Flur- und Straßenkunde
Am Sundern lebt es sich gut

Westerkappeln -

Schon lang ist „Am Sundern“ gut leben, das zeigen archäologische Funde in der Tongrube Teepe. Diese belegen, dass hier bereits im frühen Mittelalter ausgedehnte Hofanlagen bewirtschaftet wurden.

Freitag, 09.12.2016, 08:12 Uhr

Der Hof Twiehaus  bereits 1580 im Cappelner Schatzregister als Twighus im Sundern erwähnt
Der Hof Twiehaus  bereits 1580 im Cappelner Schatzregister als Twighus im Sundern erwähnt Foto: Astrid Springer

Größere Höfe gab es auch später. Darunter der Hof Twiehaus , zu dem auch der sogenannte Sundern gehört – ein Wald, nach dem die vorgelagerte Straße benannt wurde.

Der Sundern, das ist heute ein langgestrecktes Waldgebiet jenseits der Straße. Viele Buchen stehen hier, durchsetzt von Eichen und alten Ilexsträuchern, auch einige nässetolerante Baumarten stehen in den feuchteren Senken. Der Ilex deutet auf einen ehemaligen Markenwald hin, ebenso wie der Name Sundern.

Sundern kommt nämlich vom mittelniederdeutschen sunder, altniederdeutsch sundar, germanisch sundra oder sundraz. Die ursprüngliche Bedeutung ist „abseits“ oder „abgesondert“. Damit war aber nicht gemeint, dass der Wald im abgelegenen liegt. Er wurde vielmehr so bezeichnet, weil er einst aus Gemeinschaftsbesitz, dem Markenland, herausgenommen wurde.

Ein Sundern ist also ein Stück ehemaliger Markenwald, der in Privatbesitz kam. In Westerkappeln gab es außer in Metten auch in Westerbeck und Handarpe Sundern, in Tecklenburg durchquert man einen Sundern in Richtung Ledde.

Der Tonabbau am Sundern förderte alte Spuren von Besiedlung zutage. Pfostengruben und andere Funde lassen auf mehrere stattliche Hofanlagen aus dem 10. und 11. Jahrhundert schließe

Der Tonabbau am Sundern förderte alte Spuren von Besiedlung zutage. Pfostengruben und andere Funde lassen auf mehrere stattliche Hofanlagen aus dem 10. und 11. Jahrhundert schließe Foto: Astrid Springer

Ein so großer zusammenhängender Wald gehörte meist zu einem größerem Gehöft, einem Schulten- oder Meyerhof beispielsweise. Der Mettener Sundern ist dem alten Hof Twiehaus zugeordnet, der bereits 1580 im Cappelner Schatzregister als Twighus im Sundern erwähnt wird.

  Foto: Astrid Springer

Auffällig dabei: die vergleichsweise hohen Abgaben. Offenbar war der Hof Twiehaus im 16. Jahrhundert ein stattliches Gehöft, auch 1831 hatte der Besitzer Colon Johann Bernard Twiehaus eine überdurchschnittliche Steuer abzuführen. Auch wird bereits 1494 ein Twyghus unter den zweiundvierzig wohlhabendsten Höfen Westerkappelns erwähnt, die ihre Abgaben mit Schuldschweinen bezahlen mussten.

Zu den offenbar guten wirtschaftlichen Verhältnisse des Hofes dürfte nicht zuletzt der Sundern beigetragen haben. Zum einen wurde hier das Vieh geweidet und gemästet. Diese Art der Nutzung ist beispielsweise auch vom Tecklenburger Sundern bekannt, den die Grafen zur Schweinemast nutzten.

Ein Wald gab der Straße ihren Namen: der Sundern.

Ein Wald gab der Straße ihren Namen: der Sundern. Foto: Astrid Springer

  Zum anderen konnte aus dem Privatwald des Hofes Stammholz für Bauzwecke entnommen werden, welches im gemeinschaftlich genutzten Niederwald kaum vorhanden war. Darüber hinaus ist ein zusammenhängendes Waldgebiet idealer Rückzugsraum für Wild, und die Jagd war ebenfalls willkommene Einkommensquelle.

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