Vortrag zu den Großen Sloopsteenen stößt auf viel Resonanz
Forschung sucht die Öffentlichkeit

Westerkappeln/Lotte -

Die Großen Sloopsteene im Grenzgebiet von Westerkappeln und Lotte-Wersen ziehen die Menschen auch heute noch in ihren Bann. Rund 100 Gäste waren am Mittwoch zu einem Vortrag der Altertumskommission für Westfalen gekommen. „Unsere Aufgabe ist es auch, das Wissen in die Öffentlichkeit zu bringen“, erklärt deren Vorsitzende Dr. Aurelia Dickers. Ende April soll es an den Sloopsteenen dazu einen „Tag der Megalithik“ geben.

Donnerstag, 16.02.2017, 17:02 Uhr

Kompetent und kurzweilig brachte Dr. Kerstin Schierhold den aktuellen Forschungsstand zu den Großen Sloopsteenen einem großen Publikum näher.
Kompetent und kurzweilig brachte Dr. Kerstin Schierhold den aktuellen Forschungsstand zu den Großen Sloopsteenen einem großen Publikum näher. Foto: Frank Klausmeyer

Wem gehören eigentlich die Großen Sloopsteene ? Geopolitisch betrachtet liegen sie auf Lotter Gebiet. Doch die Westerkappelner scheinen der steinzeitlichen Grabanlage emotional enger verbunden zu sein. „Ich bin mir sicher, dass Menschen aus beiden Gemeinden dort bestattet wurden“, meint Dr. Wieland Wienkämper schmunzelnd.

Die Sloopsteene sind für den Westerkappelner Archäologen vor allem ein Symbol dafür, dass die Menschen vor Jahrtausenden so etwas wie den Grundstein für die heutige Kulturlandschaft gelegt haben. „Es sind vielleicht nur Steine, aber es sind wichtige Steine“, meint auch Dr. Kerstin Schierhold.

Dieses Fazit zieht die Wissenschaftlerin am Ende ihres fast zweistündigen, kurzweiligen Vortrages zu den neuesten Erkenntnisse über die Großen Sloopsteene, den sie am Mittwochabend im „Alten Gasthaus Schröer“ gehalten hat.

Das vorgeschichtliche Grabmal – älter als die Cheopspyramide und älter als die fast ebenso berühmten Steinkreise von Stonehenge – zieht die Menschen offensichtlich in ihren Bann. Rund 100 Gäste, unter ihnen auch der Lotter Bürgermeister Rainer Lammers, konnte Wienkämper am Mittwoch im Namen des gastgebenden Kultur- und Heimatvereins Westerkappeln begrüßen.

Der Vortrag stieß auf großes Interesse.

Der Vortrag stieß auf großes Interesse. Foto: Frank Klausmeyer

„Schwer beeindruckt“ von dieser Resonanz zeigte sich auch Dr. Aurelia Dickers , Vorsitzende der Altertumskommission für Westfalen , in dessen Auftrag Kerstin Schierhold und ihr Team die Sloopsteene untersucht haben: „So viel Publikum haben wir sonst nicht bei einer Buchpräsentation.“

Das Heft 1 der neuen Schriftenreihe „Megalithgräber in Westfalen“ wurde ihr und den am Abend anwesenden Kollegen förmlich aus den Händen gerissen. 1000 Exemplare sind aufgelegt worden. „Wenn die weg sind, drucken wir nach“, sagt Dickers.

Heft 2 ist übrigens bereits in Arbeit und wird möglicherweise noch in diesem Jahr erscheinen. Darin werden die neuesten Erkenntnisse zum Hünengrab in Westerkappeln Seeste, von dem nur noch Reste übrig sind, und das besser erhaltene Megalithgrab in Lengerich-Wechte vorgestellt.

Die Forscher der Altertumskommission sind dabei, die spätjungsteinzeitlichen Großstein- oder Megalithgräber in Westfalen systematisch zu erfassen und mit neuesten wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen. „Unsere Aufgabe ist es aber auch, das Wissen in die Öffentlichkeit zu bringen“, erklärt Dickers zu dem Projekt, das mit Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird.

Die Großen Sloopsteene im Winter

Die Großen Sloopsteene im Winter Foto: Frank Klausmeyer

Die Großen Sloopsteene sind seit Jahrzehnten ein beliebtes Ausflugsziel. Es gebe wohl keine Schulklasse in Westerkappeln, die noch keine Exkursion dorthin unternommen habe, sagt Wieland Wienkämper. Durch die Arbeit der Altertumskommission werde das vorgeschichtliche Denkmal „noch ein bisschen wertvoller“.

Der Erinnerungsschein zum Westerkappelner Heimattag 1922 bietet eine plattdeutsche „Erklärung“ zur Entstehung der Sloopsteene.

Der Erinnerungsschein zum Westerkappelner Heimattag 1922 bietet eine plattdeutsche „Erklärung“ zur Entstehung der Sloopsteene. Foto: Repro: Heinz Schröer

Davon ist auch Susanne Hehemann, stellvertretende Bürgermeisterin in Westerkappeln, überzeugt. „Beachtlich“ findet sie, vermutlich auch mit Blick auf den Tourismus, dass die Großsteingräber Westfalens, also auch die Sloopsteene, in eine europäische Route der Megalith-Kultur eingebettet werden sollen. Ein Aspekt verbinde alle, Wissenschaftler wie die Bevölkerung: „Das Bestreben zu schauen, wo unsere Wurzeln sind.“

Die in Münster ansässige Altertumskommission will ihr Wissen dabei auch publikumswirksam präsentieren: Im Rahmen des aktuellen Projektes veranstaltet sie am Sonntag, 30. April, an den Sloopsteenen den „3. Tag der Megalithik in Westfalen“. Dieser steht unter dem Thema „Moving Stone“ (bewegte Steine). Auch wenn am Ablauf des Events noch gefeilt wird, so viel sei verraten: Das Motto des Tages wird wohl auch Programm.

►  Heft 1 der Schriftenreihe „Megalithgräber in Westfalen“ über die Großen Sloopsteene ist in Westerkappeln gegen eine Schutzgebühr von 3,50 Euro erhältlich in der Buchhandlung Esch oder beim Vorstandsmitglied des Kultur- und Heimatvereins Heinz Schröer, '  05404/3350. Bestellt werden kann es auch bei der Alterumskommssion für Westfalen, An den Speichern 7, 48157 Münster, '  0251/591-8990, €E-Mail: altertumskommssion@lwl.org .   | www.altertumskommission.lwl.org

Die Hüter der Sloopsteine

Der Kultur- und Heimatverein Westerkappeln hat sich seit jeher um das Grabmal auf dem Gabelin verdient gemacht. Genaugenommen wurde er sogar auf dessen Fundament gegründet. Denn der 1919 vom Lehrer Friedrich Rohlmann aus der Taufe gehobene „Verein für Heimatkunde Westercappeln“ hatte seine Ursprünge in einem Kreis interessierter Mitbürger, der sich „Die Hüter der Sloopsteine“ nannte.

Der Heimatverein war es auch, der sich für die Unterschutzstellung der Sloop­steene als Denkmal einsetzte. Anlässlich des ersten Heimatfestes 1920 organisierte er eine Fahrt zum Gabelin, „wo die Jugend Volkstänze darbot“, berichtet Friedrich Ernst Hunsche in seiner Chronik „Westerkappeln“. Anlässlich des zweiten Heimattages wurden 1922 fünf Erinnerungsscheine (bisweilen auch Notgeld genannt) herausgegeben, wovon eine Note die Sloopsteene zeigt – mit einer plattdeutschen „Erklärung“ zu deren Entstehung „vör fiefuntwindtigdusend Johr“. Solche Legenden um die Sloopsteene haben nach Meinung von Expertin Kerstin Schierhold dazu beigetragen, „dass sie bis heute so gut erhalten sind.“

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