betrieb ausgehende Lärm liegt unter den schalltechnischen Richtwerten. Foto: Frank Klausmeyer

In jüngster Zeit gibt es in der Westerkappelner Ortslage rege Bautätigkeit. Sei es, dass wie südlich und nördlich an der Alten Poststraße Baulücken mit Mehrfamilienhäusern geschlossen werden oder dass – wie just an der Osnabrücker Straße fertiggestellt – ein altes Haus durch einen modernen Wohnkomplex ersetzt wird. Das Land NRW unterstützt diese Art der Innenverdichtung nachdrücklich, weil sie Flächen schont. Weitere solcher Projekte sind in Westerkappeln jetzt in der Pipeline.

Schon weiter fortgeschritten sind die Pläne für das rückwärtige Gelände des „Hauses Müller“. Ein Investor will auf dem Grundstück des früheren Textilkaufhauses, in dem heute unter anderem die Postagentur ansässig ist, zwei Mehrfamilienhäuser errichten. Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, hat die Gemeinde einen Bebauungsplan aufgestellt, dessen Entwurf am Dienstag dem Bauausschuss vorgestellt wurde. Probleme wurden in vorausgegangenen Beratungen vor allem im Zusammenhang mit dem Schallschutz erwartet, weil nur einen Steinwurf entfernt die Tischlerei Tüpker Möbel produziert.

Die Befürchtungen scheinen aber unbegründet zu sein, wie ein vom Investor in Auftrag gegebenes Lärmschutzgutachten ergeben hat. Tagsüber (6 bis 22 Uhr) wird der schalltechnische Richtwert deutlich unterschritten, nachts wird bei Tüpker nicht gearbeitet. Ohne große Debatte und einstimmig empfahl der Ausschuss deshalb, die Pläne jetzt öffentlich auszulegen, damit Bürger und Behörden dazu Stellung nehmen können.

Für mehr Diskussionsstoff – insbesondere in der Nachbarschaft – könnte ein Bebauungsplan sorgen, den die Verwaltung „Wohnen in zweiter Reihe südlich der Konrottstraße“ betitelt hat. Dabei geht es um einige bereits bebaute große Grundstücke, deren Eigentümer darauf weitere Wohnhäuser errichten möchten. Drei Anträge liegen dazu mittlerweile im Rathaus vor.

„Um das überhaupt zu ermöglichen, brauchen wir einen Bebauungsplan“, erläuterte Bauamtsleiter Patrick Lenz . Die Verwaltung begrüße die Pläne. „Es wird sicher auch einige Anlieger geben, die den Vorhaben nicht positiv gegenüberstehen.“ Mögliche Einwände müssten aber rechtlich begründet werden, betonte Lenz.

Ganz neu seien die Wünsche ja nicht, meinte Jürgen Schulte , Sprecher der Bürgergemeinschaft. Frühere Anträge wurden nicht genehmigt, wohl auch mit Rücksicht auf den Bestandsschutz für die Tischlerei Tüpker. Die Ergebnisse des Schallschutzgutachtens für das „Haus Müller“ könnten vielleicht berücksichtigt werden, meinte Lenz zur Frage der Lärmimmissionen.

Es gibt aber noch weitere offene Fragen: Schulte wies auf den hohen Grundwasserstand in diesem Wohnviertel hin. Neue Gebäude bedeuteten eine weitere Versiegelung. „Kann man das regeln, dass die vorhandenen Häuser nicht absaufen ?“, wollte Schulte wissen.

Ralf Najorka, sachkundiger Bürger der CDU, hält Einwände des Landesbetriebes Straßen NRW für wahrscheinlich, wenn die Zufahrten über die Osnabrücker Straße erfolgen sollen. Diese Erfahrung hat er selbst mit einem Mehrfamilienhaus an der Landesstraße gemacht. „Darauf bin ich auch gespannt“, kommentierte Lenz den Hinweis. Gegebenenfalls müsse eine neue Erschließungsstraße gebaut werden.

Michael Puke, sachkundiger Bürger der SPD, forderte eine „behutsame Herangehensweise“. Die benachbarten Häuser seien teilweise 100 Jahre alt und mit besonderem Charakter, in die sich moderne Stadtvillen nicht unbedingt einfügten.

All diese Fragen, so Lenz, müssten jetzt im Bebauungsplanverfahren geklärt werden, das der Ausschuss mit der Empfehlung für einen Aufstellungsbeschluss anschob.

Derlei Diskussionen könnten die Ratsgremien künftig noch häufiger beschäftigen. „Uns erreichen viele Anfragen von Leuten, die über einen Grundstücksverkauf nachdenken und fragen, ob im hinteren Bereich gebaut werden kann.

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