Straßenkunde: Am Klee und Kleestraße – der Boden prägt den Namen
Feucht statt grün

Westerkappeln -

Am Klee und Kleestraße – wer denkt dabei nicht an einen vierblättrigen Glücksbringer. Sprachwissenschaftlich haben diese Westerkappelner Straßennamen mit dem botanischen Klee allerdings nichts zu tun, vielmehr gehen sie auf den Untergrund zurück.

Freitag, 24.02.2017, 10:02 Uhr

„Am Klee“ in Westerkappeln: Der Straßenname kündet nicht von Glücksbringern, sondern von feuchtem, lehmigem Boden.
„Am Klee“ in Westerkappeln: Der Straßenname kündet nicht von Glücksbringern, sondern von feuchtem, lehmigem Boden. Foto: Astrid Springer

Klee ist ein bekannter Glücksbringer, jeder kennt das vierblättrige Kleeblatt. Im Klee trafen sich auch die Liebenden. Bereits die Kelten verehrten ihn als Liebessymbol und irische Bräute schwören noch heute auf Klee im Brautstrauß – als Symbol für den Liebeszauber.

So könnte es auch „Am Klee“ in Westerkappeln gewesen sein, lud er doch westlich vom Friggepättken zum Spazieren ein. Sprachwissenschaftlich hat der Straßenname mit dem botanischen Klee allerdings nichts zu tun, vielmehr geht er auf den Untergrund zurück.

Diesen Zusammenhang belegen die Flurnamen rund um Kleestraße und Am Klee. Die Urkarte von 1827 gibt Aufschluss: Unters Klei heißt es da, der Kley oder auch Kleykamp; auch ein Kleegarten ist zu finden. Mundartlich wurde der gesamte Bereich nördlich der Bahnlinie als „up’m Kläi“ bezeichnet.

Die alte Schreibweise Kley mit Ypsilon bezeichnet unmissverständlich die Bodenart. Dabei ist es kein Zufall, dass der Kläi nördlich an den Merschweg grenzt: Beide Flurnamen sind Hinweis auf feucht-frischen, lehmigen Boden und viel Nässe im Untergrund.

An der Küste insbesondere für Marschböden gebräuchlich, hat Klei auch im Binnenland Landschaftsnamen geprägt. Speziell im Münsterland werden großflächige, lehmige Bereiche als sogenanntes Kleimünsterland bezeichnet. In Dortmund heißt sogar ein ganzer Stadtteil nach dem vorherrschenden Untergrund: Kley.

  Foto: Astrid Springer

Lehmige Kleiböden treten dabei auch kleinräumig auf. Allein in Westerkappeln gibt es neben dem Kläi am Merschweg noch weitere Flächen, die diesen im Namen führen, beispielsweise der Wallenbrocker Kley, der Telgter Kläi oder das Kleestück in Lada , gleich neben der Lehmkuhle.

Kley oder Klei geht zurück auf das indogermanische glei, Germanisch klaija, Mittelniederdeutsch klei. Entsprechungen gibt es im Dänischen -klaeg, Altenglisch claeg. In dieselbe Wortfamilie gehört auch das althochdeutsche klenan in der Bedeutung kleben und schmieren. Und klebrig ist so ein lehmig-toniger Boden erfahrungsgemäß, gern auch an den Schuhen.

Mundartlich gibt es teils Überschneidungen mit dem botanischen Klee, der in Südwestfalen ebenfalls kle hieß. Im Münsterland durchweg als klever oder klawer bezeichnet, ist Klee oder Klei in den Flurnamen hier in der Regel als Bodenart zu verstehen

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