Grippe wieder auf dem Vormarsch
Wachsende Impfmüdigkeit in Westerkappeln

Westerkappeln -

ohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen – außer Sofa oder oder Bett geht tagelang gar nichts mehr. Schuld daran: die Grippe. Mit einer Schutzimpfung lässt sich das Risiko einer Erkrankung jedoch stark verringern. Trotzdem lassen sich offenbar zunehmend weniger Menschen dagegen impfen – auch in Westerkappeln.

Donnerstag, 10.11.2016, 05:11 Uhr

Mit Grippeimpfung wäre das vielleicht nicht passiert. Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen setzen die Patienten außer Gefecht. Medikamente können die Symptome nur lindern.
Mit Grippeimpfung wäre das vielleicht nicht passiert. Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen setzen die Patienten außer Gefecht. Medikamente können die Symptome nur lindern. Foto: dpa

Hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen – außer Sofa oder Bett geht tagelang gar nichts mehr. Schuld daran: die Grippe . Mit einer Schutzimpfung lässt sich das Risiko einer Erkrankung jedoch stark verringern. Trotzdem lassen sich zunehmend weniger Menschen dagegen impfen, teilt die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) mit.

Offensichtlich befürchteten viele Versicherte Nebenwirkungen oder zweifelten die Wirksamkeit des Impfstoffes an, berichtet die KKH unter Hinweis auf ihre Datenanalysen.

Einen Rückgang an Grippeimpfungen bestätigt Dr. Hans Simon , Allgemeinmediziner aus Westerkappeln . Sein Stoffmittelverbrauch ist diese Saison „gut um ein Drittel zurückgegangen“. Sein Kollege Dr. Steffen Grüner schließt sich an und spricht von einer „Impfmüdigkeit“. Das Ausbleiben an Impfwilligen erklärt er sich durch den vergangenen milden Winter und das Ausbleiben einer intensiven Grippewelle , wodurch sich die Angst einer Erkrankung „in Luft aufgelöst“ habe.

Männer sind größere Impfmuffel

Nach Angaben der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) hat die Zahl der Grippeschutz-Impfmuffel in den vergangenen sechs Jahren weiter zugenommen.

Während sich im Jahr 2009 noch jeder fünfte KKH-Versicherte gegen Grippe habe impfen lassen, sei es 2015 nur rund jeder siebte gewesen, Tendenz weiter abnehmend, teilt die KKH unter Hinweis auf die eigene Datenanalyse mit. Dabei hätten sich doppelt so viele Frauen für die Schutzimpfung entschlossen wie Männer.

Die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des Robert-Koch-Institutes schätzt pro Jahr zwischen einer und sieben Millionen Influenza-bedingte Arztbesuche. Bei einer schweren Grippewelle wie in der Saison 2012/2013 wurden rund 30 000 Influenza-bedingte Krankenhauseinweisungen und 20 000 Todesfälle geschätzt.

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Außerdem hinterfragen anscheinend manche Leute den Sinn einer Grippeimpfung, weil sie trotz Spritze erkranken. Dies liege jedoch nicht an der mangelnden Wirksamkeit des Impfstoffs, meint Simon: „Viele Leute sprechen von Grippe, auch wenn es mit Grippe gar nichts zu tun hat.“ Ab wann davon gesprochen werden kann, erläutert Jens Kuschel, Pressesprecher der AOK Nordwest: „Im Vergleich zum grippalen Infekt mit Husten, Schnupfen und Heiserkeit nimmt die Virusgrippe häufig einen schweren Verlauf mit hohem Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen sowie trockenem Reizhusten.“

Was Nebenwirkungen einer Grippeschutzimpfung betrifft, könnten diese in Form von „Lokalreaktionen“ auftreten – leichte Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Impfstelle. Gewöhnlich sei der Impfstoff jedoch gut verträglich, betont Sara Rebein, Pressesprecherin der Barmer GEK Nordrhein-Westfalen.

Steffen Grüner weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass viele Grippeseren auf Eiweiß basieren. Allergikern rät er zu eiweißfreien Alternativen.

Wann sollte man sich impfen lassen ? „Am besten so früh wie möglich“, sagt Dr. Simon und empfiehlt, bereits Mitte September deshalb zum Arzt zu gehen, da in diesem Zeitraum nur wenige andere Krankheiten kursieren, die einer Impfung im Wege stehen. Die AOK und die Barmer GEK nennen dagegen die Monate Oktober und November als geeigneten Zeitraum für eine Impfung. Nach zehn bis 14 Tagen sei der Schutz im Körper dann vollständig aufgebaut, erläutert Sara Rebein.

Besonders wichtig sei der Immunschutz für chronisch Kranke, Personen ab dem 60. Lebensjahr und Schwangere zwischen dem vierten und siebten Monat, erklärt Kuschel. Die AOK übernimmt die Kosten für die Impfung allerdings nur für Versicherte mit einer erhöhten Infektionsgefahr – zum Beispiel medizinisches Personal – sowie den bereits genannten Risikogruppen. Der Rest muss selber zahlen.

Weil nicht alle Kassen die Kosten der Grippeimpfung grundsätzlich übernehmen, rät das Verbraucherportal krankenkassen.de Patienten zum vorherigen Gespräch mit dem Arzt oder mit der Krankenkasse selbst, um die Kostenübernahme zu erreichen.

Der Grippeschutz sei mit einer Impfung für eine Saison (sechs Monate) gewährleistet und sollte jedes Jahr aufgefrischt werden, rät Hans Simon. Dies sei notwendig, da sich die Viren jedes Jahr neu zusammensetzten und somit jährlich ein neuer Impfstoff erstellt werden müsse. Der Impfstoff bestehe aus den „wahrscheinlichsten Erregern“ der jeweiligen Saison, entnommen von Erregerstämmen der nördlichen und südlichen Erdhalbkugel, erläutert der Westerkappelner Allgemeinmediziner weiter.

Überdies unterscheidet er zwischen dem Dreifach- und dem Vierfachimpfstoff. Letztgenannter enthalte einen zusätzlichen Erregerstamm der südlichen Erdhalbkugel und werde von der WHO – der Weltgesundheitsorganisation – empfohlen. „Die Krankenkasse zahlt aber nur den Dreifachschutz“, kritisiert der Arzt.

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