Tecklenburger Nordbahn
Der Teufel steckt im Detail

Westerkappeln -

Ende September wurde die Vorplanung für die Wiederbelebung der Tecklenburger Nordbahn präsentiert. In die Tiefe ging es dabei noch nicht. Doch der Teufel steckt im Detail. Das gilt vor allem für die Planung der Bahnübergänge.

Mittwoch, 07.12.2016, 17:12 Uhr

Dieser Bahnübergang an der Straße Am Sundern würde geschlossen. Im Gegenzug soll der etwas weiter östlich gelegene Übergang an der gleichen Straße (im Hintergrund) eine Lichtzeichenanlage und eine Halbschranke bekommen.
Dieser Bahnübergang an der Straße Am Sundern würde geschlossen. Im Gegenzug soll der etwas weiter östlich gelegene Übergang an der gleichen Straße (im Hintergrund) eine Lichtzeichenanlage und eine Halbschranke bekommen. Foto: Frank Klausmeyer

Ende September wurde die Vorplanung für die Wiederbelebung der Tecklenburger Nordbahn präsentiert. Kurz und bündig stellten die Verantwortlichen des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr Münsterland (ZVM) das Konzept den zuständigen Ausschüssen der vier Anrainerkommunen vor. In die Tiefe ging es dabei noch nicht. Dabei sind die Pläne schon viel weiter gediehen als es bei der Präsentation in Recke den Eindruck machte.

Am Donnerstagabend wird die Vorplanung noch einmal den zuständigen Politikern in Recke vorgestellt. In Lotte und Mettingen wurde das Konzept schon in den vergangenen Wochen näher beleuchtet. In Westerkappeln scheinen Rat und Verwaltung dagegen keine Eile damit zu haben. Irgendwann Anfang kommenden Jahres sollen ZVM-Vertreter in eine Sitzung eingeladen werden, kündigte Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer unlängst auf Nachfrage an.

Dabei könnte es in Westerkappeln durchaus Streit geben, denn der Teufel steckt im Detail – weniger, was die Reaktivierung selbst betrifft, sondern vielmehr hinsichtlich der Bahnübergänge. Denn fast die Hälfte fiele einer Wiederbelebung der Gleisanlagen zum Opfer.

Das ist dem Erläuterungsbericht des Fachbüros Spiekermann (Düsseldorf) zu entnehmen, der auch über die Homepage der Gemeinde Westerkappeln abgerufen werden kann. 20 der insgesamt 68 Bahnübergänge auf der Strecke von Recke bis zur Landesgrenze in Büren/Eversburg liegen auf Westerkappelner Gebiet. Neun davon sollen gestrichen werden. Überwiegend sind wenig befahrene Feldwege betroffen, aber auch die Sandstraße und der westlich gelegene Bahnübergang Am Sundern . Verkehrsteilnehmer und insbesondere landwirtschaftliche Fahrzeuge müssten dann an der einen oder anderen Stelle Umwege in Kauf nehmen.

Der Bahnübergang an der Kleestraße würde im Falle einer Reaktivierung der Nordbahn mit Lichtzeichenanlage und Halbschranke gesichert.

Der Bahnübergang an der Kleestraße würde im Falle einer Reaktivierung der Nordbahn mit Lichtzeichenanlage und Halbschranke gesichert. Foto: Frank Klausmeyer

An fünf Stellen würden dagegen die Bahnübergänge ganz neu gebaut; mit Lichtzeichenanlagen und mit Halbschranken. Laut Vorplanung ist das an der Speckenstraße, an der Kleestraße, dem östlich gelegenen Übergang Am Sundern und am Langenbrücker Hof vorgesehen.

Überdies soll es eine Anrufschranke auf dem Feldweg geben, der von der Mettinger Straße zum Hof Twiehaus führt. In dem Bereich favorisiert der ZVM einen sogenannten Betriebsbahnhof. Dort können keine Fahrgäste ein- oder aussteigen, sondern sich die Züge kreuzen, weil der Abschnitt zweigleisig gebaut wird.

Für sechs Bahnübergänge direkt in der Ortslage Westerkappelns sehen die Planer eine grundlegende Sanierung vor. Diese liegen – aufgeführt von West nach Ost – an der Heerstraße, der Bahnhofstraße, der Neustädter Straße, der Bullerteichstraße, der Wilkenkampstraße und Am Königsteich. Insgesamt würden allein auf Westerkappelner Gebiet rund 3,3 Millionen Euro in den Umbau und die Sicherung der Bahnübergänge investiert.

Nicht enthalten in der Summe sind die Kosten für den Bahnhof. Die Planer empfehlen einen Bahnsteig südlich des Gleises, also zur Alten Poststraße hin. Dieser läge zwar näher an der Bebauung, sei aber vom Ortskern deutlich besser zu erreichen. Auch eine Verknüpfung zum Busnetz und ein Park-&-Ride-Platz seien auf der Südseite einfacher möglich, schreiben die Fachleute vom Büro Spiekermann.

Der Bahnsteig soll – wie alle anderen Haltepunkte auf der Strecke – 120 Meter lang, mindestens 2,50 Meter breit und barrierefrei werden.

Die weitere Planung ist mit viel Aufwand verbunden. Für alle acht Bahnhöfe in den vier Anrainergemeinden, für jeden der 68 Bahnübergänge und für jede Gleisverlegung müsse ein Planfeststellungsverfahren erfolgen, erklärt der ZVM-Geschäftsführer Michael Geuckler. Allein das dauere mindestens zwei Jahre.

Bedingung für eine Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn ist die Berücksichtigung des Vorhabens im ÖPNV-Bedarfsplan für Nordrhein-Westfalen. Nur dann wäre die Finanzierung durch das Land gesichert. Derzeit rechnet der ZVM für die gesamte Strecke mit Investitionskosten in Höhe von 35,2 Millionen Euro.

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