Sechsköpfige syrische Familie lebt in engem Container
Mühsame Wohnungssuche

Westerkappeln -

Das Zuhause der Familie Alakkras befindet sich in einem der Container, gleich hinter der großen Turnhalle in Westerkappeln. Es ist ihr erstes gemeinsames Zuhause seit drei Jahren. Trotzdem wünschen sich Vater, Mutter und vier Töchter eine richtige Wohnung.

Dienstag, 08.11.2016, 19:11 Uhr

Eng und kaum Privatsphäre: Die vier syrischen Mädchen Alaa, Asmaa, Leen und Ayat (vorne von links) leben gemeinsam in einem Raum. Ihre Eltern Maha Zeitoun und Abdulsalam Alakkras suchen seit Längerem eine Wohnung. Susanne Böckelmann (2. von links) unterstützt die Familie dabei.
Eng und kaum Privatsphäre: Die vier syrischen Mädchen Alaa, Asmaa, Leen und Ayat (vorne von links) leben gemeinsam in einem Raum. Ihre Eltern Maha Zeitoun und Abdulsalam Alakkras suchen seit Längerem eine Wohnung. Susanne Böckelmann (2. von links) unterstützt die Familie dabei. Foto: Katja Niemeyer

Auf dem Fußboden vier kleine Matratzen, davor ein Pappkarton mit Spielzeug, an der Seite ein Regal, auf dem zwei Koffer liegen, die übergroß wirken in diesem schmalen Raum, der seit einem Vierteljahr das Kinderzimmer von Asmaa, Alaa, Ayat und Leen ist. Gleich nebenan haben sich Maha Zeitoun und Abdulsalam Alakkras, die Eltern der vier Mädchen, eingerichtet. Ihre Habseligkeiten haben sie fein säuberlich in einer Ecke aufeinander gestapelt.

Das Zuhause der Familie befindet sich in einem der Container , gleich hinter der großen Turnhalle in Westerkappeln . Es ist ihr erstes gemeinsames Zuhause seit drei Jahren. So lange ist es her, dass der Vater die syrische Heimat verlassen hat und sich auf den gefährlichen Weg nach Europa machte.

„Wir dachten, dass es nur ein Abschied für kurze Zeit sein würde“, sagt Maha Zeitoun. Am Ende vergingen drei Jahre, bis der Mann sie und die Kinder wieder in die Arme schließen konnte. Drei Jahre voller Ungewissheit, Entbehrungen und Gefahren.

Die Familie wohnte in Homs. Die drittgrößte Stadt Syriens war Hochburg der Rebellen, immer wieder wurde sie von den Soldaten der syrischen Regierung bombardiert, bis große Teile der einst 800 000 Einwohner zählenden Stadt zerstört waren.

2013, als die Armee eine Offensive gegen die Rebellen startete, entschieden Maha Zeitoun und Abdulsalam Alakkras sich zur Flucht vor den immer heftiger werdenden Kämpfen, vor den Artilleriegeschossen, vor Terror. Zu dem Zeitpunkt war der Bürgerkrieg bereits zwei Jahre im Gange. „Wir konnten einfach nicht mehr“, erinnert sich Maha Zeitoun.

Sie kratzten ihre Ersparnisse zusammen, liehen sich Geld von Verwandten, das am Ende komplett draufgehen würde für die Schleuser, die Abdulsalam Alakkras bezahlen musste auf seinem Weg über den Libanon und die Türkei , um von dort mit einem der Flüchtlingsboote übers Mittelmeer nach Griechenland zu gelangen. „Ich war sehr besorgt, schließlich versinken immer wieder Boote im Meer“, berichtet seine Frau.

Sie hatte unterdessen mit den Kindern eine vergleichsweise sichere Route in die Türkei genommen. „Dort habe ich dann als Englischlehrerin gearbeitet, um Geld zu verdienen für mich und die Kinder“, erzählt die 35-jährige Syrierin.

Als sie – endlich – nach Monaten die Nachricht von ihrem Mann erhielt, er sei sicher in Deutschland angekommen, war sie heilfroh. Es folgten erneut viele Monate des Wartens: Drei Monate dauerte es, bis die Ausländerbehörde des Kreises Steinfurt den 43-jährigen Familienvater anerkannte, weitere sechs Monate, bis seine Frau einen Termin hatte bei der deutschen Botschaft in Istanbul, bei dem sie die erforderlichen Papiere für die Einreise nach Deutschland erhielt. Im August schließlich stiegen sie und die vier Mädchen in Köln aus einem Flugzeug – der Beginn eines neuen Lebens in Sicherheit und Frieden.

Eine Frage an Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer

Was unternimmt die Gemeinde, um Flüchtlinge in regulären Wohnungen unterzubringen?

Große-Heitmeyer: Am Anfang ging es darum, dass die Flüchtlinge erst einmal ein Dach über dem Kopf haben. Als langfristige Unterkunft sind die Heime und die Container aber sicherlich nicht geeignet. Inzwischen wird es also immer wichtiger, dass sie Wohnungen bekommen. Mit Eigentümern sind wir deshalb immer wieder im Gespräch. Zugleich wollen wir aber auch den sozialen Wohnungsbau vorantreiben.

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Das besteht zurzeit vor allem aus Lernen und Erkunden der neuen Umgebung. Bis in den frühen Nachmittag besuchen Maha Zeitoun und Abdulsalam Alakkras Integrationskurse, büffeln sie deutsche Vokabeln und lernen die Regeln im Alltag kennen, während die Mädchen in der Schule sind.

Später am Tag schnürt Abdulsalam Alakkras erneut seine Schuhe. Dann dreht er zu Fuß seine Runde durch den Ort, entlang der Felder, teilweise bis nach Wersen oder Velpe. Immer öfter wird er dabei von Frau und Kindern begleitet. Bei diesen Spaziergängen, berichtet Maha Zeitoun freudestrahlend, „haben wir schon viele Bekanntschaften mit Deutschen gemacht.“

Einige besuchen sie seither hin und wieder in ihrem Container auf eine Tasse Tee. Einige trifft Maha Zeitoun beim gemeinsamen Kochen in der Küche der Gesamtschule – ein Angebot der Flüchtlingshilfe. Einigen begegnet sie beim Einkaufen. „Ich bin dankbar dafür, dass wir bereits ein wenig Anschluss gefunden haben“, betont die Syrierin.

Die Familie scheint angekommen zu sein in ihrer neuen Heimat. Allein die Unterkunft in dem Container würde sie gerne so bald wie möglich wieder verlassen. Bereits seit Längerem sucht Susanne Böckelmann von der Flüchtlingshilfe deshalb für sie eine Wohnung – bislang erfolglos, wie die Ehrenamtliche resigniert berichtet. „Melde ich mich auf eine Wohnungsanzeige hin, winken die Eigentümer immer ab, wenn sie hören, dass eine Flüchtlingsfamilie einziehen würde.“ Ganz hat sie die Hoffnung aber noch nicht aufgeben: „Sie wären tolle Mieter, ruhig und integriert. Und die Miete kommt auch immer pünktlich.“

 

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