Tecklenburger Nordbahn: Informationen für Landwirte aus Westerkappeln und Lotte
Die Bahnübergänge und die Bauern

Westerkappeln/Lotte -

Johann Ubben ist nicht unbedingt zu beneiden. Der Bereichsleiter von der Westfälischen Landeseisenbahn hat zurzeit häufig Abendtermine und muss Überzeugungsarbeit leisten. Denn die geplante Wiederbelebung der Tecklenburger Nordbahn ist umstritten. Das spürte Ubben auch am Donnerstagabend anlässlich der gemeinsamen Winterversammlung der landwirtschaftlichen Ortsvereine Westerkappeln und Lotte-Wersen.

Freitag, 24.02.2017, 15:02 Uhr

Eine Anrufschranke soll am Bahnübergang nahe der Tonabgrabung Am Sundern installiert werden. In diesem Bereich ist ein zweigleisiger Betriebsbahnhof geplant.
Eine Anrufschranke soll am Bahnübergang nahe der Tonabgrabung Am Sundern installiert werden. In diesem Bereich ist ein zweigleisiger Betriebsbahnhof geplant. Foto: Frank Klausmeyer

Dabei ging es aber weniger um das Für und Wider einer Reaktivierung, sondern in erster Linie um die Bahnübergänge, die in dem Falle geschlossen werden sollen. Das schmeckt einigen Bauern gar nicht, befürchten sie doch, dass ihre Flächen nicht mehr erreichbar sind oder nur noch über lange Umwege.

Dem aus Ostfriesland stammenden Ubben gelang es mit seiner geradlinigen Art allerdings, den meisten Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen – zumindest am Donnerstag. „Im stillen Kämmerlein überlegt man sich vieles. Jetzt kommt es darauf an, die Konzepte auf ihre Realisierbarkeit zu überprüfen“, erklärte der Eisenbahnvertreter und fragte danach, „wo es kneift und wo es vielleicht Wege gibt, die wir gar nicht kennen.“ Dabei sicherte Ubben zu, dass mit den Betroffenen in den kommenden Monaten auch vor Ort gesprochen werden soll.

Johann Ubben: Das Verfahren, das wir jetzt beginnen, dauert über ein Jahr.

Johann Ubben: Das Verfahren, das wir jetzt beginnen, dauert über ein Jahr. Foto: Frank Klausmeyer

Jeweils 20 Bahnübergänge gibt es auf der Strecke durch Westerkappelner und Lotter Gebiet, neun beziehungsweise acht davon sollen aufgegeben werden. „Überall, wo wir Bahnübergänge schließen, sorgen wir dafür, dass es eine andere Zuwegung für die Grundstücke gibt“, versprach Ubben. Dies geschehe in Form von Bahnseitenwegen oder durch den Ausbau anderer Straßenführungen.

In den meisten Fällen regte sich am Donnerstag kein Widerspruch. Für einen Feldzugang an der Autobahnunterführung in Wersen mahnte der Lotter Bürgermeister Rainer Lammers , der wie seine Westerkappelner Kollegin Annette Große-Heitmeyer und einige Ratsmitglieder aus Westerkappeln unter den Zuhörern weilte, allerdings noch Gesprächsbedarf an. Dieser werde möglicherweise noch für die Erschließung von Gewerbeflächen am Teichweg benötigt.

Der geplante Wegfall des Bahnübergangs am Gänsehügel in Wersen wurde ebenfalls kritisch hinterfragt. Im Gegenzug soll der nur 100 Meter weiter westlich liegende Übergang an der Halener Straße durch Lichtzeichenanlage und Halbschranke erneuert werden. Die Ersatzwege würden so ausgebaut, dass sie auch mit schweren Schleppern befahrbar seien, erläuterte Ubben.

Für mehr Diskussionsstoff sorgte die geplante Schließung von vier Bahnübergängen zwischen Wersener Damm und Sloopsteinweg. Dazwischen liegt eine Strecke von knapp 1,8 Kilometer und der Hof von Wilhelm Schwegmann mitten darin. Der Landwirt bewirtschaftet Flächen beidseitig der Gleise. Das sei existenzgefährdend, sprang die Landfrau Birgit Leyschulte ihrem Wersener Kollegen zur Seite. Hartmut Meyer, Vorsitzender des landwirtschaflichen Ortsvereins Lotte-Wersen, schlug in diesem Zusammenhang vor, besser den Übergang am Wersener Damm zu schließen und im Gegenzug die Straße Sonnenkamp auszubauen.

Am Sloopsteinweg hatten die Planer zunächst eine Anrufschranke vorgesehen. „Das wird so nix, das haben wir schon selbst gemerkt“, kündigte Ubben Korrekturen an. An den Gleisen der Nordwestbahn haben die Bauern offensichtlich keine gute Erfahrung mit dieser technischen Lösung gemacht. Hartmut Meyer berichtete von Beinahe-Unfällen, Ulrich Schwabe von Wartezeiten bis zu 15 Minuten. Solche Bedenken versuchte Ubben zu entkräften: „Unsere Anrufschranken sind komplett dreifach elektronisch gesichert.“

Die Pläne für eine Anrufschranke am Sloopsteinweg (Bild rechts) sind dagegen wohl vom Tisch.

Die Pläne für eine Anrufschranke am Sloopsteinweg (Bild rechts) sind dagegen wohl vom Tisch. Foto: Frank Klausmeyer

Für die geplanten Schließungen von Bahnübergängen in Westerkappeln bekam Ubben gar keinen Gegenwind. Elke Wieligmann, Vorsitzende des hiesigen Ortsvereins, äußerte aber die Vermutung, dass für die zu bauenden Bahnseitenwege doch Flächen von der Landwirtschaft gebraucht werden. Überdies wird das wohl im Bereich Langenbrück notwendig, wo die Zugstrecke auf rund 650 Meter zweigleisig ausgebaut werden soll. Auch im Werser Holz wird Fläche benötigt, weil dort neue Gleise verlegt werden müssen, um einen flacheren Kurvenradius zu schaffen, der höhere Geschwindigkeiten erlaubt.

Natürlich müsse an der einen oder anderen Stelle Grunderwerb getätigt werden, räumte Ubben ein. „Wir werden aber bei jedem Quadratmeter dreimal überlegen, ob wir den kaufen“, meinte der Eisenbahner mit Blick auf die Kosten.

Was denn passiere, wenn die Landwirte sich sträubten, Flächen abzugeben, wollte Ulrich Schwabe wissen. Ubben ist da offensichtlich ganz entspannt. Die Erfahrungen aus anderen Projekten zeigten, dass man sich einig werde. So könne man über einen Flächentausch nachdenken. „Ich glaube, dass der eine oder andere Widerstand noch aufgegeben wird, weil das toll ist, was wir machen.“ Johann Ubben jedenfalls ist von der Reaktivierung der Nordbahn überzeugt.

Nordbahn auch Thema in der Politik

Die geplante Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn (http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Steinfurt/Westerkappeln/2552320-Vorplanung-zur-Wiederbelebung-der-Tecklenburger-Nordbahn-vorgestellt-Das-ist-eine-historische-Chance) beschäftigt auch die politischen Gremien in Westerkappeln und Lotte. Am Donnerstag, 2. März, wird das Konzept im Ausschuss für Umwelt, Energie und Landwirtschaft des Westerkappelner Rates vorgestellt.

Michael Klüppels (Verkehrsmanager Regionalverkehr Münsterland), Johann Ubben (Westfälische Landeseisenbahn) und Michael Geuckler (Geschäftsführer Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Münsterland/ZVM) wollen in der Sitzung den aktuellen Planungsstand vorstellen. Die öffentliche Sitzung beginnt um 18 Uhr im Rathaus.

Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer betont in diesem Zusammenhang, dass die Pläne zeitnah auch noch in einer gesonderten Bürgerinformationsveranstaltung öffentlich vorgestellt werden sollen. Ein genauer Termin stehe aber noch nicht fest.

In Lotte wird sich unterdessen der Verkehrs- und Umweltausschuss am Mittwoch, 5. April, auf die Reise machen. Dann wollen die Politiker den Gleisabschnitt von Büren bis zur Westerkappelner Gemeindegrenze mit dem Bus abfahren und dabei insbesondere die verschiedenen Bahnübergänge besichtigen, kündigt Bürgermeister Rainer Lammers an.

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