Archäologen gehen den Sloopsteenen mit modernster Technik auf den Grund
Virtueller Wiederaufbau

Westerkappeln/Lotte -

Mit neuester Technik haben Wissenschaftler der Altertumskommission für Westfalen die Großen Sloopsteene bei Westerkappeln untersucht. In Arbeit ist derzeit eine komplette Rekonstruktion am Rechner, die es Nutzern am Ende sogar virtuell ermöglichen soll, die Totenkammer „persönlich“ zu betreten.

Freitag, 17.02.2017, 09:00 Uhr aktualisiert: 17.02.2017, 13:30 Uhr
Die über 5000 Jahre alten Großen Sloopsteene werden digital rekonstruiert. Am Ende soll die Grabkammer auch für Laien einfach übers Tablet begehbar werden.
Die über 5000 Jahre alten Großen Sloopsteene werden digital rekonstruiert. Am Ende soll die Grabkammer auch für Laien einfach übers Tablet begehbar werden. Foto: Altertumskommission für Westfalen (LWL)/Leo Klinke

Was Historiker heute über die Großen Sloopsteene und ihre Erbauer wissen, ist nicht nur das Ergebnis neuester Untersuchungen vor Ort, sondern das leiten sie auch ab von anderen Totenstätten der Jungsteinzeit. „Das Phänomen, mit großen Steinen zu bauen, begann in Europa vor 5000 Jahren“, fängt Dr. Kerstin Schierhold mal ganz von vorne in dieser Geschichte an.

Schierhold ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Altertumskommission für Westfalen und leitet seit 2014 in deren Auftrag ein Projekt, dass sich mit der Megalithik in den hiesigen Breiten beschäftigt. Am Mittwochabend stellte sie im vollen Saal des „Alten Gasthaus Schröer“ den aktuellen Forschungsstand zu den Sloop­steenen vor. Beeindruckend dabei war zu hören und zu sehen, mit welch modernen Methoden Archäologen heutzutage arbeiten ohne oft auch nur einen Handvoll Erde schippen zu müssen.

In Westfalen breitete sich die Form der Großsteingräber zwischen 3500 und 3000 vor Christus aus. „Es handelte sich nicht nur um eine Kultur, es gab verschiedene Ausdeutungen“, erläutert Schierhold. Während die nach den typischen Tongefäßen benannte Trichterbecherkultur im Norden und Westen Findlinge zu Ganggräbern auftürmte, entstanden im Süden und Osten im Bereich der sogenannten Wartbergkultur Galeriegräber, wo Kalksteinplatten in den Boden eingegraben wurden.

Ganggräber wie die Sloopsteene hatten alle Gemeinsamkeiten: Sie wurden oberhalb des Erdreichs in Ost-West-Ausrichtung erbaut, waren meist von einem Erdhügel überdeckt und hatten überwiegend einen südlichen Eingang. Ins Innere der Kammern wurden den Verstorbenen Gefäße – vermutlich mit Speis und Trank gefüllt – als Beigabe zur Seite gelegt. Über einen langen Zeitraum kamen so Hunderte Krüge zusammen.

An den Sloopsteenen hat man davon allerdings nur noch Überbleibsel in Erdhaufen geborgen, die dort offensichtlich zu früherer Zeit von Grabräubern entsorgt worden waren. Immerhin wurden 257 Scherben gefunden, ein Drittel davon mit für die Trichterbecherkultur typischen feinen Verzierungen.

Auch Knochen lagen in diesen Schutthalden; Reste von Schädeln, Becken, Armen, Beinen. Ein Antropologe hat anhand von 23 Fragmenten nachgewiesen, dass die Knochen auf jeden Fall von einem Kind (7 bis 10 Jahre), einem Heranwachsenen (15 bis 20 Jahre) und einem Erwachsenen stammen, die zwischen 3350 und 2900 vor Christus gelebt haben müssen. „Wir haben hier nur einen winzigen Ausschnitt. Vielleicht sind die Sloopsteene noch älter“, sagt Kerstin Schierhold.

Auch wenn zahlreiche Menschen in so einer Anlage bestattet wurden, hält die Wissenschaftlerin die Bezeichnung „Massengrab“ für falsch. „Wir sprechen von einem Kollektivgrab, das über Generationen hinweg aufgesucht wurde.“

Derlei Gräber gab es in der Region einige – nicht nur eines nahe der Sloopsteene an der Sandstraße und eines in Seeste oder die Kleinen Sloopsteine in Halen, sondern auch noch eine gut erhaltene Totenstätte in Lengerich-Wechte. Eigentlich seien es dort sogar zwei gewesen. In den 1920er Jahren habe man diese jedoch für eine aus heutiger Sicht wohl stümperhafte „Rekonstruktion“ zu einer Grabanlage zusammengesetzt. Überdies sind zwei Großsteingräber aus Recke-Espel bekannt, die aber beide zerstört wurden.

Bis 2014 sei der Forschungsstand über die Großen Sloopsteene „mau“ gewesen, wie Schierhold es nennt. Dank neuester Technik hat sich daran viel geändert. Mit Hilfe einer Drohne wurden zahlreiche Aufnahme aus der Luft gemacht, die mit weiteren Fotos aus allen Perspektiven die Daten für eine dreidimensionale Rekonstruktion liefern. Es gibt bereits eine Animation als sogenannte 3-D-Punkwolke, entstanden aus 377 Millionen (!) Messpunkten. In Arbeit ist eine komplette Rekonstruktion am Rechner, die es Nutzern am Ende sogar virtuell ermöglichen soll, die Totenkammer „persönlich“ zu betreten. Diese Wiederherstellung verfolgt auch noch einen anderen Zweck: „Sollte die Grabanlage – aus welchen Gründen auch immer – mal Schaden nehmen, haben wir sie immer noch digital konserviert“, erläutert Schierhold.

Um 2800 vor Christus wurden die Großen Sloop­steene aufgegeben. Am Gabelin wurden aber weiter Tote bestattet. „Im Umfeld gab es ein vorgeschichtliches Hügelgräberfeld“, erläutert Schierhold. Drei von ehemals mindestens 27 Hügeln konnten ausgegraben werden. Sie datieren aus der späten vorrömischen Eisenzeit. „Sehr, sehr spannend ist, welche Wegeverbindungen es damals gab.“ Dieser Fragestellung geht gerade ein Student für seine Masterarbeit nach.

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