Vorplanung zur Wiederbelebung der Tecklenburger Nordbahn vorgestellt
„Das ist eine historische Chance“

Westerkappeln/Lotte/Mettingen/Recke -

Vor fast zehn Jahren wurde die Wiederbelebung der Tecklenburger Nordbahn für den Personennahverkehr aufs politische Gleis gehoben. Jetzt gibt es konkrete Pläne, die am Donnerstag in Recke der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Die Reaktivierung sei eine „historische Chance“, meinte Dr. Hermann Paßlick, Vorsteher des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr Münsterland (ZVM).

Freitag, 30.09.2016, 16:09 Uhr

Die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn kann noch Jahre dauern. Die Nordwestbahn – hier auf den Gleisen des Haller Willems unterwegs – hat schon einmal einen Probelauf auf der Strecke unternommen.
Die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn kann noch Jahre dauern. Die Nordwestbahn – hier auf den Gleisen des Haller Willems unterwegs – hat schon einmal einen Probelauf auf der Strecke unternommen. Foto: Holger Jacoby/Nordwestbahn

Vor fast zehn Jahren wurde die Wiederbelebung der Tecklenburger Nordbahn für den Personennahverkehr aufs politische Gleis gehoben. Gut möglich, dass es noch einmal so lange dauert, bis der erste Zug rollt. Wenn überhaupt. Denn die grundlegende Voraussetzung für eine Reaktivierung der Strecke ist die Berücksichtigung des Vorhabens im ÖPNV-Bedarfsplan für Nordrhein-Westfalen. Nur dann wäre die Finanzierung durch das Land gesichert. „Sonst schaffen wir es nie“, erklärte Dr. Hermann Paßlick , Vorsteher des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr Münsterland (ZVM), am Donnerstagabend im Recker Rathaus.

Dort hatten sich die vier Fachausschüsse der Anrainergemeinden Lotte, Westerkappeln, Mettingen und Recke gemeinsam mit dem Verkehrsausschuss des Kreises versammelt, um die Vorplanung des ZVM und der Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM) für eine Reaktivierung in Augenschein zu nehmen. Die anschließende Debatte, bei der auch Zuhörer Fragen stellen durften, verlief – für viele Beobachter überraschend – unaufgeregt und sachlich.

Die Fachausschüsse aus den vier Anrainergemeinden und die Mitglieder des Kreisverkehrsausschusses sowie zahlreiche interessierte Bürger verfolgten die Vorstellung der Pläne im Recker Rathaus.

Die Fachausschüsse aus den vier Anrainergemeinden und die Mitglieder des Kreisverkehrsausschusses sowie zahlreiche interessierte Bürger verfolgten die Vorstellung der Pläne im Recker Rathaus. Foto: Frank Klausmeyer

Paßlick meldete sich dabei mit einer klaren Botschaft zu Wort: „Das ist eine historische Chance.“ Die Eisenbahn erlebe derzeit eine „unglaubliche Renaissance – auch im ländlichen Raum“. Die Berücksichtigung der Tecklenburger Nordbahn im ÖPNV-Bedarfsplan NRW, dessen Verabschiedung der ZVM kommendes Jahr erwartet, sei keine Verpflichtung zum Ausbau der Strecke. „Es ist aber die Garantie für die Finanzierung durch das Land“, betonte Paßlick.

Die vier Kommunen und der Kreis haben beim Bedarfsplan zwar nichts zu entscheiden, „jedes positive Signal in Richtung Düsseldorf kann aber helfen“, warb ZVM-Geschäftsführer Michael Geuckler um Unterstützung der politischen Gremien.

Landrat Dr. Klaus Effing äußerte in diesem Zusammenhang und mit Blick auf die lange Vorgeschichte die Hoffnung, „dass wir nicht noch einmal zehn Jahre brauchen, bis wir zu einer endgültigen Entscheidung kommen.“

Die Vorplanung geht von durchschnittlich 5600 Reisenden am Tag aus, etwas weniger als in einem vor fünf Jahren vorgestellten Gutachten angenommen wurde. Ein Wert, den Kritiker ebenso bezweifeln mögen, wie die jetzt genannten Investitionskosten in Höhe von 35,2 Millionen Euro. Das sind rund sechs Millionen Euro mehr, als in der älteren Studie kalkuliert. Unter dem Strich bleibt der Kosten-Nutzen-Indikator mit 1,12 aber der gleiche. Ein Indikator von mehr als 1 gilt als Voraussetzung für eine Förderung. „Ja, die Kosten für den Bau sind deutlich höher. Die Betriebskosten werden aber deutlich geringer sein, weil wir einen Zug einsparen“, erläuterte Geuck­ler auf WN-Nachfrage.

Womit er zwei wesentliche Änderungen zur früheren Untersuchung hervorhebt: In Büren würde die Anschlussweiche der RVM an die Strecke der Deutschen Bahn um etwa 200 Meter Richtung Eversburg verlegt, womit kein zweites Gleis bis zum Bahnhof Eversburg verlegt werden müsste. Dadurch könnte ein Bahnsteig an der Station Büren-Eversburg gebaut werden, an der im Übrigen ein Umstieg ins Osnabrücker Stadtbusnetz möglich ist. Auch westlich von Westerkappeln ist ein zweigleisiger Abschnitt geplant, wo sich die Züge kreuzen können. Dieser reine Betriebsbahnhof erlaube eine kurze Wende in Recke, betont Geuckler. Positiver Nebeneffekt: Die Investitionskosten in Leit- und Sicherungstechnik seien mit dieser Lösung viel geringer.

Die Strecke von Recke bis Osnabrück ist rund 29 Kilometer lang. Auf den blauen Abschnitten könnte der Zug mit Tempo 100 fahren.

Die Strecke von Recke bis Osnabrück ist rund 29 Kilometer lang. Auf den blauen Abschnitten könnte der Zug mit Tempo 100 fahren.

Nun ist das alles noch nicht beschlossene Sache, sondern wird in den vier beteiligten Kommunen sicher für viel Diskussions- und Zündstoff sorgen; sei es in puncto Lärmschutz oder in der Frage, welche Bahnübergänge geschlossen werden sollen. Die jetzige Vorplanung sieht vor, mehr als ein Drittel der 68 Übergänge aufzugeben.

Auch der vorgesehene Wegfall der Schnellbuslinie S 10 wird Manchem nicht gefallen, wenngleich die RVM bereits ein Konzept für die Anbindung des Busverkehrs an die Schiene ausgetüftelt hat.

Eine Berücksichtigung im ÖPNV-Bedarfsplan vorausgesetzt, werde es sicher „plus minus sieben Jahre“ dauern, bis die Züge fahren, meinte Geuck­ler. Als nächstes soll nun eine detaillierte Planung für die gesamte Strecke erarbeitet werden. Für jeden Bahnübergang, für die Bahnsteige und jede Gleisverlegung müsse ein Planfeststellungsverfahren erfolgen. „Das dauert mindestens zwei Jahre“, prognostizierte der ZVM-Geschäftsführer.

Eckdaten

Folgende Eckdaten sieht die aktuelle Vorplanung zur Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn vor:

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