Der Arbeitsmarkt im November
Flüchtlinge gehen auf Jobsuche

Tecklenburger Land -

Der Winter macht sich auf dem Arbeitsmarkt noch nicht bemerkbar. Im Kreis Steinfurt ist die Zahl der Erwerbslosen im Vergleich zum Oktober marginal gestiegen, in und um Ibbenbüren ist sie zuletzt sogar leicht rückläufig gewesen. Gegenüber November vergangenen Jahres gibt es allerdings deutlich mehr Arbeitslose. Das hat vor allem einen Grund: Flüchtlinge begeben sich zunehmend auf die Jobsuche.

Mittwoch, 30.11.2016, 15:11 Uhr

Was soll ich machen ? Zunehmend machen sich Flüchtlinge in der Arbeitslosenstatistik bemerkbar. Der überwiegende Teil wechselt zunächst vom Asylbewerberleistungsgesetz in den Bezug von SGB II–Leistungen.
Was soll ich machen ? Zunehmend machen sich Flüchtlinge in der Arbeitslosenstatistik bemerkbar. Der überwiegende Teil wechselt zunächst vom Asylbewerberleistungsgesetz in den Bezug von SGB II–Leistungen. Foto: dpa

Bei der Agentur für Arbeit in Ibbenbüren waren im November 2190 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, neun weniger als im Oktober aber 165 oder 8,1 Prozent mehr als vor einem Jahr.

628 der Betroffenen haben keinen deutschen Pass. Gegenüber dem Vorjahresmonat bedeutet dies eine Steigerung um rund 48 Prozent. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen beträgt mittlerweile 28,7 Prozent. Im November 2015 waren es noch 20,9 Prozent und ein Jahr davor bei etwa gleich hohen Arbeitslosenzahlen in der Region nur 17,8 Prozent.

Noch krasser sind die Zahlen, schaut man sich nur den Rechtskreis des Sozialgesetzbuches (SGB) II an. Im Raum Ibbenbüren beziehen derzeit 1463 Arbeitslose Hartz IV-Leistungen. Der Anteil der Ausländer liegt hier bei knapp 40 Prozent.

Konkrete Zahlen für die Arbeitsagentur in Ibbenbüren liegen zwar nicht vor, Pressesprecherin Petra König , liest aber aus der Statistik heraus, dass in erster Linie Flüchtlinge hinter der höheren Arbeitslosigkeit stecken. Denn bezogen auf die Personengruppen gebe es eine Steigerung vor allem bei Männern und Jugendlichen.

Für den ganzen Kreis Steinfurt gibt es dagegen Daten über die Arbeitslosigkeit von Geflüchteten. Von den derzeit gut 11 000 Erwerbslosen haben 1224 Personen (=11 Prozent) einen Flüchtlingshintergrund. Hinzu kommen 1386 Personen (12,5 Prozent) mit einem anderen Aufenthaltsstatus. Das könne beispielsweise eine Duldung, ein Visum oder die „Blaue Karte“ der EU sein, erläutert König. Der Großteil der Betroffenen bezieht SGB II-Leistungen.

Die Herausforderung sei, diese Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sagt Petra König. Das könnte mitunter nicht einfach werden. Denn die aus Kriegsgebieten Geflüchteten seien nicht selten Analphabeten. „Viele Flüchtlinge sind aber hoch motiviert und wollen sich weiterbilden“, betont die Sprecherin der Arbeitsagentur.

Nichtsdestotrotz wird die Gesamtlage von der Arbeitsagentur weiter positiv beurteilt. „Wir haben eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in NRW. Das zeigt, wie gut die wirtschaftliche Situation in der Region ist“, erklärt Reiner Zwilling, Chef der Arbeitsverwaltung im Kreis Steinfurt. Für die Region Ibbenbüren beträgt die Arbeitslosenquote wie in den beiden Vormonaten 3,6 Prozent, weiterhin der beste Wert aller Arbeitsagenturen im Kreis Steinfurt.

Arbeitslosigkeit steigt in allen Orten

Die Arbeitslosenzahlen in und um Ibbenbüren (in Klammern November 2015 und prozentuale Veränderung):

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Die gute Entwicklung wird unterstrichen durch den Blick auf die offenen Stellen, denn die Nachfrage an Arbeitskräften ist weiterhin hoch. Der Bestand an freien Stellen ist bei der Arbeitsagentur Ibbenbüren im November um zwölf Stellen auf 651 gestiegen; im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 73 offene Jobs mehr. Arbeitgeber meldeten im November 222 neue Arbeitsstellen.

Zwilling appelliert an die Betriebe, bei der Mitarbeitersuche verstärkt ältere Bewerber in den Fokus zu nehmen. Kreisweit ist deren Zahl zuletzt gestiegen, in und um Ibbenbüren gab es im November knapp 660 Arbeitslose die 50 Jahre und älter waren. „Unsere Erfahrung zeigt, dass sie oftmals über einen großen und wertvollen Erfahrungsschatz verfügen und in der Regel gut motiviert sind“, weist der Agenturleiter auf das Potenzial der über 50-Jährigen hin.

Für die kommenden Monate rechnet Zwilling offensichtlich mit mehr Arbeitslosen, was jedoch weniger mit den Flüchtlingen zu tun hat, sondern mit dem Wetter: „Der erste Frost sorgt in einigen Berufen für Entlassungen, vor allem in Garten- und Landschaftsbau oder dem Baugewerbe.“ Das für die Langzeitarbeitslosen zuständige Jobcenter Kreis Steinfurt hofft indes aufs Weihnachtsgeschäft, das vor allem in der Lager- und Logistikbranche jedes Jahr für einen deutlichen Anstieg des Personalbestandes sorge.

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